Kinderzahl Was, du willst ein drittes Kind?

Als ich mit unserem dritten Kind schwanger war, wurde ich von einer anderen Mutter gefragt, ob ich eigentlich eine Fabrik sei. Ich fand die Frage damals genauso respektlos wie seltsam. Heute kann ich darüber lachen

Was, du willst ein drittes Kind
© Julia Fiedler - Pixabay

Wir waren zu Hause vier Kinder, später kam noch eine Pflegeschwester dazu und wir durften auch oft unsere Freunde und Schulkameraden zu uns einladen. Ich liebte diese Fülle an Leben, das Gewusel, das Geplauder, das Miteinander. Mit mehreren Geschwistern aufzuwachsen, bedeutete für mich, Verbündete, Wahlmöglichkeiten und auch Abwechslung zu haben. Ich war Teil einer Sippe und gehörte zu einem großen Ganzen, in dem die Erwachsenen die Minderheit darstellten. Als ich Mutter zweier Kinder war, fühlte sich das für mich folglich noch nicht wie „Familie“ an, es war zu geordnet, zu berechenbar, das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern zu ausgeglichen. Für mich – und glücklicherweise auch für meinen Mann – war von Anfang an klar, dass das bürgerliche Ideal der Zwei-Kind-Familie nichts für uns ist. Natürlich waren die Phasen mit einem kleinen Kind auch für uns anstrengend und oft chaotisch, aber auch lustig, abenteuerlich und einfach lebendig. Zwei Kinder bedeutet Gesellschaft, ab drei ist es eine Schar.
Es gibt viele Argumente, die gegen mehr als zwei Kinder sprechen und ich habe sie wahrscheinlich alle schon mal gehört. Sie reichen von „zu teuer“, „zu wenig Zeit für das einzelne“ bis hin zu „das schränkt uns zu sehr ein“ oder „nicht gut fürs Klima“. Selbstverständlich gibt es ebenso viele Argumente, die für mehr als zwei Kinder sprechen, einige habe ich schon beschrieben, andere wurden mir erst im Erwachsenenleben bewusst. Mit meinen Geschwistern bin ich – anders als mit Freunden – unweigerlich ein Leben lang verbunden, ob wir uns nun nahestehen oder nicht. Und in meinem Fall sind meine Geschwister und ich eine Truppe, für mich eine tröstliche Vorstellung, gerade in Zeiten, in denen es im Leben hart auf hart kommt.
Ob fünf, ein, zwei oder keine Kinder – mir scheint dies keine Entscheidung zu sein, die man mithilfe einer Excel-Tabelle fällt, in der man säuberlich die Pros und Contras auflistet. Die Frage nach der Anzahl Kinder hat viel mit den eigenen Kapazitäten zu tun, dem persönlichen Bild von Familie und natürlich auch den Erfahrungen, die man selbst als Kind gemacht hat. Wenn man beim Essen am Familientisch denkt, da hätte noch ein drittes oder viertes Kind Platz, dann ist auch im Herzen noch Platz frei. Und wenn man schon mit einem Kind permanent an die eigenen Grenzen kommt oder sich auch einfach „komplett“ fühlt, dann kann man ungeniert dazu stehen.
Wie viele Kinder wir haben möchten, können wir nur selbst entscheiden. Und die Frage ist viel zu wichtig, als dass wir uns dabei von gesellschaftlichen Normen oder Meinungen beeinflussen lassen sollten. Wenn wir uns klarmachen, dass es kein „richtig“ und „falsch“ gibt, können wir uns entspannen. Und die Frage für uns persönlich beantworten. Das bedeutet dann aber noch lange nicht, dass Mutter Natur keine Kapriolen schlägt – willkommen im Leben!

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