Zucker-KonsumMaß statt Masse

Zucker genießt einen äußerst schlechten Ruf. Ist er wirklich so ungesund? Und müssen wir unsere Kinder vom Zucker fernhalten?

Maß statt Masse
Im Mittelalter galt Zucker noch als Luxusgut © Pixabay

Schon im Mittelalter stellten die Perser das weiße Süßungsmittel aus Zuckerrohrsaft her, mit den Kreuzrittern gelangte das Zuckerrohr dann nach Europa. Damals noch ein Luxusgut, wird Zucker schließlich seit dem 18. Jahrhundert kostengünstig aus Rüben gewonnen – und taucht heute als Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker in zahlreichen Fertiggerichten auf. Auch das Angebot an Süßwaren ist gestiegen. So wurden vergangene Ostern in Deutschland allein 213 Millionen Schokohasen produziert.

Doch was so süß und bunt daherkommt und vor allem Kinder – zumindest kurzfristig – glücklich macht, soll hochgradig ungesund sein. Zucker soll neben Karies zu Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten führen, sogar süchtig und hyperaktiv machen. Müssen wir nun sämtliche Süßigkeiten aus dem Leben unserer Kinder verbannen? „Nein, das wäre unrealistisch“, meint Prof. Dr. Martin Wabitsch, Kinder- und Jugendarzt an der Universität Ulm. „Aber Eltern müssen die Menge kontrollieren.“ Denn ein Zuviel an Zucker ist nicht gut für die Gesundheit.

Hunger auf mehr

Kinder in Industrieländern essen zu viel Zucker, Honig und Sirup. Das schadet den Zähnen, vor allem, wenn Süßes über den Tag verteilt genascht wird. Es macht zudem dick, weil Zucker die Regelkreise des Energiehaushaltes und des Belohnungssystems durcheinanderbringt. Das heißt: Stark zuckerhaltige Nahrung sättigt nicht lange, kurz nach der Mahlzeit kommen wieder Hungergefühle auf. Auf Dauer begünstigt das auch die Entstehung von Diabetes Typ 2. Wegen seiner Eigenschaft als Seelentröster wird derzeit heftig gestritten, ob Zucker womöglich wie eine Droge wirke. Doch diese These ist ebenso wenig belegt wie die Behauptung, dass ein hoher Süßigkeitenkonsum zu Hyperaktivität führt.

Zwar ist die Vorliebe für Süßes angeboren. Auch ist Zucker nicht per se schlecht, schließlich kommt er in der Natur in allen möglichen Varianten vor, etwa als Milchzucker oder Fruchtzucker. Allerdings können Eltern vor allem im ersten Lebensjahr durchaus beeinflussen, ob ihr Kind ein Süßzahn wird. Zum Beispiel, indem sie zuckerhaltige Babybreie meiden oder nicht nachsüßen, wenn ihnen der Brei zu fade erscheint. Auch später haben es Eltern in der Hand, dass die Kinder nicht allzu viel Süßes aufnehmen. So sind Kinderlebensmittel wie Frühstücksflocken oder Milchdrinks wegen ihres hohen Zuckergehaltes oft nicht zu empfehlen.

Richtig schlecht stehen jedoch Limonaden und Eistees da, aber auch unverdünnte Nektare und Säfte. Studien zeigen, dass ein Verzicht auf solche Getränke vor einer übermäßigen Ansammlung von Fettpolstern schützt. Die Diät-Varianten mit den Ersatzstoffen Aspartam, Acesulfam oder Stevia sind eine Alternative, vor allem bei bereits bestehendem Übergewicht. „Besser ist jedoch, sich an Wasser zum Durstlöschen zu gewöhnen“, meint Arzt Martin Wabitsch. „Die Erwachsenen sollten bei Trink- und Ernährungsgewohnheiten stets ein Vorbild sein.“

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