Wenn Kinder krank sindErkältung, nein danke!

Hustend und schniefend tönt es aus dem Kinderzimmer, willkommen in der Erkältungszeit! So bieten Sie dem Schnupfen Paroli

Erkältung, nein danke!
Kinder werden häufiger krank als Erwachsene © Getty Images

Die ersten herbstlichen Anzeichen treiben manchen Eltern Sorgenfalten auf die Stirn. Schließlich war der vergangene Winter von zahlreichen Atemwegsinfekten des Kindes geprägt. Aber muss man das hinnehmen oder kann man das Immunsystem der Kinder vorbeugend stärken? Die Antwort lautet: Ja, man kann einiges tun – allerdings hat das weniger mit Vitamintabletten, gesunder Ernährung oder warmer Kleidung zu tun als gemeinhin angenommen.

Bei einem „grippalen Infekt der oberen Atemwege“, wie es im Fachjargon heißt, können die Nase laufen, der Hals kratzen und auch ein Husten dazukommen. Fast immer, in 95 Prozent der Fälle, sind dann Viren am Werk. Gelangen die Erreger über Auge oder Nase in den Körper, genauer in die Schleimhautzellen, wird das Abwehrsystem aktiviert: Bestimmte Killerzellen gehen gegen die Eindringlinge vor und Entzündungsstoffe werden frei. Dadurch schwillt die Nasen- und Rachenschleimhaut an, es wird vermehrt Schleim produziert, um die Viren abzutransportieren. Auch Niesen und Husten sind Reaktionen des Körpers, um die Eindringlinge loszuwerden.

Das Kind ist jetzt müde und hat eventuell Fieber. Da die meisten Krankheitserreger an 37° C angepasst sind, ist Fieber ein Heilmittel. Nur bei hoher Temperatur sind fiebersenkende Mittel notwendig, oder wenn sich das Kind sehr unwohl fühlt. Während das fiebrige Kind im Bett liegt, läuft das Immunsystem auf Hochtouren. Der Körper bildet vermehrt Antikörper, die ihn schließlich immun gegen diesen einen Virus machen. „Kinder sollten darum nicht zu schnell wieder in die Kita gehen oder im Wald toben“, sagt Michael Weiß aus Köln, Kinderarzt und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Ein Tag fieberfrei lautet die Devise.

Kranksein gehört zum Leben

Da das Immunsystem im kindlichen Organismus erst reifen muss, erwischt es Kinder wesentlich häufiger als Erwachsene. Kinder unter zwei Jahren leiden im Schnitt an sechs grippalen Infekten pro Jahr. „Bis zu zwölf Infektionen im Jahr gelten bis zum Schulanfang als normal, wenn die Infekte nicht jedes Mal schwer verlaufen und das Kind sich auch schnell wieder erholt“, sagt Weiß. Je mehr Infekte ein Kind durchmacht, desto schneller entwickelt es ein immunologisches Schutzschild.

Doch wenn ständig die Nase läuft und der Husten sich hartnäckig von Oktober bis März hält, schwächelt meist nicht das Immunsystem. „Gerade bei den Infekten kleiner Kinder spielen enge und gereizte Atemwege eine große Rolle“, sagt der Kinderarzt. Das heißt, dass durch die trockene Heizungsluft im Winter, aber auch durch Zigarettenrauch oder bei allergischer Veranlagung Nase, Hals und Rachen anschwellen und Erkältungsviren dann leichteres Spiel haben. Darum sollten Wohnräume immer gut gelüftet werden und das Schlafzimmer des Kindes nachts nur 18° C warm sein. Wichtig ist jetzt auch, dass Kinder viel trinken. Denn die trockene Luft entzieht den Lungen Feuchtigkeit. Generell gilt: Eltern sollten weder in der Wohnung noch im Auto, am besten natürlich gar nicht, rauchen.

Tatsachen und Legenden

Ob eine Erkältung auch von einer Unterkühlung herrühren kann, ist jedoch umstritten. Richtig ist: Wo kein Erreger ist, kann auch kein Infekt entstehen. Da sich jedoch bei anhaltender Kälte die Gefäße der Schleimhäute zusammenziehen, werden diese weniger durchblutet und nicht ausreichend mit Antikörpern versorgt. Es ist daher keine gute Idee, das Kind mit nassen Haaren bei Minusgraden aus dem Haus gehen zu lassen. Trotzdem wird das Thema warme Kleidung überbewertet. „Heute neigt man eher dazu, die Kinder zu warm anzuziehen, dann schwitzen sie, und durch die Temperatur-Differenzen werden sie wiederum anfälliger für Krankheitserreger“, sagt Michael Weiß.

Tatsache ist, dass die Übertragungswege für die Viren in der Herbst- und Winterzeit leichter sind: Man sitzt dann nämlich mehr drinnen, zum Lesen, Basteln, Plätzchen backen. Und da die Infekte vor allem durch Tröpfcheninfektion, also etwa durch Niesen, von einem Menschen zum anderen springen, haben es die Erreger im Winter leichter. Weil die Viren auch über die Hände in Auge oder Nase gelangen, sollten Kinder immer gut ihre Hände waschen. Das heißt: Mindestens 15 Sekunden, dabei die Seife gründlich, auch zwischen den Fingern, verreiben. Erreger, die über den Mund aufgenommen werden, sterben jedoch im Magen den Säuretod. Ein Küsschen oder das Trinken aus dem gleichen Glas ist also weniger gefährlich als landläufig vermutet.

Auch im Winter brauchen Kinder ausreichend Bewegung. „Das stärkt die Lungenmuskulatur, das Kind hustet auch mehr und befördert damit potenzielle Krankmacher nach draußen. All das sind Schutzfaktoren“, erklärt der Kölner Kinderarzt. Kinder sollten darum auch bei kaltem Wetter täglich 30 bis 60 Minuten an die frische Luft gehen. Stress ist übrigens kein Risikofaktor für die kindliche Grippe. „Stress, wie wir Erwachsene ihn definieren, kennen die fast immer aktiven Kinder ja kaum“, meint Weiß. Richtig ist aber, dass Kinder ausreichend schlafen sollen. Vitamintabletten sind bei einer ausgewogenen Ernährung jedoch nicht nötig, sie bewahren gesunde Kinder nicht vor einem Infekt.

kizz Info

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