Kindern vorlesenGemeinsam eintauchen

Kinder lieben Geschichten und Kuscheln mit den Eltern. Vorlesen verbindet beides und unterstützt außerdem die Sprach- und Persönlichkeitsentwicklung.

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Gemeinsam eintauchen© Astrakan Images - Getty Images

Die Heldinnen und Helden aus Kinderbüchern bleiben ein Leben lang in Erinnerung. Ihre Geschichten bringen Kinder zum Lachen oder rühren sie sogar zu Tränen, sie sorgen fürs Kino im Kopf und beflügeln die Fantasie. Bücher und Geschichten können noch mehr: Wenn Eltern vorlesen, öffnen sie ihren Kindern Tore zur Welt der Möglichkeiten. Obwohl es hier vor allem um die Effekte des Vorlesens auf die Eltern-Kind-Bindung, um Sprachkompetenz und Bildungschancen geht, so ist Lesen doch vor allem wichtig für die Ich-Bildung: Lesen bringt uns dazu, eigene Gedanken zu entwickeln, Visionen zu entwerfen und Regeln in Frage zu stellen. In der Literatur sind Grenzen von Zeit und Raum aufgehoben, alles ist möglich. Wo gibt es das sonst?

Vorlesen öffnet Tore zur Welt

Schreiben und Lesen sind wichtige Schlüsselkompetenzen. Daran ändert sich trotz digitaler Revolution nichts: Schließlich setzt auch der Umgang mit Smartphone, Tablet oder PCs flüssiges Lesen und Schreiben voraus. Wie gut, dass schon Kleinkinder durch ihre Fantasie und Wissbegierde die besten Voraussetzungen fürs spätere Lesenlernen mitbringen. Fachleute sind sich einig: Wenn Eltern ihren Kindern schon von klein auf vorlesen, profitieren diese davon in ihrer geistigen und persönlichen Entwicklung. So zeigen die jährlichen Vorlesestudien der Stiftung Lesen, dass Vorlesen nicht nur für das Sprachvermögen bedeutsam ist. Kinder, denen man regelmäßig vorliest, zeigen oft auch bessere schulische Leistungen und entwickeln soziale Kompetenzen wie Empathie, Verantwortungsgefühl und Gerechtigkeitssinn.

Bindung stärken

Gerade in Corona-Zeiten, wo viele Kinder zu Hause ohne ihre Freunde auskommen müssen, ist Vorlesen wichtiger denn je. Schließlich sorgt es neben Abwechslung auch für Nähe und Körperkontakt – Dinge, die Kinder in der Isolation vermissen. Kinder lieben es, sich mit Mama oder Papa aufs Sofa zu kuscheln und ein Buch zu lesen. Vorlesen bedeutet damit nicht nur Vermittlung von Textinhalten, sondern auch Beziehungsarbeit: Es stärkt die Bindung und schafft eine Atmosphäre von Vertrauen und Geborgenheit. Darüber hinaus lernen Kinder beim Vorlesen, aufmerksam zuzuhören und auf Details zu achten. So schulen sie automatisch auch ihre Konzentrations- und Merkfähigkeit. Gleichzeitig kommen sie mit den Vorlesenden ins Gespräch – über ein Buch, aber auch über sich selbst und andere. Das fördert die emotionale Reifung sowie die Fähigkeit, eigene Gedanken in Worte zu fassen. Außerdem: Wer durchs Vorlesen schon früh und mit Lust die spannende Welt der Bücher und Geschichten für sich entdeckt, liest oft leichter und schneller selbstständig und sieht auch später Texte und Geschichten als wichtige Begleiter an. Damit wir uns nicht missverstehen: Lesenlernen ist längst nicht mehr nur mit dem gedruckten Buch verbunden. Für Kleinkinder, Vor- und Grundschulkinder gibt es schöne Kinderbuch-Apps und interaktive Geschichten, die sie in Begleitung der Eltern entdecken können. Digitales Lesen wird dabei nicht nur von den Kindern geschätzt, sondern motiviert nicht zuletzt auch manchen technikaffinen und buchfernen Vater zum Vorlesen.

Klischee vom vorlesefaulen Vater

Apropos buchferne Väter: Nach der Vorlesestudie 2020 der Stiftung Lesen sind es unter der Woche vor allem Mütter, die ihren Kindern vorlesen. 55 Prozent der befragten Väter gaben demnach an, nicht genug Zeit zum Vorlesen zu haben. Viele kommen erst abends nach Hause, wenn die Kinder schon im Bett sind. Dafür liest dann aber die Mehrheit (52 Prozent) dieser Vätergruppe ihren Kindern regelmäßig am Wochenende vor. Während in der Öffentlichkeit leider zu oft nur die hohe Zahl nicht-vorlesender Väter isoliert wiederholt wird, lohnt also ein genauer Blick auf die Statistik zur Rehabilitation der Väter. Was Väter gerne vorlesen? Witzige Geschichten, Sachbücher und spannende Storys. Tipp: Wenn ein Elternteil das Vorlesen gerne mit dem Einschlafritual oder einer Kuschelsituation verbindet, kann der andere doch zur Einstimmung auf einen actionreichen Ausflug oder Spielplatzbesuch Abenteuergeschichten von wilden Helden und Heldinnen vorlesen.

Vorlesen lernen leicht gemacht

Was ist überhaupt nötig, damit das Vorlesen beiden Seiten Spaß macht? Wichtig sind Zeit und Ort. Suchen Sie einen gemütlichen, ruhigen Platz aus und wählen Sie einen Moment, in dem Sie Zeit haben, auf das Kind einzugehen. Zum Beispiel abends vor dem Einschlafen oder am Sonntagnachmittag auf dem Sofa. Es kommt nicht auf die Lesedauer an. Besser regelmäßig fünf Minuten mit Leib und Seele vorlesen, als sporadisch gequälte 30 Minuten, die ihre Geduld und die Konzentration des Kindes überfordern. Beispiel Bilderbücher: Kleine Kinder nehmen Bilder mit allen Sinnen wahr. Es hilft ihnen beim Verstehen, wenn Sie beschreiben, was zu sehen ist, und mit ihnen darüber reden. Bei der Auswahl des Lesestoffs gibt es so gut wie keine Grenzen. Besonders gerne hören Kinder Geschichten zu ihren Lieblingsthemen. Wer sich brennend für Haustiere interessiert, hat Spaß an Kindersachbüchern oder Geschichten, in denen Tiere Abenteuer erleben. Auf der Suche helfen Ihnen die Profis in Bibliotheken und Buchläden. Zudem bietet die Stiftung Lesen Buch- und Medientipps für jedes Alter.

Keine Lust? Das lässt sich ändern!

Auch wenn Eltern es ungern zugeben – es gibt nicht wenige Mütter und Väter, denen Vorlesen keinen Spaß macht. Für 49 Prozent der in der letzten Vorlesestudie befragten Eltern ist das der Grund, ihren Kindern selten oder nie vorzulesen. Viele erklärten auch, nicht gut vorlesen zu können. Die Selbsteinschätzung geht oft mit zu kritischen Vorstellungen vom Vorlesen einher: Die Eltern glauben, dabei einer bestimmten Norm genügen zu müssen. So als müssten sie schauspielern oder ihre Stimme verstellen. Sie fühlen sich der Aufgabe nicht gewachsen, sind abgeschreckt und probieren es erst gar nicht aus. Die Hälfte dieser Eltern hat zudem in der eigenen Kindheit keine Vorleseerfahrungen gemacht. Ihnen fehlt das Vertrauen, dass Vorlesen jederzeit, überall und ohne Übung möglich ist. Ein paar Tipps für Einsteiger:

  • Suchen Sie mit dem Kind den Lesestoff aus, zum Beispiel in einer Bücherei. Viele Bilderbücher haben heute witzige Illustrationen und coole Figuren. Es gibt sogar Comics für Kleine, an denen auch Große Spaß haben. Moderne Kindersachbücher bieten Infos und Funfacts, die selbst mancher Erwachsene nicht weiß.
  • Fangen Sie mit kurzen Einheiten an. Dafür gibt es jede Menge Geschichtensammlungen mit kurzen Storys oder „5-Minuten-Geschichten“-Bücher.
  • Es muss nicht immer ein Buch sein! Zusammenhänge verstehen, gemeinsam neue Welten entdecken, sich mit Sprache beschäftigen, das geht auch mit Zeitschriften für Kinder und sogar dem heißgeliebten Spielzeug-Katalog, mit Hörbüchern und Hörspielen oder kostenlosen digitalen Vorleseangeboten.
  • Holen Sie Familie und Freunde mit ins Boot. Fehlen Ihnen Zeit und Geduld? Binden Sie Geschwister, Großeltern, Onkel/Tanten oder Bekannte ein, die gerne vorlesen. Besser kurze und häufigere Vorlesezeiten einplanen als gleich einen Nachmittag in der Woche.
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