Snoezelen, ein besonderes Entspannungsangebot für die JüngstenBunte Blubberblasen

Die Katholische Kita St. Marien in Sulzfeld hat einen Ort geschaffen, in dem die Kinder anregende Sinneswahrnehmungen machen und gleichzeitig zur Ruhe kommen können: den Snoezelen-Raum.

Junge Kinder brauchen neben den Phasen der Aktivität unbedingt auch Phasen der Ruhe, der Entspannung. Das Team der Kita St. Marien hat zu diesem Zweck einen besonderen Raum eingerichtet: den Snoezelen- Raum. Was ist Snoezelen eigentlich? Das Konzept stammt aus den Niederlanden und wurde anfangs vor allem in der Sonderpädagogik eingesetzt. Seit einigen Jahren findet man solche Räume auch in Kitas oder Schulen. Sie sind in der Regel abgedunkelt und mit sinnesanregenden Lichtquellen, Düften und (bei Bedarf) sanfter Musik ausgestattet. Die Sulzfelder Kita hat Faseroptikprojektoren (s. Foto oben) installiert, die die Farbe wechseln. An der Decke befindet sich eine Blume, die abwechselnd rot, grün oder blau leuchtet. Wenn die Kinder möchten, kann das Farbspiel einer Lavalampe an die Wand projiziert werden. Am Boden gibt es eine Fühlstraße mit unterschiedlichen Untergründen sowie viele Kissen und Decken – darauf können es sich die Kinder bequem machen.

Snoezelen – wie geht das?

Die ersten Male ist alles neu und aufregend, für manche Kinder auch ungewohnt und beängstigend, sich in einem fast dunklen Raum aufzuhalten. Recht bald entdecken die Kinder jedoch die Möglichkeiten des Snoezelen-Raums. Sie kommen zur Ruhe und genießen die Stille. Stellen die Erzieherinnen im Kita-Alltag die Frage, wer mit zum Snoezelen möchte, finden sich immer Interessierte. Der Raum wird idealerweise mit max. drei bis vier Kindern betreten. An der Türe ziehen alle die Hausschuhe aus – in der Sulzfelder Kita ein festes Ritual für den Übergang zum Snoezelen. Während die Erzieherin sanfte Musik einlegt, suchen sich die Kinder einen Platz auf der Podestlandschaft. Grundsätzlich gilt: Alles ist richtig, alles kann ausprobiert werden und jeder darf das in seinem Tempo tun. Das Licht wird abgedimmt, die Wassersäule eingeschaltet. Einige Kinder krabbeln auf die Säule zu und beobachten gespannt, wie sie ihre Farbe wechselt und dabei leise blubbert. Was kann hier alles entdeckt werden! Wer das beruhigende Geräusch besser hören möchte, legt sein Ohr an die Säule. Ein Kind verfolgt genau, woher die Blubberblasen kommen und wohin sie gehen. Der ganze Raum schimmert in den Farben der Säule. Aus allen Perspektiven wird geschaut und gestaunt. Dabei kann man förmlich beobachten, wie ruhig die Kinder mit der Zeit werden. Nach etwa 15 bis 20 Minuten geht das Licht langsam wieder an, die Musik wird leiser, bis sie verstummt. Die Fachkraft „weckt“ die Kinder. Sie verlassen den Raum, ziehen ihre Schuhe an und gehen zurück in die Gruppe. Dort finden sie schnell zurück ins Spiel, meist in ein ruhigeres als vor dem Snoezelen. Die Ausdauer beim Puzzeln, Malen oder Bauen ist nun größer, und es fällt den Kindern leichter, sich auf Neues einzulassen.

Weniger ist mehr

Im Snoezelen-Raum gibt es eine Vielzahl an sensorischen Reizen. Es ist jedoch sinnvoll, in jeder Einheit den Schwerpunkt auf ein Sinnesorgan zu legen. Geht es um das Hören, kommen Klangschalen oder Instrumente zum Einsatz, ebenso wie Stilleübungen oder Entspannungsmusik. Die Kinder lernen, genau hinzuhören oder Geräusche herauszufiltern. Beim Sehen ist es wichtig, genau hinzusehen und Dinge auf sich wirken zu lassen. Geeignet hierfür sind die Wassersäule, Faseroptikprojektoren oder Lavalampen – also optische Reize, die im Alltag selten vorkommen und so das Interesse der Kinder wecken. Menschen orientieren sich auch durch ihren Geruchssinn. Manche Gerüche erinnern uns an bestimmte Situationen oder Orte, andere wirken beruhigend. Im Snoezelen-Raum verwenden die Fachkräfte Duftlampen oder -kerzen (z. B. für Duft-Memo-Spiele) oder duftende Massageöle.
Hinweis: keine zu intensiven Düfte wählen bzw. vorsichtig dosieren. Zur Förderung der taktilen Wahrnehmung gibt es Massagen auf dem Rücken oder dem Bauch, an den Händen, Beinen und Füßen oder am Kopf. Die Kinder massieren sich selbst oder gegenseitig, auch mal mit Igelbällen oder einem Pinsel. Für haptische Erfahrungen an den Fußsohlen oder Händen stehen Fühlstraßen und Tastwände zur Verfügung. Die Erzieherin nimmt beim Snoezelen die Rolle der Moderatorin ein und begleitet die Kinder durch die Einheit. Sie geht auf ihre Bedürfnisse ein und setzt neue Impulse.
Beim Snoezelen machen die Krippenkinder ungewöhnliche Wahrnehmungserfahrungen in einer Atmosphäre, die es ihnen erlaubt, zur Ruhe zu kommen. Der Raum bietet ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Für eine Weile tauchen sie mit allen Sinnen in eine andere Welt ein.  

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