Pierre StutzLeidensdruck

Verwandlung geschieht oft auch deshalb erst durch einen Leidensdruck und ein inneres Gedrängtsein, weil wir die Einladungen unserer Seele zu lange nicht wahrgenommen haben. Zugleich werden wir auch durch die Kraft der Liebe, des Anerkannt- und Angenommenseins verwandelt und erlöst von der Allmachtsfantasie, alles selbst machen zu müssen. Ich meine, dass immer beide Seiten zu unserem Wachstum gehören. Wir werden zu uns selbst verwandelt durch Begegnungen, durch ein Angerührtsein von Worten und Gesten, durch die Gabe der Versöhnung – und zugleich durch ein schmerzvolles Ringen und Kämpfen. Wir sollen das Leiden nicht suchen und schon gar nicht verherrlichen. Doch alle großen Lebensweisheiten in allen Religionen eröffnen uns eine Spur, auch im Leiden, in Momenten der Verzweiflung erlöst werden zu können von der Angst, allein auf uns selbst angewiesen zu sein.

Pierre Stutz in: „Kraftquellen für jeden Tag“ (Verlag Herder, Freiburg 2019)

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