Zölibat

Bedeutung: Der Begriff „Zölibat“ stammt von dem lateinischen „coelebs“ ab, was so viel wie „unvermählt, allein“ bedeutet. Das Zölibat ist eine keusche Haltung, die vor allem katholische Priester und Ordensleute annehmen.

Das Zölibat in der Tradition der Kirche

  • Während biblisch keine konkreten Forderungen für das Zölibat festgestellt werden können, wurde in der kirchlichen Tradition schon mit der Synode von Elvira 306 die Enthaltsamkeit für Priester und Diakone gefordert. Da Jesus nach biblischem Zeugnis selbst die freiwillige Ehelosigkeit gewählt habe, galt das Zölibat schon früh als „wahre Christusnachfolge“. Das Konzil von Nicäa 325 hat diese Forderung jedoch vehement abgelehnt.
  • Trotzdem legte das zweite Laterankonzil 1139 schließlich kirchenrechtlich offiziell fest, dass Priesteramt und Diakonenweihe unvereinbar mit Sexualität und Ehe sind.
  • Während Papst Pius IX. und Papst Johannes XXIII. das Zölibat noch hoch gewürdigt und verteidigt haben, „um frei, rein und katholisch“ zu sein, wird die Position zum Zölibat während des Zweiten Vatikanischen Konzils bereits differenzierter betrachtet.
  • Keuschheit und Ehelosigkeit werden vom Zweiten Vatikanum empfohlen und dem Priestertum als angemessen zugeschrieben. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass das Zölibat in der kirchlichen Tradition nicht schon immer Bestand hatte. Auch die Tradition der Ostkirchen, in der die Heirat eines Priesters möglich ist, wird ausdrücklich wertgeschätzt. Es gehe darum, die wahre „Hingabe von Leib und Seele an Gott“, eine höhere menschliche Reife und die „wahre Seligkeit des Evangeliums“ zu erlangen. Trotzdem kam es durch das Konzil zu einer Neuerung: Das Diakonat wurde auch für Verheiratete geöffnet (Lumen Gentium, Nr. 29) und ermöglichte damit für die Zukunft eine Forderung nach einer Ausweitung dieser Befreiung vom Pflichtzölibat.

Die kirchengeschichtliche Entwicklung zum Pflichtzölibat für Priester und Diakone wird in den letzten Jahrzehnten durchaus kritisch betrachtet. Da keine neutestamentlichen Belege das Zölibat rechtfertigen, erscheint es vielen Theologinnen und Theologen als nicht zwingend. Es sei ein Produkt der kirchengeschichtlichen Angleichung von Klerikern an die Ordensleute. Gleichzeitig wird auf den ursprünglich heidnischen Brauch der kultischen Reinheit verwiesen, der das Ideal des Pflichtzölibats geprägt hat.

Immer stärker wird der Ruf nach einer Abschaffung des Pflichtzölibats durch Mitglieder der Katholischen Kirche. Besonders in den westlichen Ländern fordern die Katholiken einen offeneren und humaneren Umgang mit der Sexualität des Menschen. Im Februar 2011 war dies unter anderem eine Kernforderung des „Memorandums“, welches von über 500 Professorinnen und Professoren der Theologie in Deutschland und Europa unterzeichnet wurde.