Hilfe bei KrätzeDer fiese Nachtjuck

Skabies, auch Krätze genannt, hält in Deutschland wieder Einzug ins Kinderzimmer. Die Hautkrankheit verbreitet sich bei engem Körperkontakt über Parasiten, aber sie lässt sich schnell und wirksam behandeln

Der fiese Nachtjuck
Die Krätzmilbe ist mit dem bloßen Auge nicht zu sehen. © champja - iStock

Dass man einfach nicht aufhören kann, sich zu kratzen, hat der Erkrankung den umgangssprachlichen Namen gegeben: Krätze. Mediziner nennen die Erkrankung Skabies (lateinisch scabere – kratzen). Lange war diese Hautkrankheit durch unseren hohen Lebensstandard und gute Hygienebedingungen zurückgedrängt worden, jetzt ist sie jedoch wieder auf dem Vormarsch in Deutschland. „Ich habe eigentlich jeden Tag mindestens einen Fall von Skabies in der Praxis“, sagt der Hautarzt Dr. Rainer Jokisch aus Kelkheim. „Meist ist nicht nur eine Person, sondern die ganze Familie betroffen.“
In vielen tropischen Ländern ist Skabies noch weit verbreitet, bis zu 15 Prozent der Bevölkerung dort sind chronisch befallen. Kinder sind besonders häufig betroffen. Skabies wird ausschließlich durch engen Körperkontakt übertragen. Auslöser sind winzige, mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Krabbeltiere: Die Skabiesmilbe (auch Grab- oder Krätzemilbe) gehört zu den Spinnentieren und ist entfernt mit der Zecke verwandt. Sie lebt ausschließlich auf und in der menschlichen Haut. Wenn Kinder und Eltern innig miteinander kuscheln oder gemeinsam in einem Bett schlafen, ist die Übertragung der Tiere garantiert. Aber auch beim engen gemeinsamen Spielen im Kindergarten können Milben von einem Kind zum nächsten wechseln. Ein einfaches Händeschütteln, ein Anrempeln oder eine kurze Umarmung reichen hingegen meist nicht aus.

Der Hautparasit

Sobald eine befruchtete weibliche Milbe auf einem neuen Menschen angekommen ist, sucht sie eine möglichst warme und weiche Hautstelle und bohrt sich in die oberste Hautschicht. Dort gräbt sie Tunnelgänge, in denen sie ihre Eier ablegt. Die frisch geschlüpften Milben begeben sich auf die Hautoberfläche, wo die Begattung stattfindet. Anschließend tauchen die Weibchen erneut zur Eiablage in die Haut ab, die männlichen Tiere sterben. Nach einer Erstinfektion dauert es im Schnitt zwei bis sechs Wochen, bis die ersten Beschwerden auftreten und die Haut juckt und gerötet ist. Dieser Hautausschlag ist eine verzögerte Reaktion des Immunsystems nicht auf die Milben selbst, sondern auf ihren Abfall, den sie in der Haut hinterlassen. Er kann daher auch an Stellen auftreten, die gar nicht befallen sind. Charakteristisch ist ein starker Juckreiz, der vor allem nachts im Bett unerträglich werden kann.

Dünne Hautstellen bevorzugt

„Bei Kindern sind häufig die Zwischenräume der Finger, die Armbeugen, die Achseln, die Haut hinter den Ohren oder der Gürtelbereich beziehungsweise die Leiste betroffen“, sagt Dr. Jokisch. Obwohl es für einen erfahrenen Hautarzt zur Routine gehört, Skabies zu erkennen, sind Fehldiagnosen bei Kindern nicht selten. „Die Milbengänge sind unter dem Mikroskop schwer zu erkennen, wenn die Haut durch häufiges Kratzen oder durch eine Vorbehandlung mit Cortisonsalbe verändert ist. Außerdem können die Milben bei Kindern auch untypische Stellen befallen, wie zum Beispiel die Kopfhaut.“
Gerade wenn kleine Kinder betroffen sind, ist die Diagnose für viele Eltern ein Schock. Aber es gibt gut wirksame Medikamente gegen die Hautparasiten. Meist reicht eine einmalige Anwendung am ganzen Körper, die über Nacht einwirkt, damit die Kinder ansteckungsfrei sind. Allerdings müssen alle Kontaktpersonen mitbehandelt werden und Textilien mit intensivem Hautkontakt wie Kleider, Bettwäsche und Handtücher heiß gewaschen werden. Da die Milben in der Regel nicht länger als zwei Tage ohne Hautkontakt überleben, ist die Quarantäne für Kuscheltiere und andere, nicht waschbare Spielsachen überschaubar: Es reicht aus, sie für drei bis vier Tage in einer Plastiktüte aus dem Kinderzimmer auszulagern.
Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass sich das Kind erneut infiziert. Dann setzt das nächtliche Jucken ohne Zeitverzögerung wieder ein – ein deutliches Zeichen dafür, dass die medikamentöse Behandlung wiederholt werden muss. Aber auch wenn alle Milben zuverlässig abgetötet wurden, kann die gestresste Haut noch über längere Zeit weiterhin jucken und entzündet sein. Dieses sogenannte postskabiöse Ekzem ist für Eltern besonders nervenaufreibend, da sie einen Rückfall befürchten, obwohl die Behandlung erfolgreich war.
Besucht das betroffene Kind eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kindergarten, Schule oder Hort, muss die Leitung von der Erkrankung informiert werden. Sobald das Kind ansteckungsfrei ist, kann es wieder in die Betreuung gehen. 

Typische Symptome

  • entzündete Hautveränderungen
  • starker nächtlicher Juckreiz

Diagnose und Therapie beim Dermatologen

  • mikroskopischer Nachweis der Milben oder Gänge
  • Verschreibung der medikamentösen Therapie

Zusätzliche Maßnahmen

  • alle Kontaktpersonen mitbehandeln
  • alle Textilien mit Hautkontakt bei mindestens 50° C waschen
  • Sofapolster und Teppiche sorgfältig absaugen
  • nicht waschbare Textilien/Spielsachen über 3–4 Tage verschlossen auslagern
  • Kindergarten oder andere Gemeinschaftseinrichtung informieren
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