Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte kommunizieren nicht auf Augenhöhe

Frage: „Leider haben wir oft das Gefühl, dass der Austausch mit den Lehrkräften nicht auf Augenhöhe stattfindet. Unsere Einschätzungen werden weder berücksichtigt noch ernst genommen. Was können wir tun?“ Lennard Göbel (pädagogische Fachkraft in einer offenen Ganztagsschule)

Antwort von der Expertin

In der Ausbildung von pädagogischen Fach- und Lehrkräften sowie bei den Übergängen zwischen den Bildungssystemen „Schule“ und „Schulkindbetreuung“ gibt es seit jeher „Brüche“. Grund dafür ist das unterschiedliche Verständnis der Institutionen über Kinder und deren Entwicklung: Der außerschulische Bereich sieht Kinder ganzheitlich und definiert seine Aufgabe im sozial-emotionalen Bereich. Die Schule kann einem ganzheitlichen Ansatz strukturell bedingt nur teilweise nachkommen. In der Schulkindbetreuung bzw. im Hort gibt es kein Leistungsziel, das die Kinder erreichen und eine Lehrkraft bewerten muss. Vielmehr ist die Gemeinschaft ohne starre Strukturen wesentlich. Das bedeutet Freiraum,

  • um sich zu erholen,
  • um zu spielen,
  • um Hobbys nachzugehen und
  • um sportlich aktiv zu sein.

Zusammengefasst: Kinder können eigenverantwortlich und individuell ihre Freizeit gestalten, ganz ohne Leistungsdruck. Innerhalb dieser Gemeinschaft eröffnen sich Kindern individuelle Chancen. Daraus resultiert eine ganz andere, bedürfnisorientiere Form von Lernen. Die Struktur von Lehrplänen und die Leistungserwartung – insbesondere von Eltern – hingegen, ist schwer zu durchbrechen. Es kommt auch nicht selten vor, dass die Institution Schule oder das Elternhaus in der Schulkindbetreuung bzw. im Hort eine Art Nachhilfeinstitut sehen. Die Kinder sollen dann dort vervollständigen, was sie im Unterricht nicht geschafft haben. Dieses Problem ist nicht das Problem der Kinder, sondern ein strukturelles. Vielmehr sollte die Schule als Institution so gut sein, dass Kinder in einer gewissen Zeit ihre Hausaufgaben selbstständig erledigen. Diese Rahmenbedingungen bedürfen einer gründlichen Überprüfung. Wünschenswert wären je nach den Bedarfslagen der Kinder kleinere Klassen und mehr sozialpädagogische Elemente im Unterricht. Dies ist allerdings ein bildungspolitisches Problem, das sich vielleicht durch den Druck von unten nach oben löst.

Zurück Ihrer Frage: Ermöglichen Sie den jeweiligen Lehrer(inne)n zu erkennen, dass Schulkindbetreuung/Hort einen eigenen Lebensraum darstellt und dort (sozial-)pädagogische Fachkräfte arbeiten, die ihnen weder untergeordnet noch weisungsgebunden sind. Was Sie tun können? Laden Sie die Lehrer/-innen zur Hospitation ein. Im Rahmen von Fortbildungen habe ich immer wieder festgestellt, dass Lehrer/-innen anders und v.a. andere Dinge beobachten. Häufig kritisieren sie auch das Verhalten der pädagogischen Fachkräfte. Elementar-/Sozialpädagogik und Schulpädagogik unterscheiden sich deutlich und es gilt, dies durch ein gegenseitiges Verständnis zu überwinden. Auch die Institution Schule hat erzieherische Aufgaben zu erfüllen und sollte deshalb ihr Ohr für die Sozialpädagogik schärfen, um mit Ihnen gemeinsam zum Wohle der Kinder und Familien zu arbeiten.

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