Die pädagogische Leitung bevorzugt andere Kolleg(inn)en

FRAGE AUS DER SCHULKINDBETREUUNG:

„Ich habe das Gefühl, dass unsere pädagogische Leitung einige meiner Kolleg(inn)en bei der Planung des Tagesablaufs bevorzugt. Manche von ihnen kennen sich schon jahrelang. Ich traue mich nicht, die Situation an zusprechen. Wie gehe ich damit um?“
Lydia Bornmann (Erzieherin in der Schulkindbetreuung einer Grundschule)

ANTWORT DES EXPERTEN:

Hinter Ihrem Gefühl verbirgt sich etwas, was neuen Mitarbeitenden in etablierten Teams öfter begegnet: Kolleg(inn)en, die sich seit Langem kennen, zusammenarbeiten und sich schätzen. Dies mag sich für Sie als neue Mitarbeitende wie eine Mauer anfühlen, die Sie zu überwinden haben, um dazuzugehören. Eigentlich ist Ihre Frage ganz einfach zu beantworten: Seien Sie mutig, sprechen Sie Ihr gefühltes Problem an. Ansonsten bleibt es vielleicht dauerhaft dabei oder es verschlimmert sich sogar.
Vielleicht hilft es Ihnen, die Perspektive zu wechseln und eine Problemlösung aus Sicht Ihrer Leitung gedanklich durchzuspielen. Ggf. gibt Ihnen dieses Gedankenspiel Hinweise darauf, was Sie selbst in Ihrem Team unternehmen könnten: Es ist die Aufgabe Ihrer Einrichtungsleitung, ihr Team zu führen, Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und die teaminterne Zusammenarbeit zu fördern. Sozialpädagogin und Coach Ulrike Glöckner (2019) spricht dabei von Personalpflege: Durch Feedbacks und individuelle Gespräche erkennt Ihre Einrichtungsleitung, in welchen Bereichen ihr Team fachliche oder persönliche Unterstützung benötigt. Die Personalpflege hat das Ziel, Ihre Zufriedenheit, Gesundheit und damit auch Ihre Arbeitsmotivation zu erhalten. Es ist Ihrer Leitung daher wichtig, dass Sie sich wohlfühlen, denn schließlich geht es im Endeffekt darum, den Kindern durch Ihre pädagogische Arbeit eine bedürfnisgerechte Entwicklungsbegleitung zu gewährleisten. Bestenfalls bietet sie oder er Ihnen regelmäßige Feedbackgespräche an, um Sie in der Einarbeitung zu begleiten. Ist dies nicht der Fall, bitten Sie darum und nutzen Sie dieses Gespräch, um Ihr Problem anzusprechen.

  • Schlagen Sie Ihrer pädagogischen Leitung bspw. vor, dass diese Ihnen eine/-n Mentor/-in für Ihre Einarbeitung zur Seite stellt. Diese/-r begleitet Sie anfänglich, erklärt Ihnen konkrete Arbeitsabläufe und öffnet Ihnen (idealerweise) die „Zutrittstür“ zum Team.
  • Ggf. lassen Sie sich zusätzlich den Arbeitsplan von Ihrer Leitung erläutern. Dadurch stellen Sie möglicherweise fest, dass Ihr Problem vielmehr ein gefühltes als ein reales ist.
  • Eine weitere Lösungsmöglichkeit bieten Supervisionen: Eine solche Gesprächsrunde, begleitet und moderiert durch eine/-n fachlich ausgebildete/-n Supervisor/-in, bietet allen Beteiligten die Möglichkeit, Themen abseits der Tagesordnung anzusprechen und einen Lösungsweg zu erarbeiten. Finden innerhalb Ihres Teams Supervisionen statt? Sprechen Sie Ihre pädagogische Leitung darauf an.

Darüber hinaus bleibt Ihnen natürlich noch der informelle Weg, der in der aktuellen Coronakrise nur schwer möglich ist: Mit den Kolleg(inn)en außerhalb der Dienstzeit, an pädagogischen Tagen, Betriebsausflügen o. Ä. ins Gespräch kommen und sich gegenseitig kennenlernen. Bleibt ihr Gefühl der Benachteiligung durch Ihre Leitung trotzdem bestehen, suchen Sie (als letzte Möglichkeit) das Gespräch mit Ihrem Träger.

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