Wirtschaft und KircheFassaden

Große Worte, nichts dahinter? Wie man das Blendwerk im Alltag durchschaut und warum man oft mehr auf die Schweigsamen hören sollte.

Wie stark ist die Wirtschaft wirklich? Fachleute sind erstaunt, wie schnell sich die Aktienkurse führender Industrie- und Handelskonzerne nach dem panikartigen Einbruch zu Beginn der Corona-Krise erholt haben. Die spekulative Kraft der Finanzwirtschaft hat sich anscheinend schon weit von der Realökonomie abgekoppelt und eine Fassade von Stärke ohne entsprechende Substanz aufgebaut. Ist es beim gigantischen Schuldenmachen zur Neubelebung der Wirtschaft mit virtuellem Geld, das faktisch keiner hat, ähnlich?

Auch die Großmächte spiegeln uns durch ihre politischen Protagonisten vor, wie großartig, wunderbar, überlegen sie seien. Ob Trump, Putin oder Xi – sie klotzen mit Masse, vor allem massenhaft Rhetorik. Alles Fake? Wieviel geistige, kulturelle Substanz steckt tatsächlich in Amerika, Russland, China? Die Fassaden der Massen-Unterhaltungskultur glänzen ähnlich mit Dauer-Ablenkung, mit Nichtigkeiten über Nichtigkeiten. Blendwerk, alles Blendwerk würde der alttestamentliche Prediger sagen.

Und die Kirche? Wieviel Christusglauben-Substanz steckt in ihrem gesellschaftlich und staatlich angeblich „systemrelevanten“ Wirken, das die Verlautbarungen aufgeblähter Öffentlichkeitsarbeit propagandistisch und phrasenhaft befeuern (müssen)? Wieviel auch intellektuelle Geisteskraft zeigt die Lehrautorität? Die gesetzgeberischen und judikativen Entscheidungen sprechen jedenfalls eine andere Sprache zur Relevanz der Religion für das öffentliche Leben, wie man unter anderem an den Trends zur Tötung auf Verlangen ablesen kann. Die Verhältnisse sind nicht so, wie die Fassaden der Schönwetter-Kirchenrede nahelegen.

Der Geist des Christseins hat am nachhaltigsten fassadenlos gewirkt, im Stillen, Insgeheimen, Innerlichen, Untergründigen. Dort wirkt er immer noch. Ganz ohne Großtönerei, ohne hyperinstitutionell abgesicherten Überbau leben diesen Geist weiterhin die Nachdenklichen, die kein Aufhebens machen um ihre Christusnachfolge, oft funktionslos und funktionärslos. Schon Jesus hatte ja das Fassadenhafte durchschaut: etwa in seiner Warnrede vor den Schriftgelehrten und Reichen, die sich wichtig machen, wohingegen die arme Witwe mit ihren zwei kleinen Münzen in den Opferkasten ihren ganzen Lebensunterhalt hergibt für die Anderen und für Gott. Oder beim Zöllner, der im Tempel nicht einmal wagt, die Augen zum Himmel zu erheben, während er um Barmherzigkeit für seine Sünden betet, wohingegen der Pharisäer sich seiner Leistungen rühmt. Auch weiterhin sind es wohl eher die Schweigsamen, die stillen Beter, deren geistige Substanz die großtönende Fassadenheiligkeit der Welt in den Schatten stellt.

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