SozialstaatWenn eine „Tafel“ in einen Notstand gerät

Bundesweite Schlagzeilen hatte die Entscheidung der Essener „Tafel“ hervorgerufen, bis auf weiteres nur noch Bedürftige mit deutschem Pass zuzulassen. Auch Angela Merkel hatte sich mit der Bemerkung eingemischt, es sei „nicht gut“, solche Einordnungen vorzunehmen. Nun soll an einem „runden Tisch“ nach Lösungen gesucht werden, damit die „Tafel“ ihre eigentliche Zielgruppe wieder besser erreicht.

Der Vorsitzende der „Tafel“, Jörg Sartor, verteidigte unterdessen erneut seine Entscheidung. Die Maßnahme habe nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Doch sei der Anteil der nichtdeutschen Kunden seit 2015 von 35 auf 75 Prozent gestiegen. Manche Bedürftigen hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt. Es sei teilweise auch „mangelnder Respekt gegenüber Frauen” beobachtet worden, so Sartor. „Wenn wir hier um 9 Uhr die Tür aufmachen, dann wird die Oma, die seit 7 Uhr da steht, weggeschubst“, erklärte er im „ARD-Morgenmagazin“.

Der Sozialverband Deutschland sieht hinter der Diskussion ein größeres Problem. Die Tafeln seien „Lückenbüßer“ dafür, dass staatliche Leistungen grundsätzlich nicht ausreichten.

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