SchlafenszeitSchlaf, Kindchen, Schlaf

Ich bin morgens immer müde, summt Kolumnistin Astrid Herbold, und fragt sich, ob andere Familien sich auch so mit dem Thema Schlafen quälen

Schlaf, Kindchen, schlaf
Schlaf wird überbewertet! © Daniela Kohl

Freunde von uns waren in Barcelona. Pärchen-Wochenende ohne Kinder. „Wie war’s?“, fragte ich neidisch. „Herrlich“, lautete die Antwort, „wir haben neun Stunden durchgeschlafen!“ Wenn Eltern ins Schwärmen geraten, dann meistens beim Thema Schlaf. Ach, was man sich da alles zusammenphantasieren kann. Im Bett liegen. Ungestört. Wie schön wäre das, wenn mal eine Nacht niemand angetapert käme, der einem das Kopfkissen streitig macht und die Decke wegzieht. Keiner, der schlecht geträumt oder eingepullert hat, der seinen Nuckel oder sein Schnuffeltuch nicht finden kann. Oder der morgens um fünf Uhr Hunger hat und Langeweile und Lust auf Vorlesen ...

Schlafen – die ewige Baustelle in jeder Familie. Bis sich die nächtlichen Rhythmen so eingespielt haben, dass alle morgens wieder halbwegs ausgeruht und ansprechbar sind, dauert es meistens Jahre. Und wer frischgebackene Eltern trifft, der sieht an ihren Augenringen, dass das mit dem Durchschlafen nach sechs Wochen (solche Wunderbabys soll es ja geben) nur ein schönes Märchen oder eine fette Lüge sein kann.

In Wirklichkeit schmieden Eltern ständig die kompliziertesten Schlafpläne, die sie dann ebenso häufig wieder über Bord werfen müssen. Zum Beispiel: Freitagabend halten wir das Kind bis 22 Uhr wach, damit es Samstagmorgen eine Stunde länger schläft! Oder: Wir lassen sonntags extra den Mittagschlaf ausfallen, dann fällt der Nachwuchs spätestens um 20:14 Uhr in Tiefschlaf und wir können in Ruhe Tatort gucken! Oder: Weil heute Abend eine Einladung ansteht, legen wir uns mittags alle hin und schlafen ein bisschen vor! Soweit die Theorie. Sie funktioniert in der Praxis, wie wir alle wissen, so gut wie nie.

Trotzdem geben wir nicht auf. Wir bemühen uns hartnäckig, Nickerchen günstig einzutakten, Spaziergänge und Autofahrten zu nutzen oder die Schlafphasen von Geschwistern zu synchronisieren. Vor allem aber fürchten wir die späten Nachmittage. Bitte, bitte kein spontaner Powernap im Buggy nach 17 Uhr! Denn das heißt, dass ein kleines Familienmitglied bis in die Nacht putzmunter auf dem Sofa herumspringen wird. Während wir Großen saftlos in den Sesseln hängen.

Weil unsere Schlafstrategien so viel List und Geschick verlangen, können wir es überhaupt nicht leiden, wenn Außenstehende Unordnung in die Sache bringen. Großeltern oder Babysitter haben ein Talent dafür. Aber auch ErzieherInnen sind ein willkommenes Feindbild. Warum lassen sie 5-Jährige noch „nach Bedarf“ schlafen? Warum ermutigen sie die Kinder, sich nach dem Mittagessen hinzulegen? Warum dimmen sie das Licht und machen leise Musik an? Eltern können sich über solche Rituale so wahnsinnig aufregen, dass sie offen Streit anfangen oder sogar böse E-Mails an die Kitaleitung schreiben.

Pardon, war nicht so gemeint. Ihr habt eure Gründe und Standpunkte, und die sind sicher auch irgendwie nicht verkehrt. Wir Eltern sind bei dem Thema vielleicht manchmal ein bisschen unflexibel und dünnhäutig. Zu unserer Entschuldigung sei gesagt: Chronischer Schlafmangel macht einfach übelst schlechte Laune. Und wir kommen so selten nach Barcelona, um mal auszuschlafen.

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