Glauben privat und öffentlichKreuzabnahme

Weil sie fürchten, allzu aufdringlich zu sein, verstecken viele Christen ihren Glauben. Das wird besonders bei ihrem zentralen Erkennungszeichen, dem Kreuz, deutlich. Wer bekreuzigt sich noch in der Öffentlichkeit? Wo hängen noch Kreuze in unseren Wohnungen? Haben wir doch wieder Mut zu (unserer) Religion!

Blumen sagen mehr als Worte. In den wesentlichen Dingen des Lebens kommunizieren die Menschen über Zeichen, Symbole, Gesten, die Körpersprache – bis hin zum Körperlichen der Sexualität. Das Körperliche bestimmt auch das christliche sakramentale Leben – und Beten. Ohne diese Sinnlichkeit wäre Religion nur ein Hohlkörper, eine Fassade voller Vakuum. Das Sinnliche erst macht das Leben lebendig. Daher ist alles nur vermeintlich Sinnliche künstlicher Intelligenz, wie genau programmiert es auch sein mag, nichts anderes als etwas roboterhaft Kalt-Künstliches, Imaginiertes, Simuliertes, seelenlos.

In der Überlieferung des Christlichen hat sich ein Erkennungszeichen herausgebildet, das zum geradezu körperlichen Identitätsmarker dieses neuen Wegs geworden ist: das Kreuz. Und mit ihm das Sich-Bekreuzigen unter dem Segen Gottes. Wo aber bekreuzigen wir uns noch außerhalb des „geschützten“ Kirchenraums, in der Öffentlichkeit, mitten im Leben? Faktisch überwältigt die Christen da fast überall die Scham, sich zum eigenen Glauben und Hoffen zu bekennen, unbewusst verbunden mit der Furcht, gegenüber Nichtglaubenden zu aufdringlich zu sein. Dabei entblößen sich die Menschen ansonsten massenhaft öffentlich, geben Intimstes etwa über Facebook preis, ohne sich zu schämen. Nur in der Religion, einst eine öffentliche Angelegenheit, herrscht Schweigen.

Mit der Gewissenserforschung können wir im Privaten anfangen. Wo hängen in den Wohnungen noch Kreuze, in der Küche, im Wohnzimmer? Wo verehren wir bei uns selbst Kreuze als stumme sprechende Zeugen der Glaubensgeschichte durch viele Generationen unserer Ahnen? Diese haben angesichts von Leid, Sündigkeit und Tod die Sehnsucht nicht aufgegeben, einmal in die österliche Hoffnung real einzugehen mit dem gekreuzigten Jesus, der als Christus auferweckt wurde. Die eigentliche „Kreuzabnahme“ geschieht weniger in Schulen und Gerichtssälen als in den eigenen vier Wänden, ja im Herzen. Die Freude des Evangeliums, von der Papst Franziskus eindrücklich sprach, macht sich fest am Symbol des Kreuzes, einem Marterzeichen, das österlich umgewandelt wurde zum Symbol des ewigen Lebens im Reich Gottes durch den individuellen wie kollektiven Tod hindurch. Das Kreuz ist zu einem universalen Heils- und Siegeszeichen geworden, vor dem die Glaubenden atmen, glauben, hoffen können auf Befreiung und Erlösung der bedrängten, seufzenden Kreatur im Chaos des entstehenden und verfallenden Universums. „Preis dem Todesüberwinder! Sieh, er starb auf Golgota! Preis dem Retter aller Sünder! Was er uns verhieß, geschah. Lasst des Dankes Harfe klingen, bis das Herz vor Freude bebt! Lasst uns, mächtig singen dem, der starb und ewig lebt.“

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