Papst & VatikanFranziskus spricht von „Genozid“

Papst Franziskus verzichtet auf diplomatische Zurückhaltung gegenüber der Türkei und erntet prompt heftigen Protest aus Ankara.

Papst Franziskus und Recep Tayyip Erdogan
Papst Franziskus und Recep Tayyip Erdogan am 28. November 2014 in Ankara.© KNA-Bild

Bei seiner Reise in die Türkei im November letzten Jahres waren sich die Beobachter einig: Papst Franziskus hatte dieses politisch heikle Terrain souverän und mit diplomatischen Geschick gemeistert. Im prunkvollen Präsidentenpalast sprach der Papst bescheiden und freundlich von der gemeinsamen Verantwortung, die Christen und Muslime zusammen trügen für Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit in der Welt (vgl. HK, Januar 2015, 4).

Auf solche diplomatische Zurückhaltung gegenüber der Türkei verzichtete Papst Franziskus nun Mitte April und erntete prompt heftigen Protest aus Ankara. In einem Gottesdienst zum 100. Jahrestag des Beginns der Verfolgung der Armenier während des Ersten Weltkriegs sprach Franziskus vom „ersten Genozid des 20. Jahrhunderts“. Die Menschheit habe im vergangenen Jahrhundert drei große, unerhörte Tragödien erlebt: die erste habe das armenische Volk getroffen, sagte der Papst in seinem Grußwort an die armenischen Gäste. Unter den Gästen waren der armenische Staatspräsident Sersch Sargsjan sowie die Oberhäupter der armenisch-apostolischen und der armenisch-katholischen Kirche, die Patriarchen Karekin II. und Nerses Bedros XIX. Franziskus stellte so die Verfolgung der Armenier in eine Reihe mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und des Stalinismus.

Der Protest der türkischen Regierung erfolgte prompt. Das Außenministerium bestellte den vatikanischen Botschafter ein und protestierte offiziell  gegen diese Aussage. Mit der Rede vom „Genozid“ an den Armeniern zitierte Franziskus dabei Papst Johannes Paul II. Der Papst beklagte 2001 während seiner Armenien-Reise: „Die Ermordung von eineinhalb Millionen Christen ist das, was generell als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird.“

Herder Korrespondenz-Newsletter

Ja, ich möchte den kostenlosen Herder Korrespondenz-Newsletter abonnieren und willige somit in die Verwendung meiner Kontaktdaten zum Zwecke des eMail-Marketings des Verlag Herders ein. Dieses Einverständnis kann ich jederzeit widerrufen.