Evangelischer Missbrauch, katholischer Streit ums Geld

Auch in der evangelischen Kirche hat es sexuelle Gewalt in verschiedenen Ausprägungen gegeben. Um diese Verbrechen aufzuarbeiten sowie sie in Zukunft möglichst zu verhindern, hat die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) soeben 1,3 Millionen Euro für das nächste Jahr bereitgestellt. Ohne weitere Untersuchung sind dem Beauftragtenrat bisher 770 Missbrauchsfälle bekannt, knapp 60 Prozent davon aus der Diakonie. Im Gegensatz zur katholischen Kirche hat sich die EKD gegen Entschädigungszahlungen für die Opfer ausgesprochen. „Entschädigung ist genau nicht, was wir als Institution leisten können“, sagte Nikolaus Blum, Mitglied des Beauftragtenrates. Die Forderung nach Zahlungen würde zu langfristigen Prozessen führen, die die Betroffenen überfordern könnten. Stattdessen sollen Missbrauchsopfer „so behutsam, unbürokratisch und schonend wie möglich“ unterstützt werden.

Auf katholischer Seite wird erneut diskutiert, mit welchem Geld Missbrauchsopfer zu entschädigen sind (vgl. CIG Nr. 40, S. 430). Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der auch Missbrauchsbeauftragter der deutschen Bischofskonferenz ist, sieht keine Alternative zur Zahlung aus Kirchensteuermitteln. Die Gläubigen seien als Solidargemeinschaft in der Pflicht – auch wenn es vielen widerstrebe, mit ihren Beiträgen für die Verfehlungen einzelner Geistlicher aufzukommen. Zwar sei es unstrittig, dass „immer zuerst der Täter, sofern er noch lebt, auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden muss“, so Ackermann. Bei verstorbenen Tätern sei dies aber nicht mehr möglich.

Die Reforminitiative „Maria 2.0“ hat dagegen erklärt, die Gläubigen dürften nicht für das Versagen der Bischöfe und ihrer leitenden Mitarbeiter in Haftung genommen werden: „Diese Idee der ‚Vergesellschaftung‘ von Wiedergutmachungen für begangene Verbrechen ist abstoßend.“ Als Erstes müssten noch lebende Täter und zweitens die Bischöfe als verantwortliche Dienstherren mit einem Teil ihres Gehaltes herangezogen werden. Nicht diskutiert wird bislang, ob die Priester aus ihren Gehältern einen Solidaritätsfonds für Opfer gründen.

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