Universität ohne Kreuz

An der Wiener Universität müssen die Theologen nach Umbauten ihre angestammten Hörsäle aufgeben. Die neuen Räume werden sie sich mit anderen Fachrichtungen teilen. Man hat entschieden, dass dort künftig keine Glaubenssymbole mehr zu sehen sein sollen. Der Abschied von den bisher üblichen Kreuzen an der Wand stimme allerdings nachdenklich, schreibt der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück in der FAZ. „Muss die Achtung vor der Andersheit Andersdenkender und Andersgläubiger so weit gehen, dass das Eigene der Theologie keinen sichtbaren Ort mehr hat?“ Man hätte doch in der österreichischen Metropole auch einen Kompromiss eingehen können, vergleichbar mit jenem der Universität Innsbruck: Dort verblieb in „wenigstens einem der Räume“ das Kreuz. Es sei ein Erinnerungszeichen dafür, „dass die europäischen Universitäten im Mittelalter aus den Kathedralschulen hervorgegangen sind“. Außerdem hätte eine solche Lösung dem Umstand entsprochen, „dass sich der weltanschaulich neutrale Staat Universitäten leistet, in deren Fächerkanon Religionsforschung nicht nur aus der Beobachter-, sondern auch aus der Teilnehmerperspektive betrieben wird“. Am Universitätsgebäude an der Wiener Ringstraße befinde sich ohnehin die „Figur der sacra theologia mit einem langstieligen Kreuz“. „Für die einen mag das nicht mehr als ein historistisches Zitat sein… Andere erinnert die denkmalgeschützte Statue daran, dass die Reflexion über Gott unter dem Dach der Universität von alters her einen Ort hat.“

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