Umgang mit MedienKleine Surfer im großen Netz

Das Internet bietet bereits Kindern interessante Möglichkeiten, birgt aber auch Gefahren. Unerlässlich ist hier die Begleitung durch die Eltern

Kleine Surfer im großen Netz
Kinder brauchen im Netz die Begleitung von Erwachsenen. © Dean Hindmarch - iStock

Kindheit und digitale Welt sind heute von Anbeginn miteinander verwoben. Die Frage ist also weniger, ob man seine Kinder an digitale Medien heranführen sollte, sondern eher wie. Lebt man sie als einseitige Unterhaltungs- und Kommunikationsspielzeuge vor oder als kreative Werkzeuge? Lässt man die Kinder damit nur schnelle Erfolge beim Spielen sammeln und zur Beruhigung Videos gucken, oder setzt man Gesehenes gemeinsam um und sensibilisiert auch für die Gefahren? Eltern sind „beim Erlernen des Umgangs mit digitalen Medien die konkurrenzlos wichtigsten Akteure“, meint das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet in seiner U9-Studie Kinder in der digitalen Welt. Kinder lernen die virtuelle Werkzeugkiste hauptsächlich dadurch verstehen, „dass sie ihre Väter und Mütter im (digitalen) Alltag beobachten, oder dass ihre Eltern ihnen einzelne Anwendungen erklären.“ Das ändert sich rasant. Eltern spielen „als Ratgeber und Ideenlieferanten bei Online-Themen ab dem elften Lebensjahr der Kinder eine deutlich kleinere Rolle“. Dann zählt, was Freunde und Gleichaltrige sagen.
Bevor es so weit ist, sollten Eltern deshalb ihre Kinder an diese Werkzeuge des 21. Jahrhunderts heranführen. Klar hat man als Erwachsener am Anfang ein mulmiges Gefühl, denn jedes Werkzeug kann erschaffen und zerstören. Deshalb helfen wir unseren Kindern auch, wenn wir ihnen analoge Arbeitsgeräte wie ein Taschenmesser in die kleinen Hände geben. Bei digitalen Werkzeugen dagegen verhalten sich Eltern oft extremer: Viele sehen in ihnen einen Babysitter und lassen die Kinder damit allein. Oder sie malen sich in allen Details aus, wie sich die Kinder damit verletzen könnten, und halten sie so lange wie möglich davon fern. Beides ist verständlich. Aber auch gefährlich. Wir haben unserer Tochter von klein auf vorgelebt, dass das Internet mehr ist als Timelines, Unterhaltung, Nachrichten- und Entertainmentkanal, und die neuen Medien genutzt, um ihre Neugierde zu wecken, ihre Kreativität und Fantasie anzuregen. Dafür gibt es inzwischen viele Internetseiten, die sich an Kinder im Vorschulalter richten. Mit Tönen und Geräuschen experimentieren, eigene Trickfilme drehen oder selbst kleine Computerprogramme schreiben – mit dem Internet lässt es sich großartig basteln. Wenn Eltern ihren Nachwuchs dort die ersten Schritte machen lassen, sollten sie darauf achten, dass die Seiten werbefrei sind. Denn für Kinder ist es fast unmöglich, zwischen Werbung und Inhalt zu unterscheiden. Einen Überblick über Kinderseiten, auf denen es keinen Datenmissbrauch und Kommerz gibt, bietet beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Seitenstark (siehe Webtipp). Empfehlenswert ist auch das Internetangebot vom Kinderkanal KiKA, www.kika.de. Dort finden sich neben Mediathek, Bastelideen und Spielen auch eine betreute Community sowie Informationen für Eltern und Timster, das erste Medienmagazin für Grundschüler.

Kreatives Werkzeug

Zusammen mit den Eltern können Kinder aber auch Webangebote nutzen, die sich eigentlich an Ältere richten, etwa das Videoportal YouTube. Hier gibt es etliche Tutorial-Videos, in denen Schritt für Schritt gezeigt wird, wie man beispielsweise ein Blatt Papier zu einer Origami- Blume faltet oder aus Loom-Gummis Tiere und Armbänder knüpft. Mit Apps wie Geocaching (kostenpflichtig) oder Actionbound können Familien auf Schnitzeljagd gehen und den versteckten Schätzen mithilfe von Smartphone oder Tablet auf die Spur kommen.
Eine andere Möglichkeit, um gemeinsam die digitale Welt zu erkunden, sind Fotos. Bei Ausflügen können die Kinder fotografieren und zu Hause aus den Bildern eine Collage zusammenstellen. Tolle Effekte entstehen, wenn man im Dunkeln eine Taschenlampe schwenkt und dieses mit Licht gemalte Bild mit einer langen Belichtungszeit aufnimmt. Aus den Fotos lässt sich dann mit einer Fotobuch-Software ein gedrucktes Buch kreieren.

Die Risiken veranschaulichen

Ganz nebenbei können Eltern immer wieder von den „besonderen Kräften“ des Internets erzählen, etwa, dass sich dort nichts einfach löschen lässt. Zur Veranschaulichung habe ich mit meiner Tochter ein Foto in unserer Familienchatgruppe geteilt und dieses anschließend von ihr auf dem Handy löschen lassen. Danach wurde auf dem Display der anderen Teilnehmer sichtbar, dass das Bild nur angeblich gelöscht wurde. Bei einem anderen Experiment haben meine Tochter und ich ein Foto ihrer Puppe an unseren Bekanntenkreis gemailt, mit der Bitte, es uns verändert zurückzuschicken, um die Möglichkeiten der Manipulation zu verdeutlichen.
Damit Kinder schon früh begreifen, dass sie im Internet nie wirklich allein sind, empfiehlt es sich, die Kamera am Laptop oder Tablet mit einem Klebezettel abzudecken und ihnen zu erklären, dass sie sonst fotografiert oder beobachtet werden könnten. Denn die Kamera ist wie eine Tür, durch die sich möglicherweise Unbefugte mit einer Schadsoftware Eintritt in die Privatsphäre verschaffen. Wir haben unsere Tochter sogar einen „digitalen Einbruch“ begehen lassen: Während eines Videochats mit ihrer Oma ließen wir sie Bildschirmfotos machen. So sah sie, dass auch scheinbar private und vergängliche Momente per Screenshot unbemerkt eingefangen werden können.

Das Internet vergisst nichts

Wenn Kinder diese „Mächte“ verstanden haben, ist es leicht, ihnen zu erklären, dass die gleiche Dynamik auch bei Worten im Netz wirkt, dass „Idiot“ zwar schnell getippt ist, aber nicht einfach wieder zurückgenommen werden kann. Wie wichtig es ist, dass sich Eltern mit all diesen Aspekten auseinandersetzen und ihre Kinder darüber aufklären, zeigen nicht zuletzt drastische Fälle wie der von Amanda Todd. Die kanadische Schülerin hatte auf einer Videochat- Plattform kurz ihre Brüste entblößt. Der Chatpartner machte davon einen Screenshot und erpresste das Mädchen, schickte das Bild ihren Mitschülern und stalkte sie, bis sie sich das Leben nahm. Als Journalistin und Mutter plädiere ich deshalb dafür, dass Eltern das knappe Zeitfenster nutzen, in dem sie für ihre Kinder eine digitale Autorität sind. So können sie auch für die virtuelle Welt Fähigkeiten und Werte wie Urteilsvermögen, Respekt oder Empathie vermitteln.

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