Kleine Teile - große Probleme

Wenn Kinder etwas verschlucken, müssen Eltern schnell entscheiden: Wie gefährlich ist die Situation? Wie reagiere ich richtig?

Kleine Teile - große Probleme
© scaliger - iStock

Kinder lieben es, die Welt um sie herum zu erkunden. Dazu nutzen sie nicht nur Augen, Ohren und Hände, sondern am Anfang vor allem ihren Mund. In dieser sogenannten oralen Phase, die je nach Entwicklungsstand schon ab dem sechsten Lebensmonat beginnt, sind Lippen und Zunge die wichtigsten Sinnesorgane – zum Leidwesen vieler Eltern. Denn jetzt wird an sämtlichen Gegenständen geleckt, gekaut oder genuckelt, um sie genauestens zu erforschen. Da kann es schnell passieren, dass Kleinteile nicht wieder ausgespuckt, sondern verschluckt werden. So wichtig diese Phase für die Entwicklung der Kleinen ist, so gefährlich kann sie auch werden. Eltern müssen daher gut aufpassen und die Umgebung kindersicher machen. Kleinteile wie Steinchen, Münzen, Murmeln, Büroklammern, Knöpfe, Sicherheitsnadeln, Batterien oder kleinteiliges Spielzeug dürfen nicht offen herumliegen. Auch kleine Lebensmittel wie Trauben oder Nüsse gehören nicht in die Hände von Kleinstkindern.

Verschlucken oder einatmen

Die Medizin unterscheidet zwischen der Fremdkörperaspiration und der Fremdkörperingestion. Bei der Aspiration wird ein Fremdkörper – meist handelt es sich um Lebensmittel wie Nüsse, Weintrauben, Apfel- oder Karottenstücke – eingeatmet, während bei der Ingestion ein Fremdkörper verschluckt wird und in den Verdauungstrakt wandert. Die gefährlichere Variante ist die Aspiration, weil hier der Fremdkörper die Atemwege versperren kann. Das Kind beginnt ganz plötzlich zu husten, denn der Körper versucht selbst, den Fremdkörper loszuwerden. Häufig kommt eine pfeifende Atmung dazu oder das Kind ringt nach Luft. Jetzt muss schnell gehandelt werden, damit die Situation nicht lebensbedrohlich wird. Um das Abhusten zu verstärken, wird das Kind mit dem Oberkörper auf den Schoß gelegt, Gesicht Richtung Boden, und mit der flachen Hand fünfmal kräftig zwischen die Schulterblätter geklopft. Babys kann man auch mit dem Bauch auf den Unterarm legen. Wird der Fremdkörper nicht ausgespuckt und bekommt das Kind kaum Luft, muss sofort der Notruf gewählt werden.
Bei der Ingestion dagegen merken Eltern oft zunächst gar nicht, dass ihr Kind etwas verschluckt hat, denn erste Symptome zeigen sich meist nicht schlagartig, sondern erst nach Stunden. Dann können ein Fremdkörpergefühl, starker Speichelfluss und Schluckbeschwerden auftreten. Manchmal können die Kinder schlecht essen und spucken die Nahrung wieder aus. Bei solchen Beschwerden sollten Eltern nicht zögern und den Kinderarzt aufsuchen oder direkt in die Klinik fahren. „Manchmal ist ein Fremdkörper in der Speiseröhre so groß, oder nach einer gewissen Zeit ist so viel Schwellung hinzugekommen, dass die Luftröhre zusammengedrückt wird. Dann kann, wie bei einem eingeatmeten Fremdkörper, eine lebensbedrohliche Luftnot entstehen“, erklärt Dr. Jost Kaufmann, Kinderanästhesiologe am Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Köln. Kommt das Kind in der Klink an, beginnt die Suche nach dem möglicherweise verschluckten Gegenstand. Oft gibt schon eine Röntgenaufnahme Aufschluss darüber, was sich wo im Körper befindet. Weil diese Diagnostik aber nur bei Gegenständen aus Metall funktioniert, muss beim Verdacht auf Plastikteile eine Endoskopie oder sogar ein MRT durchgeführt werden.

Nicht jeder Fremdkörper muss raus

Wird tatsächlich ein verschluckter Fremdkörper gefunden, muss er nicht zwingend entfernt werden. „Handelt es sich um einen kleinen, glatt begrenzten, elektrisch-neutralen und ungiftigen Gegenstand und ist das Kind symptomfrei, sind in der Regel keine weiteren Probleme zu erwarten“, berichtet Kaufmann. Liegt der Fremdkörper aber noch im Magen, rät der Mediziner, diesen im Zweifelsfall zu entfernen: „Das erfolgt endoskopisch und somit ohne Schnitt. Wird der Gegenstand nicht entfernt, wandert er in den Darm und verursacht dort möglicherweise Beschwerden. Dann muss unter Umständen sogar richtig operiert werden. Und das sollte man einem Kind ersparen.“ Spitze, scharfkantige, elektrische oder chemische Fremdkörper werden daher immer wenn es endoskopisch möglich ist, entfernt. Besonders gefährlich sind Batterien, allen voran Knopfzellen, die wegen ihrer Größe leicht verschluckt werden können. „Sie geben im Körper Salzsäure und Natronlauge ab, wodurch die Speiseröhre schon innerhalb der ersten Stunde verätzen kann. Hinzu kommt, dass die Muskulatur der Speiseröhre (Ergänzung okay?) verkrampft und die Batterie regelrecht festhält, so dass sie nicht weitertransportiert werden kann“, sagt Kaufmann. „Hat ein Kind eine Knopfzelle verschluckt, muss sie so schnell wie möglich entfernt werden, um weitere Komplikationen zu vermeiden.“ Die Abteilung für Endoskopie des Kinderkrankenhauses Köln untersucht pro Jahr rund 400 Kinder, die mit typischen Beschwerden, die nach dem Verschlucken oder Einatmen von Kleinteilen auftreten, eingeliefert werden. Neben Babys sind es vor allem Kinder zwischen zwei und drei Jahren, die mit dieser Problematik in der Klinik vorgestellt werden.  

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