Alternativen zum ReligionsunterrichtEine humanistische Hochschule für Berlin?

Mitglieder des „Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg“ wollen eine eigene Hochschule erhalten, nach dem Vorbild der akademischen kirchlichen Lehreinrichtungen.

In Berlin gibt es für die Schulklassen sieben bis zehn an weiterführenden Schulen das verpflichtende Fach Ethik. Der konfessionell erteilte Religionsunterricht hingegen kann freiwillig zusätzlich gewählt werden – alternativ auch ein rein säkularer Weltanschauungsunterricht. Vom „Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg“ wird ein solcher Unterricht als „Lebenskunde“ organisiert. Was macht diesen aus? Verbandsmitglieder beschreiben ihn so: Es gehe „um die tieferen Fragen des Lebens, nach ethischer Orientierung und Sinngebung. Kriterien dafür sind die Werte der Selbstbestimmung, der Verantwortung und der Solidarität“. Der Zusatz, das alles geschehe „aus einer rein ,diesseitigen‘ Sichtweise“, lässt erkennen, dass hier in bewusster Distanz zu religiösen Perspektiven erzogen wird.

Die Zahlen für das weltanschauliche Fach „Lebenskunde“ steigen schon länger. In einem Beitrag für den „Tagesspiegel“ sagen Mitglieder des Humanistenverbands, dass die Nachfrage für ihren Lebenskunde-Unterricht in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel zugenommen habe auf inzwischen 66000 Schüler. Diese Zahl schließt den entsprechenden Unterricht an Grundschulen mit ein. Hier wird Ethik nicht als Pflichtfach unterrichtet, aber die Fächer Religion oder „Lebenskunde“ können ebenfalls freiwillig gewählt werden. Damit ist der „Humanistische Verband“ laut Selbstauskunft an den Grundschulen Berlins der größte Anbieter im Bereich der freiwilligen Fächer. Bezieht man alle Schulen ein, liegt der Religionsunterricht jedoch vorn. Die Berliner Senatsverwaltung meldete für das vergangene Schuljahr knapp 77000 Schüler für das Fach „evangelische Religion“. Katholische Religionslehre erhalten demnach rund 23000 Schüler.

In dem werbenden Beitrag des „Tagesspiegel“ fordern die Mitglieder des „Humanistischen Verbands“ Swen Schulz, Mark Rackles und Bruno Osuch nun eine eigene Fachhochschule, um neues Personal akademisch auszubilden. „Zu den Studiengängen in der Lehrkräfte- und Erzieherausbildung sollen perspektivisch weitere ,Lebenswissenschaften‘ hinzukommen“, heißt es. Die Autoren verweisen auch auf andere soziale Projekte des Humanistenverbands: fünf Hospize und Einrichtungen für Jugendliche sowie Senioren. Nach eigener Angabe betreiben sie zudem bereits 25 Kindergärten. Insgesamt beschäftige der „Humanistische Verband Berlin-Brandenburg“ mehr als 1400 Personen. Vor zwei Jahren wurde ihm der Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts zugebilligt.

Die Humanisten-Hochschule solle nach kirchlichem Vorbild finanziert werden, also mit staatlichen Zuschüssen. Der Verband beklagt eine bisherige Benachteiligung, ein Ungleichgewicht: Weniger als ein Viertel der Berliner bekenne sich zum Christentum. Zudem hatte eine Umfrage des Allensbach-Instituts ergeben, dass drei Viertel der Hauptstadt-Bewohner der Aussage zustimmen: „Ich führe ein selbstbestimmtes Leben, das auf ethischen und moralischen Grundüberzeugungen beruht und frei ist von Religion und Glauben an einen Gott.“ Auch nähmen „schon seit Jahren“ mehr junge Menschen an humanistischen Jugendfeiern teil als an der christlichen Firmung beziehungsweise Konfirmation. Dessen ungeachtet gebe es an der Humboldt-Universität „inzwischen gut zwanzig Lehrstühle für evangelische, katholische, muslimische Theologie, an denen auch Lehrkräfte ausgebildet werden“, sagen die Autoren und leiten daraus ihre Argumente für eine eigene akademische Ausbildungsstätte ab. jmie

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