Anzeige: Rom ist kein Gegner. Warum die Kirche Reformen braucht. Von Georg Bätzing
Herder Korrespondenz Spezial: Leibfeindliches Christentum? Auf der Suche nach einer neuen Sexualmoral

Leibfeindliches Christentum?Auf der Suche nach einer neuen Sexualmoral

Über diese Ausgabe

Editorial

Essays

  • Plus S. 7-11

    Worum es der evangelischen Sexualethik gehtBiblisch orientierter Pluralismus

    Die katholische Kirche kennt ein verbindliches sexualethisches Normengefüge, das auf evangelischer Seite fehlt. Dadurch wird die Frage nicht obsolet, wie theologisch-ethische Äußerungen auf diesem Feld verantwortlich getätigt werden können. Evangelische Sexualethik plädiert nicht einfach für Beliebigkeit, sondern orientiert sich an einer verbindlich verstandenen Freiheit. Sie ist sexualitätsfreundlich, ohne das bedrohliche Potenzial von Sexualität zu unterschätzen.

  • Plus S. 2-7

    Wie sich die Debatten um die Sexualmoral in Theologie und Ethik verändernNicht nur ein Etikettenwechsel

    Zu einem wichtigen Feld der Moral wird sexuelles Handeln erst dadurch, dass es mit Beziehungen verquickt wird: Sexuelles Fühlen und Handeln lässt sich erst insofern als moralisches beziehungsweise unmoralisches glaubhaft machen, als es Respekt vor der Autonomie Anderer, Vertrauen, Einverständnis und Verlässlichkeit, Verantwortung für gezeugtes Leben und gute Elternschaft, Gerechtigkeit in der Verteilung von Lasten und Pflichten der Partner thematisiert.

    Themenpaket: Katholische Sexualmoral im Umbruch
  • Plus S. 11-15

    Ein religionssoziologischer BlickDie Entkirchlichung des Körpers

    Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat die kirchliche Autorität immer mehr die Kontrolle und Steuerung der Körper der Katholikinnen und Katholiken verloren. Wird sich der Graben zwischen kirchenoffizieller Lehre und Praxis der Gläubigen und damit die Entkirchlichung ihres Körpers schließen lassen oder wird er sich noch weiter vertiefen?

  • Gratis S. 16-20

    Die sexuelle Revolution und die KircheSexualitäten heute

    In den letzten 60 Jahren hat sich mit Blick auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von Sexualität eine atemberaubende Wandlung vollzogen. Notwendig ist heute, die Vielfalt der Lebenswelten wahrzunehmen und diese nicht nach den traditionellen Ordnungskategorien Ehe oder Sünde zu sortieren, sondern nach Gutem und Sündhaftem im Einzelnen zu suchen. Das führt dann auch dazu, dort mutig hinzuschauen, wo die menschliche Sexualität herabgewürdigt wird.

  • Plus S. 20-24

    Geschlechtertheorie und katholisch-theologische EthikKörperlichkeit im Plural

    In vatikanischen Texten wurde zuletzt vermehrt über die „Gender-Ideologie“ geklagt. Die Geschlechterforschung wird vor allem als Infragestellung der „natürlichen“ Ordnung von Ehe und Familie betrachtet. Was aber sind die theologisch-ethischen Implikationen dieser Debatte? Und was folgt daraus für die Ausgestaltung einer christlichen Sexualmoral?

    Themenpaket: Theologische Beiträge zur Gender-Debatte
  • Plus S. 25-29

    Anforderungen einer evangeliumsgemäßen Ehe- und FamilienpastoralLebenswirklichkeiten gerecht werden

    Eine evangeliumsgemäße beziehungsweise wahrheitsgemäße Pastoral gelingt nur, wenn sie die Realität derjenigen, denen das pastorale Handeln gilt, richtig und adäquat erfasst. Entsprechend ist es unvermeidlich, neben den jeweiligen Lebensgeschichten auch die sozialen und kulturspezifischen Kontexte als Bedingungshorizont für eine hilfreiche Ehe- und Familienpastoral zu berücksichtigen.

    Themenpaket: Barmherzigkeit für wiederverheiratete Geschiedene
  • Plus S. 29-34

    Die Sexualmoral im Spiegel einschlägiger Hirtenbriefe deutscher BischöfeGibt es einen Wandel?

    Hohe Erwartungen begleiteten die Außerordentliche Bischofssynode zum Thema Familie: Würde sie das Schisma zu Fragen der Sexualmoral zwischen dem Lehramt und den Gläubigen beenden können? Um diese Erwartungen zu verstehen, ist es hilfreich, sich mit Hirtenbriefen auseinanderzusetzen, die deutsche Bischöfe zu Fragen der Ehe und Sexualmoral in den letzten hundert Jahren veröffentlicht haben.

  • Plus S. 35-40

    Eine theologisch-ethische ReflexionProblemfall Zölibat

    Für die katholische Sexualmoral spielt die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester eine wichtige Rolle. Der Pflichtzölibat steckt aber schon seit längerem in einer Krise und ist nicht wirklich plausibel zu begründen. Es bedarf zahlreicher struktureller, sozialer und persönlicher Vorgaben, damit der Zölibat zu jener einladend zeichenhaften Lebensform wird, die die Tradition charismatischer Ehelosigkeit ursprünglich beabsichtigte.

    Themenpaket: Priester in der Krise
  • Plus S. 44-49

    Für einen Perspektivenwechsel in der Beurteilung der HomosexualitätEine Form des Liebens

    Wenn Homosexuelle eine Liebesbeziehung eingehen, dann gehört wie bei allen anderen die Sexualität zur Realität dieser Beziehung. Ihre Sexualität kann zwar nicht die Möglichkeit der Zeugung ausschöpfen. Da es in der Sexualität aber nicht lediglich um den Natur-Zweck geht, behält sie ihre sittliche Würde, wenn sie in eine personale Beziehung integriert ist. Daher wird die moralische Verurteilung der homosexuellen Form der Liebe nicht als Leibfeindlichkeit, sondern als Liebesfeindlichkeit empfunden.

    Themenpaket: Katholische Sexualmoral im Umbruch
  • Plus S. 49-52

    Überlegungen zu einer christlichen SexualpädagogikNeue Sensibilität

    Schulische Sexualpädagogik kann nicht mehr davon ausgehen, dass es für die Schülerinnen und Schüler ein vorgegebenes normatives Konzept gibt, das sie in die Schule mitbringen. Also muss sie Jugendliche unterstützen, zu einer eigenen, reifen Entscheidung mitten in der Vielfalt zu finden. Existentielle Selbstoffenbarungen von Schülerinnen und Schülern können dabei allerdings, wie der Missbrauchsskandal deutlich gemacht hat, nicht die Grundlage sein – und dürfen deshalb auch nicht aktiv angezielt werden.

  • Plus S. 57-61

    Eine jüdische Perspektive auf die menschliche SexualitätHeiligung des Natürlichen

    Im Judentum ist Sex Teil des gesamten Lebens, wird als etwas völlig Natürliches verstanden und positiv gesehen. Erotische Beziehung und sexuelle Begegnung sind Quelle der Freude und natürlicher Ausdruck der Beziehung zu Gott, ganz im Sinne des Hohen Lieds der Liebe, Beispiele für die Bundesbeziehung Gottes mit seinem Volk. Das bezieht gleichgeschlechtliche Verbindungen mit ein und tabuisiert auch nicht Sexualität im Alter und Möglichkeiten der erotischen Stimulanz.

  • Plus S. 61-64

    Menschliche Sexualität aus der Sicht des IslamIn bester Form erschaffen

    Bei der Außenwahrnehmung der islamischen Gesellschaft gibt es mit Blick auf das Thema Sexualität einen Spannungsbogen vom Vorwurf der Prüderie und Leibverleugnung bis zum Inbegriff der erotischen Freizügigkeit, die sich in orientalistisch angehauchten Haremsphantasien ergeht. Faktisch gibt es eine positive Grundeinstellung, die allerdings vor allem im familiären Umfeld im Widerstreit mit dem vom traditionellen Sittenkodex Vorgegebenen steht.

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