BuchbesprechungDietmar W. Winkler: Wann kommt die Einheit? Ökumene als Programm und Herausforderung

Wann kommt die Einheit? Betrachtet man die gegenwärtigen Diskussionen über die Beziehungen der getrennten christlichen Kirchen, drängt sich der Eindruck auf, dass es neben manchen Störfeuern bestenfalls Schritte zur Seite hin gibt. Länger schon im ökumenischen Gespräch Engagierte weisen da gerne darauf hin, dass man sich angesichts solcher Klagen vor Augen halten müsse, wie rasch die Annäherung in den vergangenen Jahrzehnten vorangeschritten sei: Noch vor einem halben Jahrhundert sei heute Selbstverständliches schlechterdings nicht vorstellbar gewesen. Umso wichtiger sind Zeugnisse über jene Zeit, in der Vieles in Bewegung geraten ist.

Ein besonders lesenswertes Bändchen ist da das Buch von Dietmar W. Winkler aus der vergleichsweise neuen Reihe „Kardinal König Bibliothek“. Er fasst zum einen die Entwicklung der ökumenischen Bewegung, angefangen von den christlichen Jugend- und Studentenbewegungen im 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil als markantem Wendepunkt zusammen. Immerhin sei Johannes XXIII. die Idee für das Konzil des 20. Jahrhunderts erst 1959 während der Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen gekommen, an deren Ende er es dann ankündigte. Zum anderen beschreibt Winkler die rasanten Fortschritte bei der Ökumene rund um das Zweite Vatikanum, dabei vor allem auch das Engagement des Wiener Kardinals Franz König, der in vielerlei Hinsicht zu den Schlüsselfiguren gehört. Interessant dabei sind nicht zuletzt eine Reihe von bisher unveröffentlichten Funden aus dem Kardinal-König-Archiv in Wien, die zeigen, wie König auf genauso diskrete wie effiziente Weise zwischen den Konfessionen vermittelt und sich dafür eingesetzt hat, dass die Diskussionen – vor allem über die östlichen Kirchen – innerhalb der katholischen Kirche vorangehen. Schließlich geht es in dem Band auch um die wechselhafte Geschichte der Entstehung des Ökumenismus-Dekrets des Konzils, „Unitatis Redintegratio“, einschließlich der problematischen Deutung durch das Dekret der Glaubenskongregation „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000. Angesichts der Tatsache, dass sich die Frage „Wann kommt die Einheit?“ mit unverminderter Dringlichkeit stellt, werden hier – im besten Sinne – „gefährliche Erinnerungen“ vorgelegt, die anspornen. Denn die Titel-Frage beantworten kann das Büchlein auch nicht.

 

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Dietmar W. Winkler

Wann kommt die Einheit? Ökumene als Programm und Herausforderung

Kardinal König Bibliothek, Band 4, Verlag Styria, Wien 2014. 147 S.