Was darf künstliche Intelligenz?

Kann mein Handy mich manipulieren? Welche Geheimnisse sollten wir unseren Maschinen anvertrauen? Und wer hat Schuld, wenn eine Drohne selbstständig einen Menschen erschießt? Je komplexer und „intelligenter“ Computerprogramme werden, umso drängender stellen sich neue moralische Fragen. Ein vatikanischer Ethik-Kodex hat jetzt Richtlinien zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz festgelegt. Der „Rome Call for AI Ethics“ (Römischer Ruf nach KI-Ethik) wurde in einem mehrtägigen Workshop mit hunderten Experten und Wirtschaftsvertretern aus aller Welt erarbeitet. Gefordert wird ein neues Bewusstsein dafür, dass digitale Technologie immer dem Wohl der Menschheit zu dienen hat. Die Programme müssen transparent, unparteiisch, zuverlässig und sicher sein. Der Schutz von Nutzerdaten braucht Vorrang. Nur so seien „die fundamentalen Elemente für gute Innovationen“ erfüllt. Zu den Erstunterzeichnern gehören die amerikanischen IT-Riesen Microsoft und IBM.

Der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vicenzo Paglia, sprach von einer „Zeitenwende“, die die Menschheit erneut an den Rand einer globalen Katastrophe führen könnte, „einmal durch die Atombombe, dann durch die ökologische Explosion und jetzt durch die technologische – durch die Explosion der Intelligenz.“ Es sei höchste Zeit, die Weichen zu stellen, „um die Technik zu humanisieren, statt das Menschliche zu vertechnisieren“. Dabei soll der Kodex helfen.

Diesen Optimismus teilt allerdings nicht jeder. Zahlreiche Wissenschaftler sehen die Wirksamkeit einer Ethikvereinbarung kritisch. Der Münchner Medienethiker Alexander Filipovic, der am Workshop im Vatikan teilnahm, gab schon vor Fertigstellung des Dokuments zu bedenken, dass „es schon haufenweise solcher Kodizes gibt“. Und: „Eigentlich steht immer das Gleiche drin“. Die neue Technik effektiv zu kontrollieren, sei „unglaublich schwierig“, weil eine große ökonomische Dynamik dahinter steht. Umso wichtiger sei es, „die weltweite Bewegung zu unterstützen, die über einen verantwortungsvollen Umgang mit der machtvollen künstlichen Intelligenz nachdenkt“.

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