Weihnachten mit KindernWas schenken?

Jedes Jahr an Weihnachten liegen Sachen unter dem Baum, die sich bald als langweilig herausstellen und von den Kindern nicht genutzt werden. Was ein gutes Geschenk ausmacht und wie auch ungewöhnliche Herzenswünsche erfüllt werden können

Was schenken?
© svetikd - iStock

Auf der Suche nach dem richtigen Geschenk fürs Kind fällt Eltern, Großeltern, Paten und Freunden die Entscheidung schwer, denn die Auswahl ist riesig. Vor allem für Weihnachtsgeschenke greifen Familien tiefer ins Portemonnaie: Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Iconkids & Youth unter rund 1200 Müttern liegen Geschenke für etwa 160 Euro pro Kind unterm Weihnachtsbaum. Besonders beliebt: Spielzeug und Spiele gefolgt von Büchern und Multimediaprodukten. Doch die jährliche Geschenkeflut bereitet den Kleinen statt Spaß eher Stress. Das weiß jeder, der mal ein überfordertes Kind vor einem Geschenkeberg gesehen hat. Kinder wollen Geschenke gleich anschauen, ausprobieren und damit spielen. Doch das geht nur, wenn die Menge überschaubar ist. Also besser dem Kind ein Hauptgeschenk und ein paar kleinere Geschenke geben. Sie können Ihr Kind ja auch übers Jahr ab und zu mit einem Geschenk überraschen. Das bekommt dann auch mehr Aufmerksamkeit.

Gute Geschenke gesucht

Gibt es das überhaupt, das „gute“ Kindergeschenk? Ein paar Ideen dazu: Sinnvolle und schöne Geschenke sind solche, die vorhandenes Spielzeug ergänzen. Ein neues Kleid für die Lieblingspuppe oder ein Auto für die Rennbahn. Statt Spielzeug, das schnell langweilt und Kinder zu passiven Zuschauern macht – wie automatisches Spielzeug – besser solches, das die Fantasie und Kreativität anregt. Womit kann sich ein Kind alleine oder mit anderen beschäftigen? Mit Material zum Basteln, Legen, Nageln; mit Plastilin, Knetgummi, Ton; mit Fingerfarben und Wachsmalkreiden oder Tafel und Kreide, dazu viel Papier; mit einer Verkleidungskiste voller Hüte, Schleier, Schuhe und Gardinen. Vielseitig verwendbares und ergänzbares Spielzeug setzt der Fantasie und Spielfreude keine Grenzen. Ein paar Beispiele: Bausteine aus Holz oder schadstofffreiem Plastik, eine Eisenbahnanlage, Puppen oder ein Puppentheater. Stichwort Nachhaltigkeit: Viele Eltern setzen heute auf weniger, dafür aber besseres und damit auch langlebigeres Spielzeug. Das kommt auch der Umwelt zugute, denn langlebig bedeutet weniger Material- und Energieverbrauch und damit weniger Müll. Gutes Spielzeug ist altersgerecht und sollte Ihr Kind weder unter- noch überfordern. Eltern, die ihr Kind beim Spielen beobachten, merken schnell, womit es sich im Augenblick gerne und häufig beschäftigt und mit welchen Themen es sich auseinandersetzt. So erfahren Sie auch, wo es gerade in seiner Entwicklung steht: Kann es den kleinen Flaschenzug an der Ritterburg bedienen, den Knopf am Puppenkleidchen öffnen? Versteht es die Regeln des Brettspiels? Altersangaben auf Spielzeug bieten zwar eine grobe Orientierung, doch jedes Kind ist anders und hat seinen eigenen Entwicklungsweg. Sie fühlen sich immer noch ratlos? Dann fragen Sie doch mal die Fachkräfte Ihres Kindes nach seinem Lieblingsspielzeug oder womit seine Altersgenossen spielen. Auch ein Austausch mit anderen Eltern kann inspirieren.

Gemeinsame Zeit schenken!

Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüther stellt gerne bewährte Traditionen wie das Schenken in Frage. „Wenn wir Eltern uns daran erinnern, was für uns als Kinder wertvolle Geschenke waren, stellen wir fest: Das waren nicht die gekauften Geschenke, sondern die Zeit, die andere uns geschenkt, und die Momente, die wir mit ihnen erlebt haben.“ In seinem Buch Was schenken wir unseren Kindern? rät er Eltern deshalb, durchaus materielle Geschenkwünsche des Kindes zu erfüllen. Noch wichtiger findet er es aber, dass wir im Laufe des Jahres vieles mit unseren Kindern unternehmen, was uns verbindet. „Es geht beim Schenken darum, dass wir Kindern statt materiellen Dingen all es schenken, was ihnen hilft, ihr angeborenes Vertrauen zu uns zu stärken – Liebe, Zeit und Freiheit. Damit können wir sie davor bewahren, auf das hereinzufallen, was ihnen von Menschen angeboten wird, denen nicht das Glück der Kinder, sondern ihr Vorteil am Herzen liegt“, betont Hüther.

Tipps für den Spielzeugkauf

Achten Sie beim Kaufen auf Material und Verarbeitung des Spielzeugs, damit sich Ihr Kind nicht an Bruchstellen, gesplittertem Holz oder abgebrochenen Kleinteilen verletzt. Bei Weitem nicht alles, was für Kinder angeboten wird, ist auch für sie geeignet. Prüfsiegel wie Spiel gut, LGA-tested oder Geprüfte Sicherheit (GS) stammen von unabhängigen Institutionen und werden nur nach Standard- Prüfverfahren vergeben. Dabei muss gutes Spielzeug nicht teuer sein, Sie können es auch günstig gebraucht kaufen. Zum Beispiel im Internet, auf Flohmärkten oder auf Kinderund Spielzeugmärkten, die Kirchengemeinden, Kitas oder Familienzentren regelmäßig veranstalten. Umgekehrt lohnt es sich auch, das eigene gut erhaltene und hochwertige Spielzeug wieder zum Verkauf anzubieten. Zum Wohle anderer Familien und des eigenen Geldbeutels.

Nur für Mädchen oder Jungen?

In Zeiten von Genderdebatten sind viele Eltern verunsichert, ob sie mit typischem Spielzeug für Mädchen oder Jungen überholte Rollenklischees unterstützen. Entscheidend ist jedoch, was Sie als Eltern Ihren Kindern vorleben – denn das prägt tatsächlich deren Rollenvorstellungen und damit auch ihr Spielverhalten. Wenn ein Sohn erlebt, wie sein Vater sich liebevoll um das Geschwisterchen kümmert, hat er vielleicht auch Lust, ein fürsorglicher Puppen-Papa zu sein. Und ein Mädchen begeistert sich vielleicht für Autos, wenn seine Mama regelmäßig am Steuer sitzt. Am besten ist es, wenn Mädchen und Jungen eine breite Auswahl an Spielzeug haben, sodass sie sich nach Lust und Laune ausprobieren können: morgen als Pirat oder Piratin und übermorgen als Balletttänzer oder Balletttänzerin. Was und womit Kinder spielen ist nicht problematisch – allenfalls unsere Reaktion darauf.

Vom Umgang mit Herzenswünschen

Ihr Sohn möchte unbedingt ein Lichtschwert aus Plastik, Ihre Tochter wünscht sich nichts sehnlicher als das rosa Barbie-Pferd? Sie halten aber das eine für ungeeignet und finden das andere schlicht hässlich. Es gibt Gründe, solchen H e r z e n s w ü n s c h e n nicht nachzugeben. Doch ist das immer eine gute Entscheidung? Versuchen Sie einmal, den Wunsch Ihres Kindes nicht gleich abzuwerten oder abzulehnen und fragen Sie sich, was dahinterstecken könnte: Vielleicht möchte das Kind dasselbe haben wie die anderen Kinder in der Kita, um dazuzugehören? Vielleicht möchte es auch von anderen bewundert werden? Oder es findet das Spielzeug einfach toll? Erklären Sie Ihrem Kind, warum sie vom Plastikmonster oder der Glitzerpuppe nicht begeistert sind. Aber erfüllen Sie ihm ab und zu einen Herzenswunsch – auch wenn das Spielzeug nicht unbedingt pädagogisch wertvoll ist. Was Erwachsenen gefällt, finden Kinder ja auch nicht immer toll.

Anzeige
Anzeige: Zwei Freunde im Fußballfieber

kizz Newsletter

Ja, ich möchte den kostenlosen kizz Newsletter abonnieren und willige somit in die Verwendung meiner Kontaktdaten zum Zwecke des eMail-Marketings des Verlag Herders ein. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen.