Kinder in der PandemieOffenes Ohr

Wegen der Pandemie verbringen Kinder viel Zeit ohne ihre sozialen Kontakte. Schadet ihnen das?

Offenes Ohr
© Eileen Becker

Das sagt die Expertin

Ich glaube, alle Eltern stellen sich derzeit genau diese Frage, denn es gibt ja erste Studien, die bestätigen, dass unsere Kinder unter der Ausnahmesituation leiden. In meiner Familie und als Coach habe ich folgende Erfahrung gemacht: Das Stresslevel der Eltern beeinflusst maßgeblich das Wohlergehen der Kinder, das gilt auch für die Pandemie. Bin ich als Mutter oder Vater selbst in Sorge, habe ich Ängste, sind wir als Paar unterschiedlicher Meinung, zum Beispiel hinsichtlich der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung, dann führt das auch zu Stress bei den Kindern. Sind wir dagegen optimistisch und machen das Beste aus dieser Zeit, sind auch die Kinder entspannt.
Ja, unsere Kinder sind gerade sehr auf uns Eltern fixiert und es sind nur einzelne soziale Kontakte außerhalb des Elternhauses möglich. Schadet das den Kindern zwangsläufig? Wenn ich mir die Belastungen vergegenwärtige, denen viele Kinder sonst in einem durchgetakteten Alltag ausgesetzt sind, dann weiß ich nicht, was besser und was schlechter ist.
Einerseits haben Kinder jetzt weniger Begegnungen mit Freunden und Verwandten, andererseits haben sie dafür mehr Freiraum für freies Spiel, mehr Zeit und weniger Druck, sich anzupassen.
Für alle Familien, die entspannt mit der aktuellen Situation umgehen können und ihren Kindern einzelne soziale Kontakte ermöglichen, sehe ich persönlich mehr Entwicklungschancen als Risiken. Aus der Zusammenarbeit mit vielen ErzieherInnen und Eltern in den letzten Jahren weiß ich, dass wir von unseren kleinen Kindern – und dazu zähle ich alle Kita-Kinder – unendlich viel erwarten. Vielleicht ist die Pandemie dafür da, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen: als Familie gemeinsam Zeit verbringen, den Moment genießen. Ist es nicht eigentlich das, wonach wir uns alle sehnen? Vielleicht können wir die Zeit dafür nutzen, als Eltern neu zu definieren, wie wir als Familie leben wollen und welchen Stellenwert unsere Kinder in unserem Alltag einnehmen. Zum Beispiel könnten wir versuchen, unsere Arbeit um unsere Kinder herum zu organisieren, statt umgekehrt. Dann kann diese Zeit für uns alle, Kleine und Große, zu einem Geschenk werden.

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