Im GesprächFortbildung in der Kindertagespflege

Kindertagespflegepersonen sind verpflichtet, regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen. Welche sinnvoll sind und wo mögliche Schwierigkeiten in der Umsetzung liegen, zeigt dieses exemplarische Gespräch zwischen Fachkraft und Fortbildnerin.

Fortbildung in der Kindertagespflege
© Harald Neumann

Für Kindertagespflegepersonen ist es oft eine Herausforderung, die verpflichtenden Fortbildungseinheiten in ihren Arbeitsalltag zu integrieren, während Fachberater sich gleichzeitig darum bemühen, sinnvolle und hilfreiche Weiterbildungen anzubieten. Katharina Naegele ist Fachberaterin und Leiterin des Familienzentrums Bensheim. Im folgenden Gespräch hat sie sich mit der Kindertagesfrau Katharina Klostermann aus Lorsch zum Thema Fortbildungsangebote ausgetauscht.

Katharina Naegele: Frau Klostermann, Sie haben seit fünf Jahren eine Kindertagespflegestelle in Lorsch in Hessen. In unserer Kommune hat die Kindertagespflege einen hohen Stellenwert. Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren Arbeitsplatz.

Katharina Klostermann: Unser Haus steht am Waldrand, das ist eine gute Bedingung dafür, ausgiebig in die Natur zu gehen. Kinder von ein bis drei Jahren werden von mir je nach Wunsch von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr an fünf Tagen in der Woche betreut. In familiärer Atmosphäre versuche ich, auf die individuellen Fähigkeiten und Interessen der Kinder einzugehen. So können sie das nötige Selbstbewusstsein erlangen, neue Entwicklungsschritte zu wagen.

Als Kindertagespflegeperson sind Sie in Hessen dazu verpflichtet, jährlich 20 Fortbildungseinheiten zu besuchen. Unser Familienzentrum bietet verschiedene Formen der Fortbildung wie Abendveranstaltungen zu einem bestimmten Thema oder Module nach dem Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan mit Experten wie Juristen, Psychologen oder Pädagogen an. Wie informieren Sie sich über unsere verschiedenen Angebote?

Ich werde Anfang des Jahres aktiv vom Familienzentrum über das Programm für Kindertagespflegepersonen informiert. Eine zweite Quelle ist das Jugendamt Heppenheim, das ein umfassendes Fortbildungsprogramm anbietet.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Fortbildungen aus?

Da ich den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sehr schätze, nutze ich jede Art von Vernetzungstreffen. Bei der themenbezogenen Fortbildung bevorzuge ich Angebote, die sich über mehrere Termine erstrecken, um intensiver in die Thematik einsteigen zu können. Das lässt sich terminlich allerdings häufig nicht so leicht mit meinem Privatleben vereinbaren. Aus diesem Grund besuche ich dann eben auch eintägige Fortbildungen. Das Problem dabei ist häufig, dass ich relativ wenig Neues erfahre, weil meist erst einmal die Grundlagen erarbeitet werden und in der Regel wenig Zeit für weiterführendes Wissen und Erfahrungsaustausch bleibt.

Fehlen Ihnen denn auch bestimmte Fortbildungsthemen?

Noch nicht. Aber ich arbeite erst seit 2016 als Kindertagespflegeperson. Für die Zukunft habe ich da schon meine Bedenken, ob ich immer etwas Anregendes für mich finden werde.

Sie haben ja auch die Möglichkeit, selbst Fortbildungsthemen anzuregen.

Ja, dazu wird man vom Familienzentrum Bensheim immer wieder aufgefordert. Meine Wünsche wurden auch schon umgesetzt.

Haben Sie bereits Themen und Inhalte aus Fortbildungen in Ihre tägliche Arbeit mit aufnehmen können? Wenn ja, welche?

Schwierige Frage, ich habe schon ganz konkrete Fälle im Rahmen einer Fortbildung besprochen und konnte viele Anregungen umsetzen. Aber häufig sind die Fortbildungen theoretischer aufgebaut, dann profitiere ich eher durch eine bewusstere Haltung oder einen neuen Blick auf das Thema.

Wie vereinbaren Sie die Fortbildungszeiten mit Ihren Betreuungszeiten?

Vertraglich stehen mir zwei Fortbildungstage zu, diese nutze ich in der Regel. Viele Angebote liegen abends oder samstags, so sind meine Betreuungszeiten nicht betroffen. Dazu gibt es die Vernetzungstreffen mit den Tageskindern.

Fühlen Sie sich durch die besuchten Fortbildungen ausreichend unterstützt in Ihrer täglichen Arbeit als Tagesmutter?

Auf jeden Fall fühle ich mich gut unterstützt. Gern hätte ich allerdings mehr Angebote, die in regelmäßigen Abständen und in festen Gruppen stattfinden. Davon erhoffe ich mir, dass man bei vielen relevanten Themen nicht immer wieder bei A anfängt, sondern von gemeinsamem Vorwissen ausgehen kann. Supervisionsangebote gibt es hier nur ab und zu. Das ist schade.

Vielen Dank für das Gespräch.

INFO

Fortbildungen in der Kindertagespflege

Fortbildungen sind bundesweit fester Bestandteil der Tätigkeit von Kindertagespflegepersonen. Unterschiedliche Regelungen der Länder und Kreise bzw. Kommunen bestimmen dabei die Art und den Umfang, in denen verschiedene Fortbildungseinheiten geleistet werden müssen. Dabei zeigen sich z. T. deutliche Unterschiede zwischen den versch. Bundesländern: In Bayern sind Kindertagespflegepersonen zu jährlich 15 Fortbildungsstunden verpflichtet, während in Hamburg nur 18 Unterrichtsstunden in zwei Kalenderjahren verlangt werden. Sachsen erwartet verpflichtend 20 Stunden pro Jahr – hier zählen auch Fallbesprechungen mit Experten oder Supervision als Fortbildung. In Nordrhein- Westfalen soll der jährliche Stundenumfang für zusätzliche Qualifizierungen bei mindestens 12 Stunden liegen, empfohlen werden jedoch 20 bis 24 Stunden. Die Teilnahme an Fortbildungen wird i. d. R. geprüft. In Hessen bspw. werden Nachweise über die absolvierten Fortbildungseinheiten beim zuständigen Fachdienst eingereicht; auf dieser Grundlage werden dann die Pflegeerlaubnis und die hessischen Landesgelder für die U3-Betreuung erteilt. Ein aktueller Erste- Hilfe-Kurs am Kind ist immer zusätzlich zu leisten.

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