UngarnSchande oder Vorsicht?

Das Schweigen der katholischen Kirche Ungarns zur abweisenden Flüchtlingspolitik der eigenen Regierung hat der Leiter des Budapester Zentrums für Euro-Atlantische Integration und Demokratie, Daniel Bartha, als „Schande“ bezeichnet. Der Katholischen Nachrichten-Agentur erklärte er: „Nur ein oder zwei einflussreiche Geistliche sind für mehr Menschlichkeit aufgestanden. Der Rest hüllte sich in Schweigen. Oder noch schlimmer: sprach auch schlecht über Migranten.“ Kaum ein Vertreter der katholischen Amtskirche habe den Mut, falsche Regierungsaussagen über die Flüchtlinge zu korrigieren. Den Papst mit seiner offenen Haltung gegenüber Migranten hätten einige gar als „irre“ bezeichnet. Bartha vermutet, dass das Schweigen der Kirche damit zusammenhänge, dass sie vom Staat finanziell mit Millionensummen unterstützt werde.

Die Flüchtlingsproblematik, insbesondere die islamische Zuwanderung, beurteilt Ungarns Botschafter beim Heiligen Stuhl, Eduard Habsburg-Lothringen, aus historischer Sicht völlig anders. „150 Jahre lang waren wir Teil des Osmanischen Reiches. In der kollektiven Erinnerung gibt es also traumatische Erfahrung mit dem Islam“, sagte der Diplomat im Nachrichtenportal „Vatican News“. Die negativen historischen Geschehnisse seien ein entscheidender Grund für die „Nervosität der Ungarn beim Gedanken daran, tausende muslimische Migranten aufzunehmen“.

Zudem reagiere man empfindlich auf die Anweisungen anderer EU-Länder, mehr Migranten aufzunehmen. Die Weigerung gründe auch in der Fremdbesetzung des Landes durch den von der Sowjetunion angeführten Warschauer Pakt bis 1989. „Wenn seitdem uns jemand von außen sagt, was wir machen sollen, dann gehen instinktiv erst mal die Fäuste hoch. Das ist unser nationaler Instinkt.“ Dass die Budapester Regierung obendrein versuche, christliche Werte zu verteidigen, löse wiederum in einer christentum- beziehungsweise kirchenskeptisch eingestellten westlichen Bevölkerung „durchaus Nervosität und Bauchweh aus“.

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