Geschichten in der KisteGanz nah dabei

Figuren aus Filzwolle und einfache Requisiten lassen Lieblingsgeschichten lebendig werden.

Die große Bedeutung von Bilderbüchern für junge Kinder ist unumstritten: Neben der sprachlichen Komponente können sie den Jüngsten helfen, sich mit ihren Gefühlen, ihren Entwicklungsthemen und Erlebnissen auseinanderzusetzen – wenn sie thematisch auf die Interessen der Kinder abgestimmt sind. Besonders bei Kindern unter drei Jahren kann es sinnvoll sein, die Vorlesesituation über das reine Erzählen bzw. den Vorlesedialog hinaus weiter auszugestalten, um die Geschichten für die Jungen und Mädchen lebendig werden zu lassen. Die pädagogischen Fachkräfte des Ev. Kindergarten Lichterhaus in Leinfelden- Echterdingen haben deshalb, inspiriert durch eine Fortbildung, „Geschichten in der Kiste“ ins Leben gerufen.
Die Geschichte, die für eine Kiste ausgewählt wird, sollten die Kinder oft und gerne anschauen. So ist gewährleistet, dass sie mit dem Inhalt vertraut sind. Darüber hinaus ist es wichtig, überschaubare Erzählungen auszuwählen: Die Länge und die Sprache der Geschichte, die Komplexität der Handlung und die Zahl der handelnden Figuren sollten dem Entwicklungsstand der Kinder entsprechen. So werden sie mit der szenischen Nacherzählung nicht überfordert.

Benötigte Materialien:

  • „Die Eule mit der Beule“ (von Susanne Weber und Tanja Jacobs): Filzwolle für die Tiere, Filznadeln
  • „Die kleine Raupe Nimmersatt“ (von Eric Carle): Perlen, Filzstücke, Faden und Pfeifenputzer für die Raupe, Filzwolle für die Esswaren und den Kokon, Stoffreste für den Schmetterling, Filznadeln
  • Requisiten: kleine Äste, Kiefernzapfen oder Filzstücke können bspw. als „Landschaft“ dienen
  • ein Schuhkarton
  • Kopien der Geschichte bzw. der Bilder aus der Geschichte

So wird’s gemacht:

Die etwa handgroßen Figuren werden mit der Nadel aus Filzwolle gefilzt. Sie sind angenehm weich und durch ihre Größe für die Kleinkinder gut zu handhaben. In den Karton wird eine Kopie des Textes geklebt, diese kann später beim freien Erzählen unterstützen. Außerdem wird die Kiste mit Bildern aus der Geschichte gestaltet. Das Titelbild auf dem Deckel zeigt den Kindern, welche Geschichte sich in der Kiste verbirgt.

Geschichtenzeit

Die Kinder wissen, wann sich alle auf dem großen Morgenkreis- Teppich treffen, das Ritual ist ihnen vertraut. Die Erzieherin stellt zwei Schachteln bereit und legt nach dem Begrüßungslied einige Symbolkarten in die Mitte. Jede Karte steht für ein Lied, ein Fingerspiel oder eine Geschichte. Heute sucht Emilie (1;4) eine Karte aus. Gemeinsam wird das Lied gesungen, das sie sich gewünscht hat. Emma (2;8) wählt als nächste Karte „Die Eule mit der Beule“. Die Erzieherin stellt die passende Kiste vor sich auf den Teppich, öffnet sie und setzt die kleine Eule auf den grünen Filz. Sie benennt Geschichte und Figuren und hilft den Kindern so, ihre Aufmerksamkeit auf die Erzählung zu lenken. Dann erzählt sie weitgehend frei die Geschichte von der kleinen Eule, die eine Beule hat: Verschiedene Tiere versuchen, sie aufzumuntern: Der Fuchs pustet, die Maus bringt ein Pflaster und die Schlange streichelt ihr die Wange. Am Ende ist es der Kuss der Eulenmutter, der tröstet. Passend zum Verlauf der Handlung werden die Filzfiguren aus der Kiste geholt bzw. wieder hineingelegt. So sind nur die Figuren im Spiel, die für die Umsetzung einer Szene notwendig sind. Das erleichtert es den Kindern, der Handlung konzentriert zu folgen. Die Geschichte und ihre Figuren werden zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, die Erzieherin tritt in den Hintergrund. Oft rücken die Kinder sogar näher an die Figuren heran, um ganz nahe am Geschehen zu sein, werden jedoch an dieser Stelle nicht selbst aktiv.
Jüngere Kinder suchen die Nähe einer begleitenden Fachkraft. Durch die vertraute Nähe können sie der Geschichte konzentriert folgen. Ihnen hilft die szenische Umsetzung ganz besonders: Einjährige können noch nicht die ganze Handlung erfassen, aber in der Geschichte werden Gefühle und Bedürfnisse angesprochen, die ihnen vertraut sind. Diese werden durch die Figuren lebendig und anschaulich. Erst wenn die Geschichte zu Ende ist, setzen sich die Kinder handelnd mit den Figuren auseinander: Sie erspüren diese mit den Händen oder dem Mund, etwas größere ahmen kurze Sequenzen nach. Diesem Interesse der Kinder kommen die Fachkräfte dadurch entgegen, dass sie einzelne Kisten im Freispiel zur Verfügung stellen oder sie im Rahmen von dialogischen Bilderbuchbetrachtungen einsetzen. Die Geschichtenzeit im Morgenkreis beschließen die Kinder, wenn sie die Tiere selbstständig in die Kiste zurücklegen.

Weitere Geschichten:

„Heule Eule“ von Paul Friester und Philippe Goossens, „Der Hase mit der roten Nase“ von Helme Heine und „Der Maulwurf und der Frühling“ von Hana Doskocilova.   

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