Behandlung von WundenGut versorgt, schnell verheilt

Kleinere Wunden sind bei lebhaften Kindern an der Tagesordnung. Meist helfen der Trost der Eltern und ein Pflaster. Manchmal muss es aber mehr sein

Aua, das tut weh! Wundversorgung will gelernt sein
Aua, das tut weh! Wundversorgung will gelernt sein© svetikd - iStock

Hat Ihr Kind sich verletzt, sollten Sie die Wunde nicht berühren, damit keine Keime hineingelangen. Desinfizieren Sie kleinere Wunden, die nicht ärztlich versorgt werden müssen, mit einem nicht brennenden Desinfektionsmittel (zum Beispiel Octenisept rezeptfrei aus der Apotheke). Größere Wunden, die ärztlich versorgt werden müssen, sollten nicht desinfiziert, sondern nur trocken verbunden werden (siehe Kasten).
Ist die Wunde mit Sand, Erde oder Kies verunreinigt, spülen Sie den Schmutz unter fließendem Wasser ab. Größere Steinchen können mit einer sauberen Pinzette entfernt werden. Unterwegs ist kohlensäurehaltiges Mineralwasser hilfreich, denn damit lassen sich Schmutzpartikel gut wegspülen.
Decken Sie die Wunde anschließend keimfrei ab. Bei kleinen Blessuren genügt ein Pflaster (sogenannter Wundschnellverband), bei größeren Wunden nehmen Sie sterile Kompressen oder ein Verbandpäckchen, alternativ ein sauberes Stofftaschentuch oder ein Geschirrtuch. Sofern mehr als ein paar Tropfen Blut aus der Wunde kommen, sollten Sie mit einer keimfreien Kompresse ein bis zwei Minuten auf die Stelle drücken und den Arm oder das Bein hochhalten.
Befindet sich ein Fremdkörper in der Wunde, lassen Sie diesen bitte stecken, da das Herausziehen zu einer schweren Blutung führen kann! Polstern Sie den Fremdkörper außen herum mit Mullbinden ab und legen Sie nur einen locke ren Verband an. Splitter können Sie natürlich selbst entfernen.
Denken Sie bei allen Wunden daran, dass Ihr Kind einen vollständigen Tetanusschutz braucht. Zusätzlich können Sie bei jeder Art von Wunde unterstützend das homöopathsiche Mittel Arnica montana (Bergwohlverleih) D12 ein setzen. Geben Sie so lange alle zehn Minuten eine Tablette oder fünf Kügelchen, bis Blutung und Schmerz nachgelassen haben.

Kühlen, aber nicht zu viel

Hat Ihr Kind sich verbrüht oder verbrannt, bringen Sie es zuerst aus der Gefahrenzone. Entfernen Sie die Kleidung von den betroffenen Stellen, sofern sich diese problemlos von der Haut lösen lässt (ansonsten auf der Haut belassen!). Sind nicht mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen (die Handfläche Ihres Kindes entspricht etwa einem Prozent), sollten Sie die Stelle sofort mit nicht zu kaltem, fließenden Wasser (circa 20° C) kühlen. Kühlen Sie nicht länger als fünf bis zehn Minuten (bei Kindern unter drei Jahren maximal zwei bis drei Minuten), denn der Körper Ihres Kindes darf nicht auskühlen. Beginnt Ihr Kind sichtbar zu frösteln, stoppen Sie die Kühlung, trocknen es ab und decken es zu. Kleinflächige Verbrennungen, etwa an der Hand, dürfen zur Schmerzlinderung 15 bis 20 Minuten gekühlt werden. Wenn mehr als zehn Prozent der Haut betroffen sind, kühlen Sie nicht und rufen Sie sofort den Rettungsarzt. Geben Sie niemals Hausmittel wie Butter oder Mehl auf die Brandwunde und stechen Sie Brandblasen nicht auf.

kizz Tipp

Genähte, mit Strips oder Kleber versorgte Wunden dürfen nicht nass werden, bis die Nähte oder Strips entfernt sind. Auch starke körperliche Belastung und Sport sind zu vermeiden. Bei anderen tieferen Wunden, etwa Stichwunden, sollte ebenfalls in den ersten Tagen auf Schwimmbadbesuche oder ausgiebiges Baden verzichtet werden.

Nadel oder Kleber?

Tiefe, klaffende und stark blutende Wunden müssen in der Regel genäht werden. Dabei werden die Wundränder wieder aneinandergelegt und durch eine Naht fixiert. Besonders wichtig ist die ärztliche Versorgung bei Wunden im Gesicht, um unschöne Narben zu vermeiden, sowie an den Händen, damit keine Gefäß- oder Nervenverletzungen übersehen werden, welche später die Funktion der Hand einschränken könnten. Beim Nähen ist immer eine örtliche Betäubung erforderlich, manchmal – vor allem bei Kleinkindern – eine Vollnarkose.
Oft genügt es aber, Wunden mit Wundverschlussstreifen (sogenannten Steri-Strips) zusammenzuhalten oder auch mit Gewebekleber (Cyanacrylat- Klebstoff) zu fixieren. Das erspart Ihrem Kind die Betäubungsspritze und geht schneller. Dafür sollten die Haut trocken und die Wundränder glatt sein und sich gut aneinanderlegen lassen. Beim Kleben wird nur die obere Hautschicht benetzt, der Kleber selbst darf nicht in die Wunde gelangen. Ist er aufgetragen, muss die Wunde 30 bis 60 Sekunden zusammengehalten werden. Weil der Klebstoff häufig unangenehm brennt, sollten Sie Ihr Kind währenddessen festhalten und gut ablenken.
Dass Wunden an der Luft am besten heilen, ist aus wissenschaftlicher Sicht falsch. Die körpereigenen Enzyme und Wachstumsfaktoren sind im feuchten Milieu viel aktiver und auch die Zahl der Entzündungszellen in der Wunde geht schneller zurück, wenn sie nicht der Luft ausgesetzt ist. Daher sollten Sie insbesondere großflächige, flache Schürfwunden nach dem Desinfizieren mit einer Wund- und Heilsalbe eincremen. So lässt sich einer harten Kruste vorbeugen, die die Wundheilung behindert und zudem schnell einreißt. Genähte, mit Strips oder Kleber versorgte Wunden sollten nicht eingecremt werden.
Danach gehört auf alle Wunden ein Pflaster! Achten Sie darauf, dass das Pflaster atmungsaktiv sowie hautfreundlich ist und sich gut wieder ablösen lässt. Das ist wichtig, weil Sie das Pflaster einmal täglich wechseln sollten. Dabei können Sie bei Schürfwunden erneut Wundsalbe auftragen. Nur wenn das Pflaster zu selten gewechselt wird oder die Wunde luftdicht abschließt, besteht erhöhte Infektionsgefahr.

kizz Info

Welche Wunden muss der Arzt versorgen?

Ein Arztbesuch – möglichst innerhalb der nächsten zwei Stunden – ist erforderlich bei:

  • klaffenden und / oder stark blutenden Wunden
  • verschmutzten Wunden, Bisswunden (egal ob von Tier oder Mensch) oder Wunden mit Fremdkörper (größere Glassplitter, Nagel … )
  • fehlendem Tetanusschutz
  • Wunden, die über einen Zentimeter lang und tiefer als einen halben Zentimeter sind
  • Wunden im Gesicht
  • Wunden, die sich infi ziert haben (stark geröteter Wundrand, Eiter, „roter Strich“ als Hinweis auf eine Entzündung der Lymphbahn)

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