Hilfe bei MittelohrentzündungenMein Ohr tut weh

Leidet ein Kind immer wieder an Mittelohrentzündungen, stecken oft Polypen und ein Paukenerguss dahinter

"Aua, mein Ohr!" Mittelohrentzündungen sind gar nicht so selten bei Kindern© SolStock - Getty images

Erst ist es nur ein banaler Schnupfen, doch dann kommen heftige, stechende oder klopfende Ohrenschmerzen hinzu. Oft haben Kinder bei einer akuten Mittelohrentzündung auch Fieber, sind appetitlos und fühlen sich allgemein nicht wohl. Manche Babys und Kleinkinder fassen sich immer wieder ans Ohr, bei anderen hingegen tut mehr der Bauch weh.

Dass Kinder relativ oft von Mittelohrentzündungen betroffen sind, hängt mit ihrem noch nicht ausgereiften Immunsystem, häufi gen Infekten und dem noch kleinen Ohren-Rachen-Bereich zusammen. Das Mittelohr, das hinter dem Trommelfell liegt, wird über die sogenannte Ohrtrompete, einem Verbindungsgang zwischen Rachenraum und Mittelohr (auch Paukenhöhle genannt), belüftet. Weil die Ohrtrompete bei Kindern noch sehr kurz ist, können Viren und Bakterien bei einer Erkältung leicht ins Mittelohr wandern und dort eine Entzündung verursachen. Dann schwillt die Schleimhaut im Mittelohr und in der Ohrtrompete an und es bildet sich Sekret (Paukenerguss). Da die Ohrtrompete bei Kindern noch recht eng ist, ist sie durch die Schleimhautschwellung schnell komplett verstopft. Das Sekret aus dem Mittelohr kann nicht abfließen und drückt gegen das entzündete Trommelfell – das Ohr schmerzt. Manchmal reißt das Trommelfell ein und das Sekret entleert sich (das Ohr „läuft“), wodurch sich die Ohrenschmerzen schlagartig bessern. Das verletzte Trommelfell wächst innerhalb weniger Wochen wieder zu. Die Mittelohrentzündung heilt bei der Mehrzahl der Kinder aus, etwa 25 Prozent der Kleinkinder erkranken jedoch mehrfach.

Eine vergrößerte Rachenmandel erhöht das Risiko

Bei Klein- und Kindergartenkindern ist die Öffnung der Ohrtrompete nicht selten durch eine Wucherung der Rachen mandel (auch Polypen genannt) verstopft. Betroffene Kinder atmen ständig durch den Mund, weil die Luftzufuhr durch die Nase behindert ist; sie schnarchen und hören oft auch schlecht. Durch die Polypen sammelt sich ebenfalls Sekret im Mittelohr an, ein chronischer Paukenerguss entsteht. Das zähe Sekret, das nicht abfl ießen kann, ist ein idealer Nährboden für Keime, sodass immer wieder Mittelohrentzündungen auftreten. Bei diesem chronischen Pauken erguss führt das schlechte Hören manchmal auch zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung. Allergien und Passivrauchen begünstigen ebenfalls Mittelohrentzündungen.

Immer sofort zum Kinderarzt

Um den Verdacht einer Mittelohrentzündung zu bestätigen oder auszuschließen, muss der Arzt das Trommelfell Ihres Kindes mit dem sogenannten Otoskop, einem beleuchteten Ohrenspiegel mit Lupe, inspizieren. Bei leichten Formen der Mittelohrentzündung, wenn Ihr Kind nur mäßige Schmerzen hat, es weder hoch fi ebert noch die Nahrung verweigert, kann auf ein Antibiotikum verzichtet werden. Die meisten Mittelohrentzündungen klingen von selbst nach zwei bis drei Tagen ab. Hat sich der Zustand Ihres Kindes bis dahin nicht verbessert oder hat Ihr Kleinkind hohes Fieber, ist eine antibiotische Behandlung zu empfehlen.

Selten greift die Mittelohrentzündung auf den Schädelknochen hinter dem Ohr über und es entwickelt sich dort eine Entzündung (Mastoiditis). Dann verschlimmern sich die Ohren schmerzen, das Fieber steigt wieder an. Oft ist eine Rötung und Schwellung hinter dem Ohr zu sehen, das Ohr steht eventuell ab. Im schlimmsten Fall kann sich eine Hirnhautentzündung entwickeln, die sich durch anhaltend hohes Fieber, eine zunehmende Schläfrigkeit sowie Nackensteifheit zeigt. In diesen Fällen muss Ihr Kind sofort ins Krankenhaus!

Sowohl bei einer Mittelohrentzündung als auch bei einem Paukenerguss bekommt Ihr Kind wie bei einem Schnupfen abschwellende Nasentropfen verordnet. Diese sollen bewirken, dass die Schleimhaut in der Ohrtrompete abschwillt und das Sekret aus dem Mittelohr abfließen kann. Ohrentropfen sind hingegen wirkungslos, da sie das Trommelfell nicht durchdringen und somit nicht ins Mittelohr gelangen. Zusätzlich können Hausmittel wie beispielsweise ein Zwiebelsäckchen oder homöopathische Arzneien die Schmerzen lindern. Oft ist aber die Gabe eines stärkeren Schmerzmittels nötig.

Bei einem chronischen Paukenerguss, der sich durch abschwellende und schleimlösende Maßnahmen nicht bessert, wird der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Paukenröhrchen empfehlen. Diese werden durch einen kleinen Schnitt ins Trommelfell eingelegt (unter Narkose) und verbessern die Belüftung im Mittelohr. Verstopft eine vergrößerte Rachenmandel die Ohrtrompete, muss diese operativ entfernt werden.

kizz Tipp

Mittelohrentzündung vorbeugen

Lassen Sie Ihr Kind rauchfrei aufwachsen.

Geben Sie Ihrem Kind den Schnuller möglichst nur zum Schlafen und gewöhnen Sie ihn früh ab.

Ihr Kind sollte nicht mit feuchten Haaren ins Freie gehen und bei Kälte nicht ohne Stirnband oder Mütze das Haus verlassen.

Lassen Sie Ihr Kind bei Schnupfen die Nase hochziehen, denn beim Schnäuzen besteht die Gefahr, dass Keime durch die Ohrtrompete ins Mittelohr gedrückt werden.

Bei wiederholten Mittelohrentzündungen sind Impfungen gegen Pneumokokken, Grippeviren und Haemophilus influenzae Typ B (HiB) sinnvoll.

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