Eltern mischen sich in einen Konflikt unter Kindern ein

Frage aus der Praxis
© Florian Nütten

FRAGE AUS DER SCHULKINDBETREUUNG:

„In der Abholsituation schimpft die Mutter von Daniel (7;3 J.) lautstark mit Linus (7;9 J.). Es geht um ein verlorenes Spielzeug . Daniel und Linus sind eng miteinander befreundet und könnten mit ein wenig Unterstützung das Problem eigentlich selbst lösen. Soll und darf ich mich ein mischen?“
Hendrik Wiesemann (Jugend- und Heimerzieher in einer Grundschule)

ANTWORT DER EXPERTIN:

Ja, Sie dürfen und Sie sollten sich sogar einmischen. Nehmen Sie die Mutter zur Seite und beschreiben Sie die Situation so, wie Sie sie wahrgenommen haben. Wertschätzen Sie die Mutter dafür, dass auch sie den Konflikt erkannt hat und zur Lösung beitragen wollte. Schildern Sie ihr, wie Sie Daniel in der Situation wahrnehmen. Erklären Sie der Mutter, dass Sie Daniel zutrauen, solche Konflikte selbst zu lösen und dass er zudem in der Lage ist, die Unterstützung eines Erwachsenen einzufordern, wenn er diese benötigt. Ermuntern Sie die Mutter, sich in Konfliktsituationen, die nicht bedrohlich sind, abwartend zu verhalten. Damit signalisiert sie Daniel, dass sie ihm zutraut, selbstständig Auseinandersetzungen zu führen und Lösungen zu finden.
Binden Sie die Mutter in das Gespräch so ein, dass Sie ihr die Möglichkeit geben, sich in Daniel hineinzuversetzen:

  • Wie fühlt sich Daniel, wenn jemand seine Konflikte für ihn austrägt? Welche indirekte Botschaft vermittelt ihm diese Person damit?
  • Und andersherum: Wie fühlt sich Daniel, wenn er das Vertrauen seiner Mutter zu sich selbst und in sein Handeln spürt?

Vermutlich wird die Mutter schnell erkennen, dass Daniels Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein in solchen Situationen wachsen kann. Eröffnen Sie der Mutter eine neue Sichtweise: Erinnern Sie sie an die Selbsterfahrung eines jeden Erwachsenen, dem es mit dem Erwerb der inneren Stärke ähnlich wie Daniel ergeht, wenn er das Vertrauen der Mutter bemerkt. Zeigen Sie aber auch Verständnis für die Mutter und gestehen Sie ihr zu, dass es Zeit benötigt, um zu erkennen, dass Daniel jetzt ein Schulkind ist und er entsprechende Entwicklungsschritte in Richtung Selbstständigkeit gemacht hat. Empfehlen Sie ihr außerdem:

  • Daniel weiterhin gut zu beobachten, um seine jeweiligen Bedürfnisse wahrzunehmen.
  • Mit Daniel solche Erlebnisse (wie oben beschrieben) gemeinsam zu erörtern und das Gespräch mit der pädagogischen Fachkraft zu wiederholen.

Es ist gut, wenn die Mutter auch Daniels Sichtweise erfährt. Bieten Sie ihr ggf. an, sie im Prozess des Loslassens zu begleiten. Vereinbaren Sie dazu ggf. weitere Gesprächstermine mit ihr, sofern sie das wünscht. Beenden Sie das Gespräch mit Ihrer wohlwollenden Einschätzung von Daniel.

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