Aktuelle StudieWie geht es den Kitas?

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) und das Robert Koch-Institut (RKI) erforschen in der Corona-Kita-Studie die Rolle der Einrichtungen während der Pandemie.

Wie geht es den Kitas?
© DJI/Corona-KiTa-Studie

Mit dem Ausbruch des Coronavirus wurden Kindertageseinrichtungen in Deutschland vor große Herausforderungen gestellt. Wie genau diese aussehen, welchen Einfluss das Virus auf den Alltag der Einrichtungen und die Kitas auf den Verlauf der Pandemie haben, soll die Corona-KiTa-Studie klären. Sie ist in mehrere Module unterteilt und betrachtet die Situation sowohl aus sozialwissenschaftlicher als auch aus medizinisch-epidemiologischer Perspektive.

Zeit der Notbetreuung

Bereits Ende April startete das DJI eine nicht-repräsentative Pilotbefragung, für die 83 Kita-Leitungen in Deutschland telefonisch interviewt wurden. Der Schwerpunkt der Fragen lag auf der Phase der Notbetreuung zwischen Ende März und Ende April 2020. Die Ergebnisse zeigen, dass die Einrichtungen ihr Angebot gemessen an den Betreuungszeiten kaum reduziert hatten, dafür war rund ein Drittel weniger Personal vor Ort und nur ein Viertel der regulär betreuten Kinder kam regelmäßig weiter in die Kita. Nahezu alle befragten Einrichtungsleitungen hielten sich an die Vorgabe, die Kinder während der Notbetreuung in kleinen, voneinander getrennten Gruppen zu betreuen.

Distanz im Alltag nicht so einfach

68 von 83 Leitungen bestätigten, dass es innerhalb der Gruppen schwerfiel, Distanz- und Abstandsregeln einzuhalten. Bei den Krippenkindern wurde das bewusst nicht angestrebt, da es sie verängstigen würde, plötzlich nicht mehr auf den Arm zum Trösten oder auf den Schoß kommen zu dürfen. Aber auch ältere Kinder würden verunsichert, wenn man sie während des Spiels auf Abstandsregeln aufmerksam mache. Viele Kitas ließen Eltern ihre Kinder nur noch bis vor die Tür bringen und dort wieder abholen. Insbesondere bei den unter Dreijährigen gestaltete sich die Übergabe vor der Kita jedoch schwierig und häufig wurden daher bei den jüngsten Kindern vertraute Routinen aufrechterhalten, wenn nötig (z. B. Übergabe vom Arm der Eltern).
Insgesamt bereitete den Leitungen vor allem die Rückkehr zum Regelbetrieb mit noch nicht in der Praxis erprobten Schutzkonzepten und Hygieneauflagen Sorgen. Gleichzeitig waren Motivation und Engagement der Fachkräfte in dieser Phase besonders hoch. Weitere Ergebnisse sind im ersten Quartalsbericht vom August 2020 unter www.corona-kitastudie. de nachzulesen.

KiTa-Register entsteht

Die Pilotbefragung gab erste Hinweise für die Corona-KiTa-Studie. Wie die Pandemie die Arbeit in der Kindertagesbetreuung verändert und wie die Einrichtungen die Situation weiterhin managen, soll das KiTa-Register (s. INFO) zeigen. Dafür sind alle Kindertageseinrichtungen und Tagespflegepersonen in Deutschland aufgerufen, sich über Online-Erhebungen einmal pro Woche zur aktuellen Situation zu äußern. Abgefragt werden kurze, aber zurzeit hochrelevante Informationen: Gab es in der Kita in der letzten Woche COVID-19-Verdachts- oder bestätigte Infektionsfälle? Welche Schutz- und Hygienemaßnahmen wenden Sie zurzeit an? Und wie schwierig ist es, die bedarfsgerechte Betreuung zu gewährleisten?
Bis zum 22. Oktober 2020 haben sich rund 11.000 Kitas in das KiTa-Register eingetragen. Davon haben mehr als 7.500 Einrichtungen an der Erstbefragung teilgenommen. Das entspricht einer Registrierungsquote von knapp 20 % und einer Teilnahmequote von rund 14 % aller Kitas in Deutschland.
Bei den Kindertagespflegepersonen war die Bereitschaft zur Registrierung mit knapp 4 % (1.713 Kindertagespflegestellen) beziehungsweise zur Teilnahme mit 2 % (986 Kindertagespflegestellen) bislang deutlich niedriger. Basis der jüngsten Auswertungen waren die in den Kalenderwochen 33 bis 41 (11.08. – 11.10.2020) eingegangenen Rückmeldungen.
Drei von vier Kindern, die vor Ausbruch der Pandemie betreut wurden, waren im August und Anfang September in die Kitas zurückgekehrt. Nachdem bis Anfang Oktober in allen Bundesländern das neue Kita-Jahr begonnen hat, liegt der Anteil an betreuten Kindern mittlerweile sogar bei knapp 80 % oder höher. Dabei gab es in fast allen Bundesländern nur geringfügige Unterschiede der Betreuungsanteile zwischen Kindern im Alter von unter drei Jahren und Kindern ab drei Jahren. Auch die Kita-Schließungen hielten sich in Grenzen: Im Zeitraum von Mitte März bis 11. Oktober hatte maximal 1 % der teilnehmenden Einrichtungen eine infektionsbedingte Schließung gemeldet. In den Sommermonaten lag der Wert noch niedriger. Anfang Oktober stieg der Wert auf 1,5 % leicht an. Während zu Beginn der Pandemie Einrichtungsschließungen überwogen, wurden in den letzten Monaten häufiger nur einzelne Gruppen geschlossen.
Das pädagogische Personal konnte größtenteils wie gewohnt im Gruppendienst eingesetzt werden, lediglich 4 % arbeitete coronabedingt nicht unmittelbar mit den Kindern. Die Kitas wurden außerdem gebeten, die Schwierigkeit, die bedarfsgerechte Betreuung der Kinder zu gewährleisten, mithilfe einer Schulnotenskala zu bewerten. Die Einrichtungen hatten im August und den ersten Septemberwochen eher geringe Probleme und bewerteten die Schwierigkeit durchschnittlich mit 2,4 (s. INFO). 

INFO

Mitmachen beim KiTa-Register
Je mehr sich unter www.corona-kita-studie.de am KiTa-Register beteiligen und bei den Abfragen ihre Updates melden, desto aussagekräftiger ist das Bild, das die Studie von der Lage vor Ort zeichnen kann. Alle Kita- Leitungen und Tagespflegepersonen sind daher eingeladen, beim KiTa- Register der Corona-KiTa-Studie mitzumachen.

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