BuchbesprechungChristiane Florin: Theologie und Gesellschaft

Wer die Journalistin Christiane Florin kennt, ahnt, was den Leser ihres neuen Buches erwartet: sprachlicher Witz, kurzweilige Lektüre, Provokantes und Nachdenkliches, verflochten mit reichlich Hintergrundinformation. Die ehemalige Redaktionsleiterin der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ hat sich Gedanken über drei Buchstaben gemacht: Ehe.

Man merkt gleich zu Beginn, dass sie auf kirchlichem Terrain erfahren ist, wenn sie betont, dass die folgenden Feststellungen für „Kenner der Kirchengeschichte“ „banal aber notwendig“ seien. Anschließend liefert sie den Service einer gut lesbaren Geschichte der Ehe, die bis zum Codex Hammurabi zurückreicht. Die katholische Ehe und deren Entstehung begleitet sie von alttestamentlichen Scheidebriefen, der paulinischen „Entsagungsgemeinschaft“ der ersten Jahrhunderte, über verschiedene Konzilien bis zur gerade vergangenen Familiensynode 2015. In typischer Florin-Manier fallen dabei freche Formulierungen, wie der „kinderlose Single Jesus“ oder Augustinus als „Bischof mit Playboy-Vergangenheit.“ Für ihr Buch hat Florin Päpste, Kirchen- und Konzilsväter studiert, aber auch – und das ist das Besondere – das Leben. Im Kapitel das mit „Was würde Oma dazu sagen?“ überschrieben ist, lässt die Autorin den Blick in ihr Privatleben zu und zeigt an ihrer facettenreichen rheinisch-katholischen Familie, dass „die Komplexität das Normale“ ist. Über ihr eigenes Eheleben erfährt man jedoch nur, dass es „schon lange grundlos gut gegangen ist“. Einen Ratgeber schreiben will sie aber dezidiert nicht.

Das Buch beschreibt die Ehe auch als gesellschaftliches Glücksversprechen, das zu einem optimierten Lebenslauf gehört. Dem habe die katholische Ehe etwas voraus: In der „Unauflöslichkeit“ stecke „so etwas wie Weisheit“. Gleichzeitig diagnostiziert Florin die Probleme des katholischen Eheverständnisses. Hauptpunkt: Kaum ein Katholik lebe noch nach kirchlichen Moralvorstellungen, Ehen scheitern. Damit müsse man sich auseinandersetzen, für „Ehe-Eliten-Theorien“ sei kein Platz. Florin schreibt: „Für eine vertiefte Diskussion reicht es nicht, mit Jesus-Worten und Thomas-von-Aquin-Zitaten zu jonglieren“. Einen Beitrag dazu leistet sie mit ihrem Buch.

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Christiane Florin

Die Ehe. Ein riskantes Sakrament

Kösel Verlag, München 2016. 171 S. 17,99 € (D.)