Christen im OrientChristsein auf Arabisch

Araber sind Muslime – meint man. Dabei war das Christentum lange vor dem Islam da. Und Christus kam nach Arabien, bevor er das „Abendland“ besuchte. Bilder einer bedeutenden Kultur.

Ein arabischer Priester einer orthodoxen Kirche mit Ehefrau und zwei Töchtern: Christliches Selbstbewusstsein vor Sankt Anna in Jerusalem im Jahr 1905
Ein arabischer Priester einer orthodoxen Kirche mit Ehefrau und zwei Töchtern: Christliches Selbstbewusstsein vor Sankt Anna in Jerusalem im Jahr 1905© Foto: École biblique d’archéologie française, Paris (Fotografie, 1905)

Religion ist im streng laizistisch organisierten Frankreich Privatsache. Durch den radikalisierten Islam aber wird Glauben auch wieder zu einer öffentlichen Angelegenheit. Da die Grande Nation seit jeher auch besondere Beziehungen zum arabischen Kulturkreis hat, ist es nicht erstaunlich, dass nun auch das vom Dschihadismus bedrängte arabische Christentum stärker ins Blickfeld gerät – neuerdings mit einer viel beachteten Ausstellung in Paris: „Christen des Orients. 2000 Jahre der Geschichte“ (bis 14. Januar), zu sehen im „Institut du monde arabe“ (Institut der arabischen Welt). Die „Welt“ spricht von einer „Sensation“.

Staatspräsident Macron (Dritter v. r.), Jack Lang und Libanons Staatspräsident Aoun im Arabischen Institut in Paris
Staatspräsident Macron (Dritter v. r.), Jack Lang und Libanons Staatspräsident Aoun im Arabischen Institut in Paris© Foto: picture-alliance

Staatspräsident Emmanuel Macron und der libanesische Präsident Michel Aoun, ein maronitischer Christ, hatten die Schau gemeinsam eröffnet. Mit dem Hinweis auf die alten Verbindungen zwischen dem Orient und Frankreich, unter anderem auf die französische Mandatszeit nach dem Ersten Weltkrieg, bekräftigte Macron die Forderung, dass jeder in Nahost „frei nach seinem Glauben leben können sollte“. Er betonte, Paris werde an der Seite der Christen des Libanon wie auch aller anderen bedrängten Christen im Nahen und Mittleren Osten sein. Wegen der „ruhmreichen Vergangenheit“ Frankreichs sei es eine „Verpflichtung“, den Kontakt mit diesen Völkern zu pflegen.

Der sozialistische Kulturpolitiker Jack Lang, der selber lange in arabischen Ländern gelebt hat, leitet seit knapp vier Jahren das Haus. Im Ausstellungskatalog spricht er von „Zeiten von Feuer und Blut“, womit er auf die Erschütterungen durch den islamischen Terrorismus anspielt. Dabei habe das „sehr alte Volk der christlichen Araber“ bereits eine maßgebliche Rolle in Kultur und Gesellschaft gespielt, als es den Islam noch nicht gab. Die Christen, so Lang, waren „Akteure der Modernität“ in jener vernachlässigten Wiege des Christentums. Dieses habe heute Mühe, dort „seinen Platz zu behaupten“.

Die Zeitung „Le Monde“ ließ den Jesuiten Salim Daccache aus Beirut zu Wort kommen: „In Syrien ist mindestens die Hälfte der Christen ausgewandert, jetzt sind es noch etwa 750000. Im Irak verblieben 300000, das sind zehn Prozent der Bevölkerung von 1955.“ Wie viele Christen den Libanon, Jordanien, Israel-Palästina verlassen haben, ist nicht genau bekannt.

Für das Arabische Institut ist die Orient-Christen-Schau eine „Weltpremiere“, so Lang. Die Einrichtung, die jetzt dreißig Jahre besteht und bis vor einigen Jahren hauptsächlich von Geldgebern der Arabischen Liga finanziert worden war, die auf das streng wahhabitische Saudi-Arabien Rücksicht nahmen, soll jetzt unabhängig werden. Man wolle mit dieser Schau „die Unwissenheit und die falschen Klischees“ in Westeuropa überwinden helfen, aufklären. Und dazu gehört, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass insbesondere arabische Christen Bedeutendes für die orientalischen Gesellschaften und die orientalische Kultur geleistet haben. Über die Rolle der Christen im Libanon schrieb zum Beispiel „Le Monde“: Die meisten christlichen Gemeinschaften und Regionen sind sehr lebendig, die Gottesdienste sonntags sind voll. Der libanesische Franziskaner Hani Tawk erklärte: „Ich gehöre zur arabischen Welt, bin in meiner Landschaft verwurzelt, verbunden mit der Demokratie. Wir sind im Nahen Osten wie die Apostel der Freiheit und der Kultur.“

In der Pariser Ausstellung ist von diesem Selbstbewusstsein viel zu spüren. Das Licht des christlichen Glaubens kam aus dem Osten, was heute im „christlichen Abendland“ oft vergessen, ja verdrängt wird. Jerusalem, Israel, Palästina, der Libanon, Syrien, der Irak, Jordanien, die Türkei und auch Ägypten sind die frühesten Kernzonen christlicher Kultur und Identität. Im Arabischen Institut bezeugt eine Vielfalt von 300 kostbaren und in dieser Zusammenstellung noch nie gezeigten Exponaten – Mosaike, Ikonen, Skulpturen, Schnitzereien, Manuskripte, Evangeliare, liturgische Geräte, Bibeldrucke, Fotografien, Kurzfilme – jene verändernde Kraft, mit der die Christen des Orients die arabische Welt geprägt und mitbestimmt haben.

Als Ephrem der Syrer sang

Die Kuratorinnen, die Kunsthistorikerinnen Raphaëlle Ziadé und Élodie Bouffard, haben die konfessionelle Vielfalt, deren geschichtliche Entstehung hoch komplex ist, in vier Abteilungen gruppiert und in eine lineare Betrachtung eingeordnet. Von Beginn an arbeitete man mit dem kirchlichen Hilfswerk „L’Oeuvre d’Orient“ zusammen und nutzte dessen Kontakte zu den einzelnen Patriarchaten, die erstaunlich viel beigesteuert haben. Es entstand ein Durchgang durch 2000 Jahre Geschichte auf tausend Quadratmetern Fläche. Es beginnt mit der Geburt und Ausbreitung des frühen Christentums bis zur Eroberung des Orients durch den Islam. Die zweite Abteilung ist dem Leben der Christen bis zum 15. Jahrhundert gewidmet. In einer dritten Abteilung sind Zeugnisse zu sehen, wie Christen zwischen Bedrängnis, Koexistenz mit Muslimen und dem nationalen Neuerwachen der Araber im 19. Jahrhundert gelebt haben. Den Abschluss bilden vor allem Fotos und Filme über die christliche Existenz in der arabischen Welt heute.

Steh auf, nimm deine Bahre und geh: Fresko-Zeichnung von 232, Dura Europos.
Steh auf, nimm deine Bahre und geh: Fresko-Zeichnung von 232, Dura Europos.© Foto: Yale University Art Gallery (Fresko aus dem syrischen Dura Europos)

Zwei sehr berührende Fresken – mit die ältesten Darstellungen von Kunst aus christlicher Hand – sind gleich zu Beginn der Schau ausgestellt. Sie stammen aus dem 3. Jahrhundert, sind also etwa genauso alt wie die Zeichnungen in den Katakomben Roms. Archäologen haben sie aus der römischen Siedlung Dura Europos in Ostsyrien geborgen. Bei Grabungen hatten sie eine Hauskirche freigelegt, die überraschenderweise gut erhaltene biblische Wandbilder enthielt. In Paris ist die Heilung des Gelähmten durch Jesus sowie dessen Gang auf dem Wasser des Sees Gennesaret zu sehen. Ab 2011 war die Grabungsstätte von Dschihadisten geplündert worden, um mit dem Handel der kostbaren antiken Kunstwerke Geld für den „Heiligen Krieg“ einzunehmen.

Dura Europos steht für die noch junge syrische Kirche im langsam verlöschenden Römischen Reich, als die Christen noch eine Minderheit waren, aber eine innovative. Diese Fresken dokumentieren, wie die Anhänger des „neuen Wegs“ mit einer ganz anderen Bildsprache als die ihrer Umgebung für ihre religiösen Ideen von Heilung, Auferstehung und ewigem Leben warben.

In der Ausstellung finden sich viele Kunstwerke, die Heilige abbilden. Eines der wertvollsten ist das Evangeliar von Rabbula, entstanden im 4. Jahrhundert in Syrien. Zu sehen sind auch liturgische Geräte, wunderbar erhaltene alte Gebetbücher mit eindrucksvollen Malereien und Ikonen. Die Kuratorinnen schreiben: „Ephrem der Syrer, der im 4. Jahrhundert gelebt hat, ist der größte Poet-Theologe der syrischen Kultur. Ein Manuskript aus dem 9. Jahrhundert, das aus Damaskus über den Libanon zu uns kam, zeigt in der Schau sein Gesicht und sein Werk, gleich neben einer Ikone aus dem 15. Jahrhundert, die sein Leben und Sterben abbildet. Ein Mönch, letzter Bewohner eines zerstörten christlichen Dorfes im türkischen Tur Abdin, wird im Film präsentiert, wie er im Jahr 2010 Ephrems Hymnen betet und singt.“ Das seien sechzehn Jahrhunderte intakter christlicher Tradition. Es waren die Klöster sowie die mit ihnen verbundene Verehrung der frühchristlichen Märtyrer und die entsprechenden Wallfahrten, die die Ausbreitung des Christentums in der Frühzeit gefördert haben. Nach der Entscheidung des Römischen Reichs, das Christentum als Staatsreligion zu installieren, entstanden mehr und mehr sakrale Bauten, Kirchen. In Antiochia und Alexandria entwickelten sich die ersten beiden großen theologischen Schulen. Die damit verbundenen geistig-geistlichen Debatten über das Gottes- und das Christusverständnis, auch mit viel Streit, sogar auf Synoden und Konzilien, prägten das Christentum tief und nachhaltig bis in unsere Zeit.

Ein christlicher Beduine des Azeizat-Stammes
Ein christlicher Beduine des Azeizat-Stammes© Foto: Ausstellung

Mit Chalkedon kam der Bruch

So entstand eine Kirchenlandschaft, die sich über Jahrhunderte auffächerte, auch spaltete. Neben der griechisch-orthodoxen Kirche, der Erbin des byzantinischen Reichskultes, finden sich viele andere Richtungen. Zu den orientalisch orthodoxen Kirchen zählen jene Glaubensgemeinschaften, die sich nach dem Konzil von Ephesus 431 und Chalkedon 451 von der Reichskirche abspalteten, darunter die koptische Kirche, die armenisch-apostolische Kirche und die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien. Davon zu unterscheiden ist die assyrische apostolische Kirche des Ostens, die einer eigenen Tradition folgt. Mitte des 16. Jahrhunderts spaltete sich von ihr wiederum die chaldäisch-katholische Kirche ab, um den Papst als Oberhaupt anzuerkennen und sich mit Rom zu vereinen. Anhänger des heiligen Maron von Beit, der als Eremit, Asket und Priester um 500 lebte und lehrte, begründeten im 7. Jahrhundert mit der maronitischen Kirche eine eigene Tradition, die dem syrischen Ritus folgt und ihre Gottesdienste auf Altsyrisch oder auf Arabisch feiert. Seit 1182 erkennen die Maroniten den Papst in Rom als Kirchenoberhaupt an. 1724 wiederum trennte sich ein Teil der Christen von der orthodoxen Kirche von Antiochien und wendete sich dem Papst zu. So entstand die melkitische Kirche, die ihre Liturgie byzantinisch-griechisch feiert. Hinzu kommen in allen orthodoxen orientalischen Kirchen Christen, die sich aus historischen oder machtpolitischen Gründen nach Autoritätskonflikten wieder mit der katholischen Kirche verbunden haben.

Porträt ägyptischer Mönch, 6./7. Jh.
Porträt ägyptischer Mönch, 6./7. Jh.© Foto: Musée des Jacobins (Farben auf Holz)

Als der Islam die Region eroberte, waren die Orient-Christen bereits in viele Bekenntnisse aufgeteilt. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Ausstellung widmet sich den entsprechenden Veränderungen. Der Katalog betont, dass die alten Sprachen wie Aramäisch, Koptisch, Griechisch zurückgedrängt wurden und die christlichen Schriften mehr und mehr auf Arabisch verfasst wurden. In der Ausstellung ist das an arabischen Evangeliaren und Messbüchern gut zu sehen. „Einzig in der Liturgie blieben die alten Sprachen erhalten.“ Zwar wurden Christen (und Juden) unter islamischer Herrschaft als Dhimmi, als „Schutzbefohlene“ und „Leute der Schrift“, angesehen, die ihre Religion frei ausüben und ohne Einschränkungen wirtschaftliche Geschäfte tätigen durften. Doch wurden sie gemäß dem Koran innerhalb des islamischen Gemeinwesens zu Bürgern zweiter Klasse. Raphaëlle Ziadé, die Tochter eines libanesischen Diplomaten, meint, es habe für Christen trotzdem „fruchtbare, liberale Zeiten“ im islamischen Herrschaftsbereich gegeben, „etwa in Bagdad in der Zeit der Abassiden-Dynastie“ – sie stellten den Kalifen ab 750 n. Chr. Aber es gab immer wieder auch Wellen „schlimmer Verfolgungen“, etwa 1009, als Sultan Hakim in Jerusalem die Grabeskirche/Auferstehungskirche zerstörte. In Paris ist dazu ein kunstvoll mit Intarsien versehenes Modell der „Anastasis“-Kirche zu sehen, die das Lateinische Patriarchat von Jerusalem als Leihgabe beigesteuert hat.

Die Ikonenschule von Aleppo

Als die Osmanen über Jerusalem herrschten, spielten christliche Kaufleute im Wirtschaftsleben eine maßgebliche Rolle, worauf Élodie Bouffard im Katalog hinweist. Sie unterhielten ihre Handelshäuser in den Städten der Levante. Weil sie sehr gebildet waren, konnten sie auch kulturelle Brücken zwischen den Religionen und Herrschaftsgebieten schlagen. Christen führten den Buchdruck im Nahen Osten ein. In der Ausstellung sind solche Drucke zu sehen, auch arabische Bleilettern, mit denen die Evangelien gedruckt wurden. Diese Kaufleute-Christen des städtischen Milieus förderten Literatur und Musik im arabischen Kontext.

Abbildung links: Der melkitische Maler Youssef al-Musawwir hat zwischen 1650 und 1667 eine Ikone zum gottesdienstlichen Akathistos-Hymnos gemalt: zwölfmal Geburtsgeschichte Jesu, einmal König David und zwölfmal Schöpfungstheologie.
Abbildung links: Der melkitische Maler Youssef al-Musawwir hat zwischen 1650 und 1667 eine Ikone zum gottesdienstlichen Akathistos-Hymnos gemalt: zwölfmal Geburtsgeschichte Jesu, einmal König David und zwölfmal Schöpfungstheologie.© Foto: Collection George Antaki, London/Axia Art (Hymnos Akathistos, Tempera auf Holz, Aleppo)

Ein Beispiel aus dem 17. Jahrhundert ist die kunstvolle und selten zu sehende riesige Ikone „Akathistos-Hymnos“, die ein syrischer Priester der mit Rom verbundenen melkitischen Kirche gemalt hat. In zwölf Bildern entfaltet Youssef al-Musawwir die biblisch bezeugte Geburtsgeschichte Jesu. In der Mitte der Bilderfolge befindet sich der Psalmensänger David. Danach sind weitere zwölf Miniaturen zu sehen, die der theologisch-dogmatischen Sicht der Schöpfung durch die Menschwerdung des Gottessohnes in Maria gewidmet sind.

Dieser Bilderreigen entspricht dem Aufbau des gleichnamigen Gesangs, der „stehend“ gesungen werden muss; akathistos bedeutet „nicht sitzend“. Es ist ein feierlicher Hymnus für die Fastenzeit, der in zweimal zwölf Strophen in immer wiederkehrenden litaneiartigen Anrufungen die Heilsereignisse rund um die Gottesgebärerin und Jungfrau Maria preist. Er beginnt mit den Worten: „Aus dem Himmel her trat ein Erzengel in die Welt des Sichtbaren, der Gottesmutter den Freudengruß zu sagen: Sei gegrüßt…“ (vgl. auch die Titelbilder des CIG in Nr. 52, 53/2017 und in dieser Ausgabe).

Der Maler al-Musawwir gilt als künstlerischer Neuerer. Er war der Begründer einer Ikonenmalschule in Aleppo, die verschiedene Traditionen, darunter griechische, kretische und russische, miteinander vereinte, was damals ungewöhnlich war. Im Katalog schreibt der syrische Kunsthistoriker Charbel Nassif: Al-Musawwir hatte herzliche Beziehungen zum melkitischen Patriarchen Makarius III., der den Künstler förderte. „Die Blüte der Ikonenschule von Aleppo muss zurückgeführt werden auf die Renaissance der Literatur der melkitischen Kirche im 17. Jahrhundert.“ Dort bereits war zu erkennen, wie sich die spirituelle und kulturelle Identität der Melkiten auf eigene Weise fortsetzt, indem sie an die byzantinische Tradition anknüpft. Solche Ikonen waren zudem Ausdruck des Selbstbewusstseins orientalischer Christen, ihres Anspruchs auf Autonomie, auch wenn sie ansonsten mit Rom verbunden waren.

Nach der Flucht vor dem Völkermord an den Armeniern arbeiten diese Frauen in einem Flüchtlingscamp in Beirut in einer Nähstube im Jahr 1925.
Nach der Flucht vor dem Völkermord an den Armeniern arbeiten diese Frauen in einem Flüchtlingscamp in Beirut in einer Nähstube im Jahr 1925.© Foto: Bibliothèque orientale de l’Université Saint-Joseph, Libanon (Fotografie 1925)

Im letzten Teil der Pariser Schau finden sich viele Fotos der heutigen arabischen Welt mit christlicher Prägung: Ikonen-Altäre im Libanon, Heiligenbilder auf Hauswänden im Irak. Vier kunstvolle Manuskripte des syrisch-katholischen Patriarchats im Libanon wurden mit Hilfe des „Oeuvre d’Orient“ und französischer Unterstützung restauriert. Pascal Gollnisch, Generaldirektor des Hilfswerks, erzählte: „Wissen Sie, das Erste, worum Orientchristen uns bitten, ist: Erzählt der Welt, wer wir sind. Erzählt, dass wir existieren. Erzählt von unserer Geschichte und Kultur.“

Bis Anfang Dezember hatten mehr als 100000 Personen die Ausstellung in Paris besucht. Ein ungewöhnlicher Erfolg in einer Stadt, die sich sonst säkular gibt. Begleitet wurde die Schau von Vorträgen und Filmabenden. Neulich trat der Franzose Vincent Gelot im Arabischen Institut auf. Er ist beim französischen kirchlichen Hilfswerk „L’Oeuvre d’Orient“ angestellt. 1858 gegründet, unterstützt diese Institution die christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten. Gelot, der in Nantes geboren wurde, sprach über seine literarische Initiative, die der Solidarität mit orientalischen Christen gewidmet ist.

In die Kirche Notre-Dame des Champs, nicht weit vom berühmten Pariser Viertel Saint Germain des Prés gelegen, kamen mehr als hundert Besucher, darunter viele junge Leute, um dem Erlebnisbericht Gelots zu lauschen. Angeregt vom Besuch Papst Benedikts XVI. im Libanon 2012, fuhr Gelot wie ein moderner Nomade mit seinem alten Renault zunächst in die Levante. Sein Ziel lautete: orientalische Christen treffen, mit ihnen leben und sie dazu bewegen, einige Gedanken in ein mitgebrachtes Notizbuch zu schreiben. „Am Anfang wussten die Leute nicht genau, was sie schreiben konnten“, berichtete Gelot. Aber als die ersten Notizen, Zeichnungen, Gedanken eingetragen waren, wurde es leichter. Wenn er dann noch erzählte, dass das Ziel seiner ungewöhnlichen Reise Jerusalem, die Stadt des Friedens, sei, kam ein Lächeln in die Gesichter. Vincent Gelot fuhr in den Jemen, damals hatte der Bürgerkrieg noch nicht begonnen, danach in den Iran. Er suchte Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf, in Äthiopien, kam nach Armenien, Georgien, Aserbaidschan und nach Afghanistan.

Maroniten im Libanon, hier Beirut, schmücken ihre Straßen mit Hausaltären.
Maroniten im Libanon, hier Beirut, schmücken ihre Straßen mit Hausaltären.© Foto: Collection Houda Kassatly (Fotografie, 20. Jahrhundert)
Viele sprachen über ihren persönlichen Glauben, ihre Hoffnungen.

Das Notizbuch ist unter den Ausstellungsstücken im Arabischen Institut zu sehen – wie auch der alte Renault. Aus dieser Reise entstand ein Buch, eine Sprüchesammlung mit Fotos. Da heißt es von einem irakischen Geistlichen: „Ich danke dir, Gott, denn du hast mich geschaffen und mich in den Orient platziert wie deinen Sohn Jesus Christus.“ Der koptisch-katholische Bischof William Kyrillos schrieb: „In Assiut, Hauptstadt von Oberägypten, versuchen wir Zeugnis zu geben von der Offenheit der Kirche.“ 60000 Kilometer fuhr Vincent Gelot auf seiner Pilgerreise der besonderen Art. Es sei eine geistliche Erfahrung gewesen, sagte der junge Mann, eine, die ihn verändert habe. „Ich bete nun viel mehr als früher. Gott ist ein Freund, ein Vater geworden. Und ich denke, dass ich meinen Glauben und meine Wurzeln besser kenne.“

Zur Ausstellung ist ein hervorragend gestalteter Katalog erschienen (auf Französisch): „Chrétiens d’Orient, deux mille ans d’histoire“, hg. von Élodie Bouffart und Raphaëlle Ziadé (Gallimard, Paris 2017, 207 S., 29 €). Die Ausstellung ist ab dem 22. Februar im nordfranzösischen Tourcoing, im Musée des Beaux Arts zu sehen.

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