Psycho-religiöse GemeinschaftenHeil, Heiler und sexueller Missbrauch

Starke Anführer und enge persönliche Beziehungen führten in psycho-religiösen Gemeinschaften zu Abhängigkeit bis hin zu sexuellem Missbrauch.

Die engen persönlichen Beziehungen in psycho-religiösen Gemeinschaften mit starken Anführern und Abhängigkeitsverhältnissen – bis hin zur Hörigkeit – begünstigen sexuellen Missbrauch. Das ist in katholischen Vereinigungen, denen es doch um das Heil der Erlösung in Christus geht, ebenso festzustellen wie in freikirchlichen, charismatischen bis esoterischen Gruppierungen. Soeben erst sind wieder solche Skandale unter Ordensmitgliedern der „Legionäre Christi“ bekanntgemacht worden – in Italien. Gegen vier Ordensmänner, teilweise in Leitungsaufgaben, die bereits nachgewiesene sexuelle Straftaten vertuscht, Ermittlungen gezielt behindert und Betroffene zu Falschaussagen gedrängt haben sollen, geht die Staatsanwaltschaft in Mailand vor. Die Betreffenden weisen jede Schuld von sich.

In Chile wiederum hat der Vatikan Untersuchungen eingeleitet aufgrund von Meldungen, dass es dort systematisch sexuelle Übergriffe von Priestern gegen Ordensfrauen gegeben habe. Betroffen ist angeblich die Gemeinschaft der Schwestern vom Guten Samaritaner im Bistum Talca. Ordensfrauen, die sich gegen die sexuelle Nötigung beziehungsweise versuchte Vergewaltigung gewehrt hätten, seien von der Ordensleitung bestraft und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen worden. Die Katholische Nachrichten-Agentur berichtet von einer ehemaligen Angehörigen der diözesanen Ordensgemeinschaft, sie sei von ihren Vorgesetzten sogar gezwungen worden, ihre Anschuldigungen als Sünde bei ihrem Peiniger zu beichten.

In Brasilien wird der „Wunderheiler“ João de Deus (Johannes von Gott) beschuldigt, Frauen bei „Behandlungen“ sexuell missbraucht zu haben. João Teixeira de Faria sieht sich selber als „psychischen Chirurgen“, der als Medium mithilfe der Kräfte des Ignatius von Loyola, des Begründers des Jesuitenordens, Kranke gesund mache. Er soll unter anderem ohne Narkose und mit einfachen Messern in Trance „operiert“ haben. Hunderte Menschen pilgern täglich in sein „Heilzentrum“ bei Brasília. Auch Unterhaltungsstars sollen ihn schon aufgesucht haben. Kritiker beurteilen ihn als Scharlatan, Anhänger berichten von der Heilung selbst schwerster Krankheiten.

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