Hilfe bei Hautproblemen Keine Panik bei roten Pickeln

Ausschläge oder Rötungen der Haut treten im Kindesalter häufig auf. Meist sind sie harmlos, eine Abklärung durch den Kinderarzt ist dennoch sinnvoll. Das sind die häufigsten Ursachen

Akute Hauterkrankungen bei Kindern hängen überdurchschnittlich oft mit Viruserkrankungen zusammen. Die Hautreaktion ist dann ein Begleitsymptom – zum Beispiel Dreitagefieber, Hand-Fuß- Mund-Krankheit, Scharlach – und nicht gefährlich. Dennoch rät der Freiburger Kinderarzt und Allergologe Dr. Holger Meinicke, ein krankes Kind mit Fieber und einem Ausschlag immer in die Praxis zu bringen, um die Ursache abzuklären. Zum einen gibt es Krankheiten, die behandelt werden müssen, wie zum Beispiel Scharlach. Zum anderen sollten Virusinfekte wie Röteln oder Masern aus Gründen des Gesundheitsschutzes nicht übersehen werden. Außerdem kann es hier schwere Verläufe geben, weshalb ein erkranktes Kind unter ärztlicher Beobachtung stehen sollte. Hautausschläge in Folge von Virusinfekten können nicht behandelt werden und gehen wieder vorbei. Hilfreich ist es, wenn Eltern den Verlauf beobachten, zum Beispiel, wo der Ausschlag zuerst aufgetreten ist. Das hilft dem Kinderarzt bei der Diagnose.
Neben den akut ungefährlichen Hautausschlägen kann ein Ausschlag in sehr seltenen Fällen auch Symptom einer lebensbedrohenden Erkrankung sein, zum Beispiel einer Meningokokken- Infektion. In diesem Fall ist eine sofortige Behandlung des Patienten dringend notwendig. Um die Erkrankung auszuschließen, untersucht der Freiburger Kinderarzt bei seinen Patienten mit Fieber ohne andere klare Ursache grundsätzlich die Haut am gesamten Körper.
Eine heftige Hautreaktion, von der Kinder ebenfalls betroffen sein können, ist eine Nesselsucht. Die Haut ist bedeckt von Rötungen und Quaddeln, die stark jucken können. Die Nesselsucht ist eine unspezifische Reaktion der Haut, die auch in Folge von Virusinfekten auftreten kann und dann harmlos ist. Sie kann aber auch eine allergische Reaktion sein und damit ein Warnsignal, so Kinderarzt Dr. Meinicke, auf das man reagieren muss. Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern beobachten, in welchem zeitlichen Zusammenhang die Nesselsucht steht. Tritt sie zum Beispiel bei einem Kleinkind nach der Einführung eines bestimmten Lebensmittels auf, etwa Kuhmilch, kann eine Allergie vorliegen (siehe Interview).

Chronische Erkrankungen

Einige Kinder leiden unter chronischen Hautproblemen, wozu die Neurodermitis und viel seltener die Schuppenflechte zählen. Die beiden Erkrankungen haben unterschiedliche Ursachen und werden unterschiedlich behandelt, eine Abgrenzung ist also auch hier wichtig. Auch Pilzerkrankungen der Haut können chronisch auftreten, sie fangen meistens klein an und weiten sich dann aus.
Warzen sind ebenfalls ein häufiges Hautproblem, das überwiegend im Kindesalter vorkommt und harmlos ist, aber sehr lästig werden kann. Typisch sind Dellwarzen, die am ganzen Körper entstehen können. Hier gilt: Die Warzen gehen zwar irgendwann von alleine wieder weg, betroffene Kinder dürfen aufgrund der Ansteckungsgefahr jedoch nicht ins Schwimmbad, weshalb eine Behandlung geboten sein kann. Die tiefer gehenden Dornwarzen, zum Beispiel am Fuß, sollten laut Dr. Meinicke dann behandelt werden, wenn sie sehr groß werden oder gar schmerzen.
Eine sehr charakteristische Hautreaktion, auf die Eltern unbedingt aufmerksam werden sollten, verursacht die Borreliose. Auch wenn Eltern sich an einen Zeckenbiss nicht erinnern, sollten sie mit ihrem Kind unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn seine Haut die typische ringförmige, schießscheibenartige Rötung aufweist. Eine Borreliose kann sehr schwer verlaufen und muss antibiotisch behandelt werden.  

Hautausschläge und Allergien

kizz sprach mit dem Freiburger Kinderarzt und Allergologen Dr. Holger Meinicke

Herr Dr. Meinicke, wann kann hinter einem Ausschlag eine Allergie stecken?
Grundsätzlich besteht der Verdacht auf eine Allergie dann, wenn eine Hautreaktion in zeitlichem Zusammenhang zu einem anderen Ereignis steht. Zum Beispiel, wenn ein Kind nach dem Konsum von Milch einen Ausschlag bekommt oder beim Spielen im Gras Heuschnupfenbeschwerden. Dabei gilt das „Alles-oder-Nichts- Prinzip“: Ein Kind kann nicht mal allergisch gegen Milch sein und mal nicht. Eine allergische Reaktion erfolgt nach Kontakt mit dem Allergen nahezu immer, auch bei winzigen Mengen. Sonst handelt es sich nicht um eine Allergie.

Wann ist also ein Allergietest sinnvoll?
Manchmal wollen Eltern einen Test einfach mal so durchführen lassen. Wenn keine Reaktion im Zusammenhang mit einem möglichen Allergen vorliegt, ist das jedoch nicht sinnvoll. Der sogenannte Allergietest, sei es im Blut oder als Hautpricktest, kann das Vorhandensein eines spezifischen Antikörpers im Blut nachweisen. Das bedeutet jedoch noch nicht automatisch, dass eine Allergie vorliegt, es kann sich auch nur um eine Sensibilisierung handeln. Ein Beispiel: Fast jeder Katzenbesitzer bildet Antikörper gegen Katzen. Eine Katzenallergie hat er jedoch nur, wenn er beim Kontakt mit Katzenhaaren auch Niesanfälle oder Atemnot bekommt.

Bei welchen Kindern führen Sie Allergietests durch?
Wenn ein Kind ein akutes Symptom passend zu einem Allergenkontakt zeigt, sei es ein Nahrungsmittel oder zum Beispiel Pollen. Oder wenn ein Kind seit mehreren Jahren an Neurodermitis oder Asthma leidet. Dann machen wir einen Test, da Neurodermitis und Asthma tatsächlich häufiger mit Allergien einhergehen.

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