Der Dschungel ist überall: Mission anders verstehen

Für eine Neuentdeckung der Mission im Christentum hat sich die Journalistin Claudia Nothelle ausgesprochen. Es gehöre „zum Grundkern des christlichen Glaubens, ihn weiterzugeben und über ihn zu sprechen oder – kirchlich ausgedrückt – Zeugnis abzulegen“, schreibt sie in der Zeitschrift „Die politische Meinung“.

Die Autorin, Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, räumt ein, dass das Wort „Mission“ stark belastet ist. Es „gilt als Inbegriff all dessen, was die Kirche in den vergangenen Jahrhunderten falsch gemacht hat“. Mission laufe auch dem heutigen Zeitgeist zuwider. Missionieren wolle „in unserer aufgeklärten Gesellschaft niemand“, schon gar nicht möchte man missioniert werden.

Viel zu wenig werde dagegen wahrgenommen, dass Theologen seit Jahrzehnten an einem neuen Missionsverständnis arbeiten. „Es geht um Freiheit, es geht um Zeugnis! Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über.“ So verstanden ist Mission „nicht mehr nur die Aufgabe für einige wenige abenteuerlustige Priester und Ordensschwestern, die sich im fernen Dschungel auf den Weg machen, um Seelen zu retten“. Mission sei die Aufgabe jedes Einzelnen im Volk Gottes. Sie „gehört zum christlichen Glaubensvollzug, überall und jederzeit“.

Dass Mission gerade auch hierzulande gefragt ist, ist keine Neuigkeit. Eine Umfrage im Frühsommer bestätigte einmal mehr den Bedeutungsverlust von Religion. Weit über die Hälfte der Deutschen gaben dabei an, Religion und Glauben kritisch zu sehen.

Die katholische Kirche begeht den Oktober als Monat der Weltmission. Die theologische Begründung seiner Arbeit formuliert das Münchner Missionswerk „missio“ auf seiner Internetseite: „So wie Gott in einer ganz konkreten Zeit und an einem bestimmten Ort Mensch geworden ist, so wird der christliche Glaube gelebt: Egal in welcher Kultur, er muss sich respektvoll auf sie einlassen, ihr Gewand annehmen, sich ‚inkarnieren‘ und sie aber auch mitgestalten, insbesondere dort, wo es Widersprüche zur christlichen Botschaft gibt.“ Das Hauptaugenmerk liege heute weniger auf „Christen, die ihre Heimat verlassen, um unter Fremden zu arbeiten. Es sind die Laien, die Priester oder Ordensschwestern oder schlicht die Menschen vor Ort, die inzwischen in ihrem eigenen kulturellen Kontext als Missionare tätig sind – und die heute vielfach in die einstigen Herkunftsländer der Missionare kommen, um ihre Botschaft von einer weltweiten Gemeinschaft mit Leben zu füllen.“

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