Archaischer Islam, nichts für moderne Muslime

Der Patriarch der mit dem Papst verbundenen chaldäischen Kirche des Irak, Kardinal Louis Raphaël Sako, hofft auf eine religiöse Reform des Islam und einen Mentalitätswechsel der Muslime, damit sie Angehörige anderer Religionen nicht als zweitrangig oder gar als Ungläubige betrachten und behandeln. Bei einer Tagung im österreichischen Stift Heiligenkreuz sagte er, dass aufgrund des dschihadistischen Terrors, aber auch wegen der alltäglichen Diskriminierung religiöser Minderheiten in den letzten fünfzehn Jahren ungefähr eine Million Christen den Irak verlassen haben. „Nicht alle Muslime sind fanatisch, aber die antichristliche Mentalität ist durchgängig verbreitet.“

Doch wenden sich laut Sakos Beobachtung inzwischen viele junge Muslime von ihrer angestammten Religion ab und werden zu Atheisten, weil sie den islamischen Extremismus, Terrorismus und Fundamentalismus als menschenverachtend verabscheuen. In Mossul seien während des letzten Ramadan nicht nur die Geschäfte, sondern auch die Restaurants tagsüber offen gewesen, „und die Leute haben gegessen“, was eigentlich gemäß den islamischen Fastenvorschriften zu dieser Zeit „streng verboten ist“. Auch das deutet nach Sako auf eine innere Krise im Islam hin.

Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete iranische Juristin und Menschenrechtlerin Shirin Ebadi, die in England im Exil lebt, wies bei der Tagung darauf hin, dass die Christen in ihrer Heimat zwar als religiöse Minderheit anerkannt seien, dennoch unter vielfältigen zivil- und strafrechtlichen Diskriminierungen leiden würden, die in der Verfassung verankert seien. Momentan seien 300 Personen in Haft, die sich vom Islam zum Christentum bekehrt haben. Shirin Ebadi findet, dass archaische Regelungen im Koran beziehungsweise im islamischen Recht der Scharia im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr haben dürfen. Viele moderne Muslime würden so denken.

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