IsraelSolange die Grabeskirche geschlossen blieb...

Fast drei Tage lang war die Jerusalemer Grabeskirche aus Protest geschlossen. Nach einer Intervention des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ist sie wieder geöffnet worden, weil eine Arbeitsgruppe eingesetzt wurde, die eine Lösung im vorausgegangenen Streit über die Besteuerung von Kirchenbesitz finden soll. Der Grund des Protests war eine „systematische und offensive Kampagne“ gegen Kirchen und Christen, wie in einer vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. öffentlich verlesenen Erklärung verlautbart worden war. Zu den Unterzeichnern gehören neben dem Patriarchen der Franziskanerobere Francesco Patton sowie der armenische Patriarch Nourhan Manougian.

Die Stadtverwaltung möchte die Kirchen zur Zahlung einer Grundsteuer verpflichten. Die Kirchen lehnen das ab mit Hinweis auf den sogenannten Status quo, der bisher rechtlich gilt. Darin wird international geregelt, dass Immobilien in Kirchenbesitz – das griechisch-orthodoxe Patriarchat zählt zu den größten Immobilienbesitzern in der Jerusalemer Altstadt – nicht besteuert werden. Zuvor hatte ein Ausschuss des Parlaments ein Gesetzesvorhaben diskutiert, das die Verstaatlichung privat genutzten kirchlichen Grundbesitzes unter bestimmten Bedingungen ermöglichen soll.

Der evangelische Propst im Heiligen Land, Wolfgang Schmidt, zeigte Verständnis für die ungewöhnliche Schließung der Grabeskirche, das wichtigste christliche Heiligtum der Stadt. „Die Zahl der Christen in der Heimat Jesu geht seit Jahren zurück. Von den Vorhaben der Behörden geht ein verheerendes Signal aus.“ Der christliche Protest wird auch von Kadi Wasif al-Barki, dem Vorsitzenden des obersten islamischen Gerichts in Jerusalem, unterstützt. Indes haben Israels Regierung und Bürgermeister Nir Barkat angekündigt, einen Kompromiss im Konflikt suchen zu wollen.

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