Der Rückzug von Kardinal Marx – im Medienecho

Mit Bedauern sowie nachdenklich-kritischen Tönen haben die Medien auf die Ankündigung des Münchner Kardinals Reinhard Marx reagiert, nicht erneut für den Vorsitz der Bischofskonferenz zu kandidieren. „Ich habe das Amt des Vorsitzenden … sehr gerne ausgeübt, aber ‚alles hat seine Zeit‘ (Kohelet)“, schrieb er an seine Mitbrüder. Er wolle das Amt in jüngere Hände übergeben und sich mehr um sein eigenes Bistum kümmern, dem ein großer Strukturwandel bevorsteht. Zuletzt hatte sich gezeigt, dass Marx eine mächtige Opposition gegen sich hat mit dem Kölner Kardinal Woelki als starkem Mann und etlichen Bischöfen aus der eigenen bayerischen Provinz. Im Kommunionstreit sowie beim „synodalen Weg“ traten die Frontstellungen besonders zutage. Bisweilen hatte Marx mit seinem in mancher Hinsicht forschen Vorgehen allerdings wohl auch manche Mitbischöfe „überrollt“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Marx, der Macher, hat es … genossen, die Dinge voranzutreiben.“ Der Rückzug sei ein „Verlust für die katholische Kirche und für die ganze Republik“. In einer Gesellschaft, in der es nicht mehr selbstverständlich sei, dass Bischöfe überhaupt gehört werden, trat der Kardinal für die Schwächsten der Gesellschaft, für Ökumene ein und stand für die Erkenntnis, dass die kirchliche Erneuerung dringend angeraten ist. „Spiegel online“ erinnerte daran, dass Marx einst als theologisch konservativer Bischof galt und „in einem Atemzug mit den sogenannten M-Bischöfen genannt“ wurde: Kardinal Müller und Kardinal Meisner. „Doch spätestens seit Papst Franziskus im Amt ist, agiert Marx zunehmend liberal.“

„Die Gabe des Ausgleichs und die Fähigkeit des geduldigen Zuhörens“ war Marx allerdings „nie gegeben“, urteilte die „Frankfurter Allgemeine“. Und erklärte in scharfem, polemischem Ton gegen Marx: Er sei ein „Rambo mit Kardinalshut“. So groß sei „der Unmut über den selbstherrlich-autoritären Stil“ gewesen, mit dem sich der Konferenzvorsitzende unter Freund und Feind bewegte, dass „nicht einmal seine Nähe zum Papst und seine Stellung als Symbolfigur des ‚synodalen Wegs‘ gegen die Wut aus der Mitte der Konferenz immunisierte“.

Die „Deutsche Welle“ verwies darauf, dass sich der Kardinal „beeindruckend engagiert“ habe, aber eben nicht „der größte Moderator“ sei. „Er will – weil es Kirche braucht und weil Papst Franziskus dazu ermutigt wie kein Papst zuvor – den Aufbruch, die Sorge für alle Katholiken, nicht nur allein die treue Herde.“ Die „Frankfurter Rundschau“ stellte fest: Dass der Münchner Kardinal sich kirchenpolitisch an das Programm von Papst Franziskus gekoppelt hat, habe manchen „verblüfft, andere misstrauisch gemacht“. Seine Stärke sei eine nur abgeleitete, „auf Treu und Glauben beruhende“.

Die „Stuttgarter Zeitung“ warf einen skeptischen Blick in die Zukunft: „Breite Schultern hatte Reinhard Marx – Duldergeist außerdem, nur nicht endlos. Ein Nachfolger mit ähnlicher Statur ist nicht zu sehen.“ Die Neuwahl soll im März in Mainz stattfinden. Und nicht wenige fragen sich, wie ein neuer Vorsitzender den „synodalen Weg“, das Gespräch zwischen den Laien, vorwiegend Delegierte des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, und den Bischöfen begleiten, moderieren und anregen wird.

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