Desmond Tutu: Das Lachen eines ganz Großen ist verstummt

Er war einer der Ausnahmechristen des 20. Jahrhunderts. Ende Dezember ist Desmond Tutu, Gesicht der Anti-Apartheidsbewegung und Friedensnobelpreisträger, im Alter von 90 Jahren verstorben.

Desmond Tutu
© Wolfgang Radtke/KNA

Sein lautes Lachen war auch da präsent. Als am Pfingstsonntag im Jahr 2000 auf dem Expogelände der ökumenisch verantwortete Hauptgottesdienst der Weltausstellung stattfindet, war Desmond Tutu der Festprediger. Wohl kaum jemand wäre am Ende des 20. Jahrhunderts geeigneter gewesen, um als religiöse und moralische Autorität den Heiligen Geist um die Einheit der Christenheit zu bitten. Tutus lauthalses Lachen versprühte auch auf der Expo unbändige Freude und große Begeisterung.

Dabei war dem kleingewachsenen Desmond Mpilo Tutu Fröhlichkeit nicht unbedingt in die Wiege gelegt. 1931 in Südafrika geboren, durfte er aufgrund seiner Hautfarbe nicht wie gewünscht Arzt werden. Er war erst Lehrer, dann anglikanischer Priester, nach einem längeren Aufenthalt in London schließlich Bischof von Lesotho und Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrates (SACC). Er wurde zu einem der entschiedensten und lautstärksten Kritiker des Apartheidsregimes. Erst recht, als Nelson Mandela und seine Mitstreiter im Gefängnis saßen, war Tutu das Gesicht der Anti-Apartheids-Bewegung – er rief zum Wirtschaftsboykott auf und sah alle Vermittlungsversuche der westlichen Welt, vor allem der USA, kritisch.

Der Mann in violett stand an der Spitze des Bündnisses seiner anglikanischen Kirche, die sich zusammen mit anderen christlichen Kirchen gegen die „Dutch Reformed Church“ stellte, die die Rassentrennung biblisch zu legitimieren versuchte. Gerechtigkeit war sein Ziel und Gewaltfreiheit für ihn das oberste Gebot, das der Bewegung am Ende ihre Durchschlagskraft verliehen hat.

Seinen Glauben an den Menschen und das Gute in ihm hat er nie verloren. Auch wenn Tutu nicht unumstritten war: 1984 wurde ihm durchaus folgerichtig der Friedensnobelpreis zusammen mit Mandela zugesprochen. „Wann werden wir lernen, dass Menschen einen unendlichen Wert haben, weil sie nach dem Bilde Gottes geschaffen sind, und dass es Gotteslästerung ist, sie so zu behandeln, als wären sie weniger als das, und dass solch ein Verhalten letztlich auf die zurückfällt, die dies tun“, fragte er in seiner Rede bei der Verleihung des Preises in Oslo.

1985 wurde Tutu innerhalb der anglikanischen Kirche dann zum ersten schwarzen Bischof von Johannesburg gewählt, ein Jahr später als erster Afrikaner zum Erzbischof von Kapstadt.

Ebenfalls nicht zum Lachen war die Arbeit für die von ihm geleitete Versöhnungs- und Wahrheitskommission, die mit dem Versuch der Befriedung einer massiv gespaltenen Gesellschaft weltweit stilbildend wirkte. Im Mittelpunkt stand hier die Wahrheit, die schmerzt. Wie kann eine Aussöhnung trotz immer wieder aufflammender Gewalt und dem Streben nach Rache gelingen? Gerade angesichts dieser Frage gehört Desmond Tutu mit seinen Antworten zu den großen christlichen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Auch nach dem Ende der Apartheid blieb Tutu, der den Begriff der „Regenbogennation“ für sein Heimatland geprägt hat, kritisch und hob – wie so oft – mahnend seinen Finger, jetzt gegen den African National Congress (ANC). Tutu prangerte bis zuletzt die großen sozialen Unterschiede in Südafrika an, setzte sich gegen Rassismus, Ungleichheit und Korruption ein. Selbst nach seiner offiziellen Zurruhesetzung verstummte er nicht.

Und auch über seinen eigenen Tod soll er gewitzelt haben. Jetzt ist Tutu am zweiten Weihnachtstag gestorben. Hätte es ein besseres Sterbedatum gegeben?

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