BrasilienEin „Wieder-Täufer“ unter Korruptionsverdacht

Präsident, Geistlicher und Krimineller? Everaldo Dias Pereira gerät unter Beschuss.

Der Präsident der brasilianischen Sozial-Christlichen Partei PSC (Partido Social Cristão) und evangelikale Pastor der Pfingstkirche Assembleia de Deus (Versammlung von Gott) Everaldo Dias Pereira ist wegen Korruptionsverdachts in Rio de Janeiro verhaftet worden. Die Bestechung diente dazu, bestimmte technische Ausrüstungen gegen die Corona-Seuche für Rios Krankenhäuser zu beschaffen. Zusammen mit Pereira wurden sechs weitere Personen wegen Korruption im Gesundheitswesen festgenommen. Zudem soll Rios Gouverneur Wilson Witzel über das Anwaltsbüro seiner Frau 100000 Euro Schmiergeld erhalten haben. Der Oberste Justizgerichtshof setzte den Gouverneur für 120 Tage ab. Gegen ihn läuft wegen eines weiteren Skandals im Kontext der Corona-Seuche bereits ein Amtsenthebungsverfahren.

Everaldo Dias Pereira soll eine führende Rolle in der Korruptionsaffäre gespielt haben. Seit zwei Jahrzehnten mischt er in Rios Lokalpolitik mit. Gefolgsleute hat er über seinen Parteikollegen Witzel außerdem in strategische Positionen der bundesstaatlichen Behörden gebracht. Der extrem rechtsnational eingestellte Pastor hatte 2016 den heutigen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro, damals noch Abgeordneter im Kongress, auf einer Reise nach Israel begleitet. Am selben Tag, an dem damals Brasiliens linke Staatspräsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben wurde, ließ sich Bolsonaro von Pereira im Jordan taufen.

Bolsonaro war zuvor in Pereiras PSC eingetreten, um für diese Partei bei den Präsidentschaftswahlen 2018 zu kandidieren. Grund der Wieder-Taufe war, den Katholiken Bolsonaro den wachsenden evangelikalen Wählerschichten nahezubringen. Bolsonaros dritte Ehefrau ist evangelikal orientiert, Bolsonaro selber wird jedoch als wenig religiös eingeschätzt. Die Jordan-Taufe wurde seinerzeit medial breit inszeniert. Offenbar mit Erfolg. Bolsonaro verdankt seinen Wahlsieg stark den evangelikalen Wählern. Seine Parteizugehörigkeit hatte er früher mehrfach gewechselt. Der Sozialchristlichen Partei gehört er seit 2019 nicht mehr an. Jetzt ist er Mitglied einer von ihm neu gegründeten politischen Allianz. Auch hat er sich inzwischen einer weiteren Pfingstkirche zugewandt.

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