Diego MaradonaSterbliche Götter

Er wurde von seinen Verehrern als „Hand Gottes“ bezeichnet.

Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes.“ So hatte der vielleicht beste Fußballspieler aller Zeiten, Diego Armando Maradona Franco, sein mit der Hand erzieltes, jedoch als gültig anerkanntes Tor gegen England bei der Weltmeisterschaft 1986 erklärt. England schied aus dem Turnier aus, Argentinien wurde Weltmeister. Reue und Ehrlichkeit zeigte der Held nicht, der nach einem tragischen Leben, drogenabhängig und schwer krank, sechzigjährig in die – wie alle hoffen – echte Hand Gottes fiel. Er wurde von seinen Verehrern als „Hand Gottes“ bezeichnet. Manche Fans sahen in ihm selber einen Gott. Die italienische Zeitung „Il Messaggero“: „Der Tod eines Gottes“. Dagegen die argentinische „La Nación“: „Diego Maradona stirbt nie.“ Mit einer Staatstrauer wurde der Unterhaltungs-Ballkünstler, der die Massen mit seiner Wendigkeit und seinen Tricks verzaubert hatte, geehrt. Manche hofften sogar ein wenig christlich, etwa das Blatt „Olé“: „Wir wissen, dass Diego ein neues Spiel begonnen hat.“ Der Papst „vom Ende der Welt“ betete für seinen Landsmann. Kardinäle feierten Trauergottesdienste.

Die Welt ist jedesmal geschockt, wenn Stars, Prominente, Staatsmänner, Königinnen, Prinzessinnen der Herzen, berühmte Musiker, Schriftsteller usw. das irdische Dasein verlassen. Hatten wir nicht gemeint, sie würden ewig leben? Denken wir in unserer Alltagsverdrängung nicht selber, dass es uns nicht trifft? Als gehe es unendlich so weiter, als sei die Zukunft nichts anderes als verlängerte Gegenwart? Plötzlich blitzt die Endlichkeit auf: bei Todesfällen wie diesem oder bei tödlichen Krankheiten wie Corona. Wir sind sterblich!

Ist auch unser Glauben sterblich, unsere Religion, unser Christentum, unsere Kirche? Diese meint ja ebenfalls voller Verdrängung, „aus ewgem Stein erbauet“ auf festem Grund zu stehn. Dabei werden ihre Grundfesten weltweit längst heftig erschüttert. Auch da täte Nachdenklichkeit, Realitätssinn gut: Das Christentum gibt es erst seit 2000 Jahren. Die Homo-sapiens-Menschheit aber besteht seit mindestens 150000, vielleicht sogar 350000 Jahren. Sie hat viele Götter und Göttinnen kommen und gehen sehen. Von den griechischen, römischen und germanischen Gottheiten der Antike ist nichts mehr übriggeblieben. An sie glaubt keiner mehr. Wie wird es mit dem Gott Jesu Christi, mit dem christlichen Glauben in tausend, zweitausend, dreitausend, gar dreißigtausend Jahren aussehen? Nur nicht daran denken? Doch! Gerade um Gottes willen. Denn bei aller Sterblichkeit stirbt eins niemals: die Hoffnung. Hoffentlich auch nicht der einzige, eine, universale und wahre Gott, den kein Auge geschaut hat, der aber im Logos Christus, der Ikone des unbekannten, unsichtbaren Gottes, uns berührt hat und ergreift.

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