Corona-KriseWir bleiben in Kontakt

Eine neue Studie zeigt: Die meisten Kitas und Tagespflegestellen standen Familien während des Lockdowns zur Seite. Dabei beschritten sie mitunter zukunftsweisende Wege der Zusammenarbeit …

Wir bleiben in Kontakt!
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Die Corona-Krise konfrontiert pädagogische Fachkräfte und Familien mit einer noch nie dagewesenen Situation. Seit Monaten stehen Erzieherinnen und Tagespflegepersonen u. a. vor der Herausforderung, den Bildungsauftrag trotz des eingeschränkten Betriebs weiterhin umzusetzen. Wie eine aktuelle Studie der Universität Bamberg (s. Kasten) ergab, spielen hierbei digitale Kommunikationswege, die in der Zusammenarbeit mit Eltern bislang eher selten genutzt wurden, eine zentrale Rolle. Die Untersuchung zeigt zudem, dass viele Einrichtungen früh erkannt haben, wie wichtig es ist, Familien in der schwierigen Zeit des Lockdowns zu unterstützen: Ein Großteil der Fachkräfte hielt in den letzten Monaten Kontakt zu Eltern und Kindern (81 %) jedoch nur etwas mehr als ein Drittel regelmäßig. Kindertagespflegepersonen waren und sind hier mit 96 % ein bisschen aktiver als Kita-Fachkräfte (80 %).
Die überwiegende Mehrheit nutzte digitale Kommunikationskanäle, um den Kontakt zu den Familien zu halten (76 %). Dabei zeigt die Befragung, dass Fachkräfte, je nach Betreuungssetting, unterschiedliche Präferenzen haben: Während das Kita-Personal eher per E-Mail kommuniziert, nutzen Tageseltern häufiger Messenger Dienste. Die schnellere und informellere Kommunikation per WhatsApp, Signal & Co. birgt vermutlich weniger Hemmschwellen als das Schreiben von E-Mails und führt damit zu einem häufigeren Kontakt zwischen Eltern und Fachkräften, so die Vermutung. Über den schriftlichen Austausch hinaus haben Einrichtungen aus beiden Settings gänzlich neue Wege der Kommunikation beschritten – vom digitalen Morgenkreis bis zu digitalen Elternsprechzeiten per Videokonferenz. Die Kontaktangebote der Kitas und Tagespflegestellen werden von den Eltern begrüßt und dankbar angenommen, so ein weiteres Untersuchungsergebnis.

Unterstützung erwünscht

Etwa 19 % der Familien hatten in den letzten Monaten keinen Kontakt zu den Betreuungseinrichtungen. Knapp 50 % der betroffenen Eltern finden es nicht gut, dass sich die pädagogischen Fachkräfte nicht bei ihnen gemeldet haben, 27 % fühlen sich von „ihrer“ Einrichtung regelrecht hängen gelassen. Auch dieses Ergebnis verdeutlicht, dass Eltern grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber einer digitalen Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften sind. Auf die Frage, welche konkrete Unterstützung sie sich von Kita oder Tagespflege wünschen, nannten Eltern von Kindern unter drei Jahren am häufigsten Anregungen zur Förderung der kindlichen Entwicklung (s. Grafik).

Infrastruktur weiterhin nutzen

Die Ergebnisse der Bamberger Untersuchung zeigen klar: Die meisten frühpädagogischen Einrichtungen haben die Zusammenarbeit mit Eltern auch während der Corona-Schließzeit als wichtig erachtet und fortgeführt. Um den Kontakt zu den Familien lebendig gestalten zu können, wurde kreative Lösungen entwickelt. Wichtig sei nun, die in den letzten Monaten mühsam aufgebauten digitalen Infrastrukturen weiterhin zu nutzen. Sie böten auch künftig die Chance für eine verbesserte und den individuellen Bedürfnissen von Familien und Einrichtungen angepasste Zusammenarbeit, so ein Fazit der Bamberger Forschungsgruppe. Um das digitale Potenzial jedoch voll ausschöpfen zu können, benötigten pädagogische Fachkräfte nun umfassende fachliche Unterstützung bzw. Möglichkeiten der Weiterbildung, sowohl bzgl. datenschutzrechtlicher Bestimmungen als auch der technischen Ausstattung und Umsetzung.

Alle Familien im Blick

Der Normalbetrieb ist in den meisten Bundesländern bislang (Stand Juni 2020) nicht wiederhergestellt und es ist nicht absehbar, wann dies flächendeckend der Fall sein wird. Auch wenn mancherorts schon fast wieder Kita-Normalität herrscht, dürfen diejenigen Familien nicht vergessen werden, die noch keine Aussicht auf einen Neustart haben – auch jene, die durch digitale Angebote nicht erreichbar sind. Das bedeutet: Auch wenn die digitale Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachkräften in der Corona-Krise einen deutlichen Schub erfahren hat, müssen zusätzlich analoge Formen der Kooperation entwickelt werden, die in Kita-Schließzeiten ebenfalls greifen. Dies gilt vor allem für Kleinkinder und ihre Eltern, die besonders darauf angewiesen sind, eine stabile und verlässliche Beziehung zu ihren Bezugserziehern oder Tageseltern aufrechtzuerhalten.  

Aktuelle Studie

Zusammenarbeit mit Eltern in Corona-Zeiten Wie wirkte sich die Schließzeit der Kindertageseinrichtungen auf die Arbeitssituation von Kita-Fachkräften und Tagespflegepersonen aus? Und wie veränderte der Corona bedingte Lockdown das Leben von Familien mit jungen Kindern? Das wollten Wissenschaftlerinnen des Lehrstuhls für Elementar- und Familienpädagogik wissen. Von April bis Ende Mai 2020 befragten sie in einer Online-Studie Familien und Fachkräfte in ganz Deutschland zu den Auswirkungen der Schließzeit, insbesondere hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit. An der Befragung nahmen 10.556 Familien und 5.272 Fachkräfte aus Kitas und Kindertagespflege teil. www.uni-bamberg.de/efp  

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