Corona-PandemieEine Ausnahmesituation meistern

Der nordrhein-westfälische Landesverband Kindertagespflege NRW e.V. stellt beispielhaft dar, mit welchen Problemen Akteure der Kindertagespflege während der Corona-Pandemie konfrontiert sind.

Eine Ausnahmesituation meistern
© Harald Neumann

Das in einer Pressekonferenz des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet verkündete Betretungsverbot für Kindertagesbetreuungsangebote ab dem 16. März 2020 war der Startschuss für einschneidende Veränderungen für Kinder, Eltern und Kindertagespflegepersonen: Den Kindern wurde durch die umfangreichen Veränderungen viel abverlangt, vor allem durch den Wegfall vertrauter Routinen und Rituale. Der Großteil der Eltern war gezwungen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie neu zu organisieren, ohne Großeltern oder andere Risikogruppen einbinden zu können. Kindertagespflegepersonen in Nordrhein-Westfalen hielten ihr Betreuungsangebot für die von der Landesregierung schrittweise angepassten Berufs- und Personengruppen vor.

Erhöhter Beratungsbedarf

Die örtlichen Jugendämter und Fachberatungsstellen für Kindertagespflege waren als regionale Ansprechpartner mehr denn je gefordert, Fragen von Kindertagespflegepersonen und Eltern zu bearbeiten. Auch der Landesverband Kindertagespflege NRW e.V. verzeichnete ein erhöhtes Beratungsaufkommen. Darüber hinaus war der Verband gezwungen, viele für das Jahr 2020 geplante Veranstaltungen abzusagen und neue Kommunikationswege für den fachlichen Austausch zu installieren. Innerhalb kürzester Zeit musste die Landesregierung im Zusammenwirken der verschiedenen Ministerien Verordnungen, Erlasse und Fachempfehlungen für die Praxis der Kindertagesbetreuungsangebote erstellen und anpassen.
Die Entwicklungen nahmen ihren Lauf und Nordrhein-Westfalen verfolgte das Konzept der schrittweisen Öffnung der Kindertagesbetreuungsangebote unter Berücksichtigung des jeweils aktuellen Infektionsgeschehens. Die Aufhebung des Betretungsverbotes am 8. Juni 2020 war schließlich der entscheidende Schritt in Richtung Rückkehr zum Regelbetrieb

Existenzsorgen

Rückblickend auf diese Phase voller rasanter Entwicklungen bleiben die individuellen Existenzsorgen der Kindertagespflegepersonen und die sich darauf beziehenden Anfragen in Erinnerung:

  • „Bekomme ich meine laufende Geldleistung gezahlt, obwohl ich keine Kinder betreue?“
  • „Zu welchem Zeitpunkt kann ich meine Qualifizierungsmaßnahme fortsetzen und endlich als Kindertagespflegeperson tätig werden?“
  • „Ich bzw. ein Familienmitglied, gehört der Risikogruppe an. Gibt es überhaupt noch Aussicht auf die Aufnahme meiner Tätigkeit oder soll ich lieber gleich aufgeben?“

Aufgrund der raschen Zusicherung der vollständigen Weiterfinanzierung der Kindertagespflege durch die Landesregierung konnten den Betroffenen einige ihrer Sorgen genommen werden. Dabei wurden auch Kindertagespflegepersonen, die einer Risikogruppe angehören, berücksichtigt.
Bei diesen Anliegen und in vielen weiteren eingehenden Fragen zeigte und zeigt sich die Bedeutung der Fachberatung Kindertagespflege, die mit ihrem örtlichen Informationsund Beratungsangebot für Kindertagespflegepersonen und Eltern erste Anlaufstelle ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass in den Jugendämtern äußerst unterschiedliche Stellenkapazitäten für diese wichtige Anlaufstelle für die Kindertagespflege vorhanden sind.

Säule im Betreuungssystem

Erfreulich war, dass die NRW-Landesregierung und das dort angesiedelte Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration die Kindertagespflege in Pressekonferenzen und anderen Ausführungen konsequent mitberücksichtigte. Es zeigt(e) sich, dass die Politik in Nordrhein-Westfalen diese Form der Kindertagesbetreuung als zentrale Säule im Betreuungssystem begreift und fördert.

Fazit & Ausblick

Dennoch werden in naher Zukunft zentrale Fragen rund um das Handlungsfeld der Kindertagespflege im Zusammenhang mit Corona zu beantworten sein: Wie hoch ist der Anteil an Kindertagespflegepersonen, die ihre Tätigkeit aufgrund der Pandemie aufgeben mussten bzw. aufgeben werden? Wie kann es gelingen, dass die derzeitigen Regelungen in Bezug auf den Umgang mit leichten Erkältungssymptomen bei Kindern nicht zur Dauerbelastung von Eltern und zu einer unregelmäßigen Betreuung in Kindertagespflege und -einrichtungen führen? Die Entwicklungen müssen aufmerksam beobachtet werden. Ggf. können künftig Studien Anhaltspunkte für offene Fragen in der Kindertagespflege bieten (s. INFO). 

INFO

Studie zu Corona-Schutzmaßnahmen

Die NRW-Landesregierung untersucht gemeinsam mit der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität und der Stadt Düsseldorf den Gesundheits- und Arbeitsschutz von Beschäftigten und Kindern in der Kindertagesbetreuung. Dabei wollen die Forscher herausfinden, ob veranlasste Maßnahmen greifen und welche Auswirkungen sie auf die Arbeitsbedingungen, das Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Dazu werden bis März 2021 pädagogische Fachkräfte sowie Kindertagespflegepersonen mehrfach befragt. Ein erstes Zwischenergebnis soll Ende des Jahres vorliegen, der Abschlussbericht im Sommer des kommenden Jahres.

www.land.nrw/de Sie finden die Studie unter Pressemitteilungen → Arbeitsmedizinische Studie zu Corona → Schutzmaßnahmen der Kindertagesbetreuung

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