Zölibat

Die Ehelosigkeit oder auch das Jungfräulichkeitsgelübde ist unter Christen eine radikale Form der Nachfolge Jesu und der Nachahmung seines Lebensstils. Christen entscheiden sich bewusst, frei zu sein für den Dienst Gottes und der Kirche und berufen sich dabei beispielsweise auf die Bibelstelle aus Matthäus, in der es heißt: „Jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlassen hat, wird Hundertfältiges empfangen und ewiges Leben erben.“ (MT 19,29)

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Das Gelübde

Das Zölibatsgelübde besteht aus drei Versprechen: die Ehelosigkeit, die Enthaltsamkeit und die Keuschheit, also der Verzicht auf Geschlechtsverkehr. Die Verpflichtung dazu muss ein Priester, Diakon oder Bischof öffentlich vor Gott und vor seiner Glaubensgemeinschaft eingehen. Prinzipiell kann nur der Papst diese Verpflichtung wieder auflösen – dies würde aber mit einem sofortigen Entlass aus dem Klerikerstand einhergehen.

Was sagt die Bibel?

In der Bibel wird deutlich, dass Ehelosigkeit kein Gebot, sondern eine Gnadengabe Gottes ist. Daher ist auch nicht jeder Gläubige automatisch zum Zölibat berufen. Generell spricht die Bibel sehr positiv über die Ehe – daher ist sie beispielsweise in der katholischen Kirche ein heiliges Sakrament.
Paulus legt jedoch in 1.Korinther 7,7 ein größeres Gewicht auf den zölibatären Lebensstil, da dieser eine völlig Hingabe an „die Sache des Herrn“ ermöglicht. In Matthäus 19,11 erklärt Jesus, dass man „um des Himmelreiches willen“ ehelos lebt. Das Christentum lehrt, dass es im Himmel nicht mehr die Ehe und sexuelle Vereinigung zwischen Mann und Frau geben wird, sondern nur die Gottesbeziehung alleinigen Fokus einnimmt (vgl. Markus 12,25).
Das Konzept der Ehelosigkeit war im Alten Testament noch unbekannt. Hätte eine Frau sich freiwillig für Ehelosigkeit entschieden, wäre es als eine Ablehnung der Mutterschaft des kommenden Messias verstanden worden. Zudem sah man zur Zeit des Alten Testamentes eher Gottes Auftrag aus Genesis 1,28: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde.“.
Ob Jesus selbst unverheiratet war, wird im neuen Testament nicht ausdrücklich erwähnt. In der kirchlichen Tradition wird allerdings stark davon ausgegangen. Weitere Bibelstellen, anhand derer der Zölibat begründet wird, sind:

  • 1. Korinther 7, 25-26
  • 1. Korinther 7, 32-35
  • 1. Korinther 7, 8-9
  • 1. Timotheus 3, 2-4

Zölibat in den Weltreligionen

Christentum

In evangelischen, altkatholischen, anglikanischen und reformierten Kirchen gibt es keine konkrete Zölibatsverpflichtung für Priester/Pfarrer oder Bischöfe. Dennoch gibt es Menschen, die sich privat für einen zölibatären Lebensstil entscheiden, weil sie dies als eine gottgegebene Berufung empfinden.

Judentum

Der Zölibat wird im Judentum grundsätzlich abgelehnt, da die menschliche, körperliche Liebe als ein Geschenk Gottes angesehen wird, das man als Rabbiner nicht zurückweisen darf.

Buddhismus

Buddhistische Mönche und Nonnen werden zum zölibatären Leben angehalten.

Hinduismus

Hinduistische Gläubige leben zu Anfang ihres spirituellen Lebens zwölf Jahre enthaltsam. Das zweite und dritte Lebensstadium ist nicht zölibatär, erst im vierten und letzten Stadium leben die Gläubigen wieder enthaltsam, um sich auf die Erlösung aus dem Kreislauf materieller Wiederverkörperungen vorzubereiten.

Islam

Die Einstellung zum Zölibat ist im Islam nicht ganz eindeutig. Mohammed lehnte das Mönchtum zwar entschieden ab, allerdings gibt es dennoch einige islamische Strömungen, in denen Sufis zölibatär leben.

Zölibat in der katholischen Kirche

Bis heute ist die sexuelle Enthaltsamkeit und die Ehelosigkeit das Ideal des Priester- oder Bischofdaseins. In der römisch-katholischen Kirche kann ein Priester verheiratet sein, wenn er zuvor evangelischer Pfarrer gewesen ist oder lebenslang Katholik war und verspricht, keinen Geschlechtsverkehr mit seiner Frau zu haben.
Papst Pius XII. schrieb 1954 die Enzyklika Sacra virginitas, in der er besonders die Menschen lobt, die sich für ein Jungfräulichkeitsgelübde zum Dienst an Gott und dem Menschen entschieden haben.

Die heilige Jungfräulichkeit und die vollkommene, dem Dienst Gottes geweihte Keuschheit gehören ohne Zweifel zu den kostbarsten Schätzen, die der Stifter der Kirche der von ihm gegründeten Gemeinschaft gleichsam als Erbe hinterlassen hat.“, sagt Papst Pius XII. in seinem Schreiben.

Diskussion über die Zölibatsverpflichtung

Der Zölibat ist wohl zurzeit eines der größten Streitthemen innerhalb der katholischen Kirche hierzulande. Viele sind der Ansicht, das Zölibatskonzept sei veraltet und kontraproduktiv. Andere hingegen glauben, dass der Zölibat noch nie so wichtig wie heute gewesen sei.

Gründe, die für die Abschaffung des Zölibates sprechen:

  • Das Zölibatsgelübde ist ein Grund für den starken Priestermangel in katholischen Kirchen
  • Der katholischen Kirche wird von Kritikern oft vorgeworfen, der Zölibat sei Grund für die vielen Missbrauchsskandale, die seit Anfang der 2000er Jahre aufgedeckt wurden
  • Viele katholische Priester führen heimliche Beziehungen – daher ist mit dem Gelübde viel Heuchelei und Scheinheiligkeit verbunden

Gründe, die gegen die Abschaffung des Zölibates sprechen:

  • Hingabe an Gott und die Menschen durch freiwilliges Aufopfern (Teilhabe am Opfer Christi)
  • Größere Freiheit zum Dienst an den Gläubigen:  der Priester wird durch sein Gelübde zum „Menschen für die anderen“ und zu einem „Wächter“
  • Nachahmung Christi
  • Bislang hat kein Papst den Zölibat ernstlich in Frage gestellt – da der Papst in der römisch-katholischen Kirche als unfehlbar angesehen wird, gilt auch sein Wort für die katholischen Gläubigen
  • Wie die Berufung zum Priestertum, ist auch die Berufung zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen eine gnadenhafte Erwählung durch Jesus Christus (laut katholischer Theologie)

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