PorträtArturo Sosa Abascal: Intellektuell, spirituell, sozial

Der Jesuitenorden hat einen neuen Generaloberen. Zum ersten Mal handelt es sich nicht um einen Europäer. Trotzdem ist der neu gewählte Leiter des größten Männerordens der katholischen Kirche ist ein typischer Vertreter seiner Gemeinschaft.

Arturo Sosa Abascal neuer Leiter des Jesuiten-Ordens
Rund 500 Jahre existiert der Jesuitenorden bereits. Zum ersten Mal seit der Gründung wählten die Ordensoberen jetzt einen Nicht-Europäer zum neuen Leiter. Arturo Sosa Abascal, geboren in Venezuela, hatte zuletzt als Delegat des Generaloberen die Verantwortung für die internationalen Einrichtungen des Ordens in Rom übernommen. In seiner ersten Rede sprach er sich nun für mehr Bemühungen um Ordensberufungen aus. Die Zahl der Ordensmitglieder hat sich in den letzten 50 Jahren fast halbiert. © KNA

Das Kürzel „SJ“, das die Mitglieder des Jesuitenordens hinter ihrem Namen tragen, steht für „schlaue Jungs“, so zitieren Medien immer wieder den sogenannten „Volksmund“.

In der Tat legt der im 16. Jahrhundert von Ignatius von Loyola gegründete Orden seit jeher besonderen Wert auf Bildung. Dem Ideal des schlauen Jeusiten wird der 31. Nachfolger des Heiligen Ignatius durchaus gerecht. Am 14. Oktober wählten die über 200 Ordensoberen bei ihrer Generalkongregation in Rom den achtundsechzigjährigen Venezolaner Arturo Sosa Abascal zu ihrem neuen Generaloberen. Der 1948 in Caracas geborene Sosa studierte nicht nur Philosophie und Theologie, sondern auch Politikwissenschaft. Nach einer Promotion in diesem Fach lehrte er an verschiedenen Hochschulen seines Landes und war schließlich von 2004 bis 2014 Rektor der Jesuitenuniversität „Universidad Católica del Táchira“ in San Cristóbal. Zuvor leitete er von 1996 bis 2004 als Provinzial seinen Orden in Venezuela. 2014 wechselte Sosa dann nach Rom, wo er als Delegat des Generaloberen die Verantwortung für die internationalen Einrichtungen des Ordens in Rom übernahm.

Bei seiner ersten Predigt forderte er vor seinen Ordensbrüdern mehr Gebete und Bemühungen um Ordensberufungen. Die Zahl der Ordensmitglieder hat sich von etwa 35 000 in den Sechzigerjahren auf nunmehr 16 400 mehr als halbiert. Trotzdem sind die Jesuiten immer noch der größte Männerorden der katholischen Kirche. Für den Erhalt und das Wachstum des Ordens sei die „Tiefe des geistlichen Lebens“ aller Mitglieder entscheidend. Zugleich verwies Sosa auf die sprichwörtliche jesuitische Intellektualität. Es sei neben der geistlichen Tiefe auch eine „außerordentliche intellektuelle Tiefe“ erforderlich, „um kreativ über die Wege nachzudenken, auf denen unser Dienst an der Sendung Jesu Christi effektiver werden kann“.

Seit Mitte der Sechzigerjahre, als Pedro Arrupe die Leitung des Ordens übernahm, traten gesellschaftliche Anliegen in den Vordergrund der Ordensaktivitäten. Auch für diesen Aspekt steht der neue Generalobere: „Pater Sosa hat sich intensiv für soziale Gerechtigkeit eingesetzt; er wird dem Orden in diesem Bereich neue Wege weisen und seine Sendung inspirieren“, sagte der deutsche Provinzial Stefan Kiechle. Wie so mancher Jesuit seiner Generation scheint Sosa eine „rote“ Vergangenheit zu haben. Wenige Tage nach der Wahl hatte jedenfalls ein italienischer Vatikanist schon einen Aufsatz Sosas aus dem Jahr 1978 ausgegraben – der Titel: „Die marxistische Vermittlung des christlichen Glaubens“. Im Jahr 2014 äußerte sich Sosa jedoch extrem kritisch gegenüber dem sozialistischen Regime von Hugo Chávez und Nicolás Maduro in Venezuela.

Sosa ist der erste Nichteuropäer an der Spitze des fünfhundert Jahre alten Ordens. Bei der Generalkongregation stammten nur noch 26 Prozent der Teilnehmer aus Europa. Sosa folgt dem Spanier Adolfo Nicolás Pachón nach, der bereits 2014 in einem Brief an alle Jesuiten seinen Rücktritt für Ende 2016 angekündigt hatte.

Gegenüber „Radio Vatikan“ sagte Sosa, die Wahl habe ihn überrascht: „Ich fühle mich jetzt so, dass ich ganz viel Hilfe brauche. Es kommen auf mich große Herausforderungen zu. Wir sind die Gesellschaft Jesu – mit Betonung auf Jesus – und da wird nun Jesus bei uns viel zu tun haben. Ich vertraue meinen Mitbrüdern, sie sind so gut. Wir müssen nun genaue Angaben erarbeiten, wie wir uns weiter ausrichten wollen. Das kann ich nicht als Einzelner tun, wir müssen das gemeinsam angehen. Ich werde mein Bestes geben, auch wenn ich sagen muss, dass ich sehr überrascht war, dass ich gewählt wurde.“

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