IndonesienIst Freundschaft zwischen Religionen Vielgötterei?

In der Verfassung des modernen Indonesien sind die fünf Grundsätze der „Pancasila“, einer geistig-religiösen Gemeinschaftsordnung zur Sicherung von Harmonie, in der Präambel fest verankert. Inhaltlich dreht es sich um die Herrschaft Gottes, Humanismus, nationale Einheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Doch insbesondere radikale Muslime bekämpfen im bevölkerungsreichsten islamischen Staat der Erde zusehends die aus diesen staatstragenden Prinzipien abgeleiteten Verhaltensweisen als „unislamisch“. Gemeint sind unter anderem die weit verbreiteten interreligiösen Festivals.

Soeben hat die ultrakonservative islamische Vereinigung „Formasi“ die Regierung aufgefordert, solche Feste strikt zu verbieten. Denn sie feierten die Vielgötterei, „die dem Islam zuwiderläuft“. Die Radikalen drohten der Staatsführung, sie würden „die Dinge selbst in die Hand nehmen“, falls die Behörden nicht entsprechend handeln.

Jakarta beobachtet seit Jahren mit Unbehagen, wie der Einfluss eines militant-politischen Islam zunimmt. Dessen Hass richtet sich vor allem gegen Christen. Staatspräsident Joko Widodo will diese Radikalisierung, die aus dem Nahen Osten gesteuert wird, zurückdrängen. So hat er neulich durchgesetzt, dass zwischen der in Jakarta gelegenen Istiqlal-Moschee, die renoviert wird, und der gegenüberliegenden katholischen Kathedrale Mariä Himmelfahrt ein „Tunnel der Freundschaft“ entsteht. Muslime und Christen, so die Botschaft, verbindet mehr, als sie trennt. Die bauliche Nähe von Moschee und Kirche bedeutet aus Sicht der „Pancasila“-Lehre, dass beide Religionen sich mit Toleranz begegnen und einander schätzen. Das werde durch den Tunnel noch deutlicher, so Widodo.

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