Hörspiele für KinderGuter Stoff für die Ohren

Schon kleine Kinder lieben Geschichten zum Hören. Sie regen die Fantasie an, fördern die Sprachkompetenz und machen Lust auf Bücher und das Lesen

Guter Stoff für die Ohren
Kinder lieben Geschichten zum Hören © Jose Luis Pelaez Inc - gettyimages

Wenn Vincent malt, hört er die Geschichten von Pettersson und Findus. Wenn er mit Lego baut, sind es die Abenteuer von Michel aus Lönneberga. Vincent hat eine Schublade voller Hörspiele und Hörbücher. Seit Wochen schiebt er eine CD nach der anderen in die Anlage. Seine Eltern machen sich Sorgen, weil der Vierjährige nachmittags oft keine Lust hat, im Garten zu spielen oder andere Kinder zu treffen. Dabei ist Vincent nicht alleine: Audiobooks sind beliebt. Laut einer Umfrage des Emnid-Instituts von 2016 lauschen 66 Prozent der Drei- bis Achtjährigen mindestens einmal pro Woche einem Hörspiel oder -buch.

Bitte keine Dauerbeschallung!

Kinder nutzen Hörgeschichten zur Entspannung und Unterhaltung, zum Zeitvertreib, zum Träumen oder zum besseren Einschlafen. Dagegen ist nichts einzuwenden, sofern Hörmedien nicht zur Dauerbeschallung werden. Bei kleinen Vielhörern gibt die Auswahl der Hörbücher oft auch Hinweise darauf, was sie im Moment besonders stark beschäftigt. Das können Themen wie Freundschaft, Groß-und-stark-Werden oder bestimmte Ängste sein. Eltern können so regelrecht mithören, was ihr Kind beschäftigt. Über interessiertes Nachfragen können sie mit dem Kind ins Gespräch kommen und gemeinsam eine Lösung für ein Problem finden.

Neue Welten erschaffen

Vor allem kleine Kinder, die noch nicht lesen können, mögen Hörbücher und -spiele sehr, weil sie ihnen neue Welten und Horizonte eröffnen. Und zwar auf ganz andere Weise, als es visuelle Medien wie Fernsehen und Apps auf Tablets oder Smartphones können. Mit ihrer Fantasie und ihrem Wissen schaffen sich Kinder beim Hören eigene Bilder. Der Mix aus Stimmen, Tönen und Geräuschen hilft ihnen dabei, mit ihren Helden in eine andere Welt abzutauchen. Viele Kinder lieben es auch, etwas zu basteln oder zu malen, während sie einer Geschichte lauschen. Die Parallelaktion empfinden sie als beruhigend und anregend zugleich. Hörspiele und -bücher haben auch den Vorteil, dass man sie auf mobilen Geräten fast überall und jederzeit anhören kann. Beim Arzt oder auf Zug- und Autofahrten helfen sie Kindern, quälend lange Wartezeiten besser zu ertragen.
Hörgeschichten regen aber nicht nur die Fantasie an, machen Spaß und fördern die Medien- und Sozialkompetenz. „Sie trainieren auch viele Fähigkeiten, die Kinder später beim Lesen und in der Schule brauchen: sich konzentrieren, wichtige Informationen von unwichtigen trennen, Inhalte durch Sprache verstehen und dabei den Wortschatz erweitern“, erläutert Christine Kranz, Expertin für Leseförderung bei der Stiftung Lesen. Gute Hörbücher und -spiele sind also eine Bereicherung für den Kinderalltag, ersetzen aber nicht das Miteinander von Eltern und Kindern beim Vorlesen. Denn anders als beim passiven Zuhören stärken Interaktion und Zuwendung die Eltern-Kind-Bindung und schaffen Geborgenheit. Deshalb ist es auch wichtig, dass Jüngere beim Hören nicht alleine sind. Manchmal reagieren sie auf die Geschichten noch emotionaler als auf Bilder, dann brauchen sie den Trost und Beistand der Großen.
Vor allem Eltern von Vielhörern befürchten, dass Hörgeschichten den Kindern den Spaß an Büchern und am Lesen verderben. Die Angst ist unbegründet: „Die Erfahrung lehrt, dass Bücher lesen und Bücher hören zusammengehört. Wer viel hört, liest auch gern – und umgekehrt“, sagt Helga Kleinen vom Bundesverband Initiative Hören. Gerade jüngere Kinder überbrücken mit Audiobooks die Zeit, bis sie selbst lesen können. Sie wechseln zwischen Hörmedien und Bilderbüchern und schätzen die Vorteile des einen wie des anderen.

Was ein gutes Hörbuch ausmacht

Ob ein Kind eine Geschichte mag, ist eine subjektive Sache. Die Qualität eines Hörspiels lässt sich aber durchaus mit objektiven Kriterien beurteilen. Das fängt schon beim CD-Cover oder bei der Präsentation im Netz an: Gibt es eine Inhaltsangabe und eine Altersempfehlung? Weiter geht es mit der Gestaltung: Wie ist das Hörstück umgesetzt? Sind die Stimmen, Geräusche und die begleitende Musik passend gewählt? „Kinder brauchen eindeutige Strukturen. Für ein Hörbuch heißt das: Besser ein akustisch leicht zu verfolgendes Geschehen als kunstvolle Klangcollagen“, betont Helga Kleinen. Dann zum Inhalt: Sind Handlung und roter Faden verständlich? Werden die zentralen Personen vorgestellt? Wichtig ist auch, dass die Figuren nachvollziehbar handeln, sodass sich die kleinen Hörer mit ihren Helden identifizieren können. Eine gute Hörgeschichte erkennt man auch daran, dass ein Kind beim Spielen oder am Familientisch gerne von ihr erzählt und das Gehörte so verarbeitet. Wichtige Orientierungshilfen für Eltern bei der Auswahl von Hörmedien bieten Qualitätssiegel wie das Auditorix-Hörbuchsiegel, Auszeichnungen wie die hr2-Hörbuchbestenliste oder die Empfehlungen der Stiftung Zuhören.

Klassiker und neue Helden

Der Markt für Kinderhörbücher boomt noch immer. Zu den beliebtesten Klassikern gehören nach wie vor die Geschichten von Astrid Lindgren, Michael Ende, Janosch oder Ostfried Preußler. So etwas wie moderne Klassiker sind die Abenteuer von Benjamin Blümchen. Der nette Elefant ist für viele Jungs ein großer Held, während Mädchen sich von der Hexe Bibi Blocksberg verzaubern lassen. Das Klischee lebt, leider.
Neben den Klassikern, die teils seit Jahrzehnten gehört werden, gibt es eine Fülle neuer Geschichten, Figuren und Themen, die ihre Fans finden: Wie Marco Campanellas Reihe Leo Lausemaus, Ingo Siegners Der kleine Drache Kokosnuss und – ja, auch das muss erwähnt werden – Disneys Erfolgsstory Die Eiskönigin. Was Kinder lieben, gefällt nicht unbedingt auch den Eltern. Doch solange die Kleinen nicht nur minderwertige Produktionen hören, besteht keine Gefahr für eine Verletzung der Geschmacksnerven. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Hörmedien es interessieren könnten. Oder finden Sie das zusammen bei einem Besuch in einer Bücherei heraus. Ein Tipp: Zu Unrecht unterschätzt ist der Unterhaltungs- und Lerneffekt von Sachthemen in Hörspielform. Es gibt unzählige Hörgeschichten zu Themen wie Technik, Tiere, Umwelt, Kinderalltag oder Philosophie.

Von der CD zum Audiosystem

Die Geschichte der Hörspielmedien im Schnelldurchlauf: Radio, Schallplatten, Kassetten, CDs, MP3-Dateien, Audiosysteme, Streamen und Downloads. Wo die Reise wohl noch hingeht? Trotz einer Zunahme von Online-Angeboten bleibt für kleine Leute die CD unverzichtbar. Sie ist kinderleicht zu handhaben und als haptisches Geschenk bei Eltern und Großeltern überaus beliebt. Vielleicht haben deshalb die noch recht neuen Audiosysteme im Spielzeugdesign so viele Freunde, weil sie eine Brücke zwischen analogen und digitalen Medien schlagen? Es gibt die Toniebox, seit Jüngstem die Lese-Eule Luka und den neuen Audiowürfel Tigerbox touch für Hörbücher, Hörspiele und Musik. Die drei Konzepte unterscheiden sich zwar im Detail, doch das Grundprinzip ist ähnlich: Die Kinder hören einen Titel übers Netz, können ihn aber auch speichern und offline nutzen. Das breite Angebot und die schöne Optik haben ihren Preis, der je nach System zwischen 79 und 199 Euro liegt.
Im Vergleich zu CD und Audiosystemen hat das Streamen und Downloaden von Audiobooks einen Preisvorteil: Streaming ist in der Regel kostenfrei, das Herunterladen je nach Anbieter kostenpflichtig. Dafür ist aber die Auswahl an Hörmedien riesig. Der Vorteil: Heruntergeladene Hörbücher können Kinder jederzeit wieder anhören – ohne lästige Werbung. Neben kommerziellen Anbietern bieten Internetradios eine große Auswahl kostenloser Hörspiele. Da deren Inhalte nicht immer kindgerecht sind, sollten Eltern unbedingt vorher hineinhören. Auf der sicheren Seite ist man bei den Kinderprogrammen öffentlichrechtlicher Sender. Sie sind kostenfrei, haben einen hohen Qualitätsanspruch, können live mitgehört oder als Podcast heruntergeladen werden. 

kizz Info

Schöne Hörspiele

Klassiker:

  • Elfie Donnelly: Benjamin Blümchen, ab 4.
  • Hans de Beer: Der kleine Eisbär, ab 3.
  • Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, ab 4.
  • Ellis Kaut: Pumuckl, ab 3.

Neues:

  • Megumi Iwasa: Viele Grüße, Deine Giraffe, ab 4.
  • Bernd Flessner: Frag doch mal … die Maus! Wissen für Kinder – Natur und Geschichte, ab 5.
  • Miriam Zedelius: Lotte und die Oma-Tage, ab 4.

Verlage mit großem Hörmedien-Angebot auf CD und/oder zum Download:

  •  jumboverlag.de, tessloff.com, argon-verlag.de, oetinger-audio.de, usm.de (United Soft Media), audiolino.de, hoerspiel.de

Tipps fürs Livehören, Streamen und Herunterladen: Kostenlos: öffentlich-rechtliche Kinderprogramme: phonostar.de, kakadu.de, kiraka.de, ohrenbaer.de, kindernetz.de

Kommerzielle Anbieter: youtube.de, audible.de, audiolino.de, spotify.com, amazon.de, apple.com

Infomaterial bietet die Stiftung Zuhören auf stiftung-zuhoeren.de, Empfehlungen zu Hörspielen und -büchern gibt es auch bei der Stiftung Lesen auf stiftunglesen.de  

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