ErfahrungsberichtErschwerte Eingewöhnung in Corona-Zeiten

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das Verhalten von Kleinstkindern während der Eingewöhnung haben kann, schildert die Erzieherin Katja Kozel.

Erschwerte Eingewöhnung in Corona-Zeiten
© Harald Neumann

Wie alle Kindertageseinrichtungen waren auch wir ab Mitte März 2020 von der coronabedingten Schließung betroffen. Erst Anfang September 2020 konnten wir wieder damit beginnen, neue Krippenkinder aufzunehmen. Seither haben wir vier Kinder im Alter von 11 bis 16 Monate eingewöhnt. Schon am Schnuppertag – während des Ausfüllens unseres Kennenlern-Fragebogens durch die Eltern – wurde klar, dass sich für die Kinder in den vergangenen Monaten etwas verändert hatte. Auf die Frage, ob ihr Kind bereits Erfahrung mit Krabbelgruppen, Spielgruppen oder Fremdbetreuung habe, erhielten wir häufig die Antwort: „Nein, das war wegen Corona ja nicht möglich.“ Dies spiegelte sich dann auch im Verhalten der neuen Kinder wider: Sie waren sehr geräuschempfindlich und auch das Spielen auf dem Boden, umgeben von mehreren anderen Kindern, überforderte sie auffallend schnell. Sie suchten stets den Kontakt zu ihrer Bezugsperson und erkundeten viel seltener neugierig den Gruppenraum, so wie wir es sonst häufig erleben.

Fehlende Kontakte

In Gesprächen mit Eltern erfuhren wir, dass die meisten Kinder daran gewöhnt waren, mit der Mutter allein zu Hause zu sein. Nur wenige von ihnen hatten Kontakt zu Gleichaltrigen. Normalerweise haben die meisten Kinder, die zu uns in die Krippe kommen, Erfahrungen in Krabbelgruppen gesammelt; dort gewöhnen sie sich daran, mit gleichaltrigen Kindern in einem Raum zu sein. Doch auf diese Erfahrung können Kinder derzeit nicht zurückgreifen, was dazu führt, dass sie es nicht gewohnt sind, so viele Eindrücke auf einmal zu verarbeiten. Diese neue Erfahrung lässt die Kinder auch sehr schnell ermüden. Wir konnten beobachten, dass sich die meisten schon nach einer halben Stunde die Augen rieben und anfingen zu gähnen. Gleichzeitig war an Schlafen in einer neuen und unbekannten Umgebung natürlich noch nicht zu denken. Gut erkennbar wurde diese Reizüberflutung auch dadurch, dass die neuen Kinder an Tagen, an denen nicht alle Krippenkinder im Raum waren, besser mit der Situation umgehen konnten – es war ruhiger und der Raum war nicht so voll.
Generell waren die Kinder auf dem Schoß oder auf dem Arm einer Erzieherin entspannter, da sie das Spiel der anderen von oben aus einer anderen Perspektive betrachten konnten. Normalerweise ist das nicht so auffallend. Zudem fiel es den Kindern schwerer, sich von ihrer Bezugsperson zu trennen, was auch darin begründet sein kann, dass sie zuvor keine Trennungserfahrung gemacht haben.

Längere Eingewöhnung

Aus unserer langjährigen Erfahrung können wir sagen, dass es natürlich immer wieder Kinder gibt, denen es generell schwer fällt, sich in einer Krippengruppe einzufinden. Die Eingewöhnungen der vergangenen vier Monate dauerten jedoch auffällig lange. Die Kinder weinten mehr und benötigten mehr Zeit, bis sie sich wohlfühlten, sich von ihrer Bezugsperson lösen und eine sichere Bindung aufbauen konnten. Wir alle hoffen, dass es in Zukunft wieder möglich wird, dass Eltern ihr Kind durch die Teilnahme an Krabbelgruppen u. a. auf die Zeit in Krippe und Kindergarten vorzubereiten.

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